Mein Gott

Zeichen der Versöhnung mit den Juden

Karsten Malz.

Karsten Malz.

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Heute denken vielerorts jüdische Gemeinden an die Pogromnacht. 81 Jahre ist es her, dass Menschen jüdischen Glaubens diese Nacht voller Gewalt und Zerstörung hier in Deutschland erleben mussten.


Ich bin als Vertreter unseres Kirchenkreises zu der Gedenkveranstaltung in Hagen eingeladen. Und ich empfinde es als entlastend, dass es möglich ist, gemeinsam zu gedenken. Denn auch die Kirche hat ja in der NS-Zeit zu großen Teilen eine unrühmliche Rolle gespielt und Schuld auf sich geladen.


Im Brief des Apostels Paulus an die Römer stehen folgende Sätze: „Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Anordnung“ und „Es ist keine Obrigkeit, außer von Gott“.


Ich habe vor einiger Zeit über diesen Text gepredigt und meine Predigt damit begonnen, dass mir diese Worte des Paulus im Blick auf unsere deutsche Geschichte im Halse stecken bleiben. Denn ich weiß, dass sich die Machthaber in der NS-Zeit unter anderem auf diese Paulusworte berufen haben, um das damalige Unrechtsregime zu legitimieren und zu stützen. Ein Unrechtsregime, unter dem jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger gedemütigt, verfolgt und vernichtet wurden.


Wenn Christen und Juden heute gemeinsam an die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 denken, begreife ich dies als Zeichen der Versöhnung. Das Gedenken an das, was damals geschehen ist, es mahnt uns aber zugleich zu besonderer Sensibilität, und es ermahnt uns, antijüdische Tendenzen nie wieder zuzulassen. Und es ermahnt uns, hellhörig zu sein, wenn sich in unserer Gesellschaft Menschen breit machen, die nationalsozialistischem Gedankengut frönen und mit ihren Worten und Taten Angst verbreiten und andere mundtot machen wollen.


Die Präses unserer Landeskirche Annette Kurschus hat im letzten Jahr im Blick auf die Pogromnacht folgende Erklärung abgegeben: „Unser Gedenken an das Verbrechen des 9./10. November 1938 und an all das, was danach folgte, motiviert uns, uns entschieden gegen alle Formen der Judenfeindschaft, gegen Antijudaismus und Antisemitismus einzusetzen.“ Und es sollte uns motivieren, für Freiheit einzutreten und Ausgrenzung in jeder Form entgegenzutreten.

Karsten Malz ist Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde in Alt-Wetter

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