In Zahlen

Wie sich die Mietpreise im EN-Kreis entwickelt haben

EN-Kreis.   Die Mietpreise sind insbesondere in Herdecke in den letzten Jahren stark gestiegen. Wie die einzelnen Kommunen abschneiden, lesen Sie hier.

Wie hat sich der Mietpreis in Ihrer Kommunen entwickelt? Die interaktive Grafik verrät es. Fahren Sie mit der Maus oder dem Finger über die Linien.

Um satte 21,5 Prozent sind in Herdecke in den letzten sechs Jahren die Kaltmieten angestiegen. Das ist der zweithöchste Wert im Ennepe-Ruhr-Kreis. Nur in Hattingen stiegen die Mieten im Vergleichszeitraum höher an (23,4 Prozent). Das ergibt eine Statistik des Instituts Empirica. Was sind die Gründe für diesen Anstieg?

„Herdecke ist mit Bezug zu Dortmund sehr gefragt“, sagt Michael Füllkrug, Vorsitzender des Eigentümerverbandes Haus und Grund in Herdecke. Ein Grund für die steigenden Mietpreise sei die Bebauung im Quartier Ruhraue und früheren Westfalia-Areal mit hochpreisigen Wohnungen. Für Menschen mit einem geringen Einkommen „wird es schwerer“. Noch habe es laut Füllkrug keine Veränderung des Mieterklientels gegeben.

Was in Herdecke fehle, seien größere Wohnungen mit mehr als vier Zimmern. Füllkrug: „Mieter wollen größere Wohnungen haben. Appartements mit 18 Quadratmetern bekommen Sie nicht vermietet.“

Herdecke ist „vermieterfreundlich“

Das schlägt sich auch in den Mietpreisen nieder. Michael Füllkrug sagt: „Herdecke ist ein sehr vermieterfreundlicher Markt.“ Teilweise könnten die im Verband organisierten Vermieter eine Kaltmiete von bis zu elf Euro pro Quadratmeter verbuchen. Unterhalb von sechs Euro gäbe es kaum Angebote. Dass sich Eigentümer an ihren Mietern bereichern wollen, sieht Füllkrug nicht so: „Das Bild vom gierigen Vermieter ist Quatsch. Wir haben als Vermieter eine soziale Verantwortung.“ Eigentümer müssten jedoch investieren können, um sich auf dem Wohnungsmarkt halten zu können. Dafür müssten Vermieter einen gewissen Überschuss erwirtschaften.

In Ennepetal sind die Mieten mit 5,6 Prozent eher moderat gestiegen. Gerd Westermann vom örtlichen Eigentümerverband sagt: „Wir als Vermieter haben kein Interesse an Mieterhöhungen.“ Das Problem seien steigende Betriebskosten, sprich Abgaben für Strom, Wasser, Gas sowie Müllgebühren. „Je höher die Betriebskosten sind“, sagt Westermann, „desto schlechter ist das auch für die Vermieter.“

Der Südkreis gehört auch zum Einzugsgebiet des Oberzentrums Wuppertal. „Früher dachte man, dass man Studenten aus Wuppertal anlocken könnte, im Südkreis zu wohnen.“ Ein Trugschluss.

Ennepetal habe zwar eine gute Lage, aber: „Es fehlt das Zentrum.“ Dennoch sei durchaus eine Nachfrage vorhanden, sagt Westermann. Es würden inzwischen vermehrt kleinere Wohnungen gebaut.

Gute Gemeinschaft im Südkreis

Im Vergleich zu den Großstädten sieht Westermann die Kommunen im Südkreis aber nicht im Nachteil: „Ich glaube, dass wir ganz gute Chancen haben. In Städten wie Ennepetal oder Gevelsberg kennt jeder jeden, das fördert die Gemeinschaft.“ Für Menschen, die sich in Großstädten unsicher fühlen, könnte das reizvoll sein. Der Großteil der Mieter seien Familien.

Alexander Wieczorek ist Hagener Rechtsanwalt und im Mieterverein organisiert. Auch er beobachtet den Wohnungsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis. „In Herdecke geht es hochpreisig zu. Das ist für untere Einkommensklassen ein schwieriges Pflaster.“ Als „Speckgürtel“ von Dortmund mit dem bekannten Grenzgebiet Ahlenberg und Hagen bietet sich die Ruhrstadt für Mieter an, die nicht in einer Großstadt wohnen wollen, aber dennoch genug Geld haben. In Ennepetal gibt es vergleichbare Probleme nicht. Jedoch findet auch im Südkreis eine Preissteigerung statt. Der Grund dafür sind demnach die bereits angesprochenen steigenden Nebenkosten.

Höhere Mieten durch Sanierungen

Was das Verhältnis zwischen Mieter und Vermieter angeht, sieht Wieczorek einen Unterschied zwischen Großkonzernen und privaten Vermietern:„Privateigentümer hängen schon an ihrer Immobilie.“ Dort sei der Umgang mit Mietern bisher auch fast immer fair gewesen. Ein gutes Verhältnis mit den Mietparteien ist demzufolge auch im Sinne des Eigentümers. „Großvermieter hingegen müssen ihre Aktionäre zufrieden stellen, indem sie Gewinne erwirtschaften.“

Das kann bedeuten, dass Konzerne wie Vonovia Modernisierungen an ihren Objekten durchführen, um deren Wert zu steigern. Durch das Umlegen der Instandsetzungskosten steigen die Mieten. Wer sich das nicht mehr leisten kann, wird „herausmodernisiert“ wie es im Mieterjargon heißt. Das sei ein Problem, da diese Konzerne sich gerade auf Wohnungen für Mieter mit geringerem Einkommen spezialisieren würden.

Vermieter Gerd Westermann beklagt sich: „Leider machen die großen Konzerne uns privaten Vermietern damit das Leben schwer, weil wir in der Öffentlichkeit mit in denselben Topf geworfen werden.“

Alle Teile der Serie „In Zahlen“ gibt es hier.

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