Gericht

84 Taten: Intensivtäter aus Wetter (15) muss ins Gefängnis

Geschäfte im Wittener Johannisviertel waren Ende letzten Jahres wiederholt Ziel der Einbrüche.

Geschäfte im Wittener Johannisviertel waren Ende letzten Jahres wiederholt Ziel der Einbrüche.

Foto: Bastian Haumann

Wetter/Hagen.  84 Straftaten gab ein junger Wetteraner im Prozess zu. Acht Stunden dauerte es, bis das Jugendschöffengericht in Hagen ein Urteil fällte.

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Über mehrere Monate hielten die Straftaten eines damals 14-jährigen Wetteraners Wittener Bürger und insbesondere die Geschäftsleute der Stadt in Atem. Am Donnerstag nun saß der Jugendliche im Amtsgericht Hagen auf der Anklagebank. Sein Prozess, der bis zum späten Nachmittag andauerte, endete mit einer Jugendstrafe und der Unterbringung in einer Entzugsklinik.

Überfälle und Diebstähle

Zwischen März vergangenen Jahres und April 2019 sorgte der jugendliche Straftäter in Witten für Aufsehen. Unter anderem überfiel er ein Schnellrestaurant, knackte die Zündschlösser zahlreicher Motorroller und fuhr mit ihnen davon – selbstverständlich ohne Führerschein. Er klaute eine ganze Reihe von Fahrrädern oder stahl in hiesigen Geschäften. Wobei Tabak seine vornehmliche Beute war. Er beleidigte und bedrohte, war im Besitz von Drogen. Auch wusste er eine günstige Gelegenheit zu nutzen: Er stieg in das mit laufendem Motor abgestellte Auto eines Zeitungsboten, fuhr los, setzte den Wagen vor einem Baum, stieg aus und flüchtete zu Fuß. Zu dem Diebstahl kam in diesem Fall also auch noch ein unerlaubtes Entfernen vom Unfallort hinzu.

Mehrere Monate saß der heute 15-Jährige in Untersuchungshaft in der JVA Iserlohn. Gestern wurden seine Taten vor dem Hagener Jugendschöffengericht verhandelt. Die Anklageschrift umfasste 84 Vorwürfe, die der junge Wetteraner im Wesentlichen einräumte. Zum Teil konnte er sich nicht auf Anhieb erinnern. In den Fällen half manchmal ein Vorhalt des Gerichts oder ein Blick in die Akte. Wobei es sich ausschließlich um Taten handelte, die er alleine beging. Von den anderen Jugendlichen, die ebenfalls für reichlich Ärger gesorgt haben sollen und im Zusammenhang mit dem Wetteraner als Jugendbande bezeichnet wurden, war in diesem Verfahren keine Rede.

Verminderte Schuldfähigkeit

Nahezu acht Stunden wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt und letztlich wurden 19 Anklagepunkte mit Blick auf die ohnehin zu erwartende Strafe für die verbliebenen 65 Taten eingestellt. Wegen einer Drogenabhängigkeit ging das Gericht in allen Fällen von verminderter Schuldfähigkeit wegen einer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit aus.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beantragte in ihrem Plädoyer die Verurteilung zu zwei Jahren und neun Monaten Jugendstrafe sowie die Unterbringung im Entzug. Der Verteidiger des 15-Jährigen bat in seinem Schlussvortrag um eine milde Jugendstrafe und sprach sich ebenfalls für die Unterbringung in einer entsprechenden Einrichtung aus.

Das Jugendschöffengericht verurteilte den Wetteraner letztlich zu zwei Jahren und sechs Monaten Jugendstrafe und ordnete seine Unterbringung im Drogenentzug an. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

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