Umwelt

Für junges Paar aus Wetter ist Garten Luxus

Im Hochbeet ziehen und ernten Yvi Merabet (22) und Freund Alex Rach (24) aus Wetter sowie dessen Bruder Christian (21) Salat, Möhren und mehr. Auch drumherum bauen sie für den eigenen Bedarf an.

Im Hochbeet ziehen und ernten Yvi Merabet (22) und Freund Alex Rach (24) aus Wetter sowie dessen Bruder Christian (21) Salat, Möhren und mehr. Auch drumherum bauen sie für den eigenen Bedarf an.

Foto: Elisabeth Semme / WP

Wetter/Hagen.  Yvi Merabet (22) und Freund Alex Rach (24) aus Wetter bewirtschaften die vom Opa geerbte grüne Oase. Und sind im Freundeskreis ziemliche Exoten.

Die Kaninchen liegen reglos im Schatten, und auch die Fische haben sich in tiefere Teichzonen zurückgezogen. Nur die Bienen sind an diesem heißen Sommertag fleißig wie immer – unter der blühenden Linde summt und brummt es. „So ein Garten ist schon Luxus. Aber viele wissen das gar nicht wertzuschätzen“, sagt Yvi Merabet. Die 22-jährige Wetteranerin sitzt mit ihrem Freund am Tisch im Schatten einer Gartenparzelle in Haspe. Schon seit drei Jahren kümmert sich das junge Paar um die grüne Oase, die zuvor der verstorbene Großvater von Alex Rach (24) bewirtschaftete. Gleich nebenan, in der Parzelle von Vater Rach, sammelt Alex’ Bruder Christian (21) die Schnecken vom selbst gezogenen Kopfsalat. In ihrem Freundeskreis sind die jungen Gartenfreunde ziemliche Exoten.

Einfach ausprobieren

„Wenn ich hier mit meinen Freunden sitze, merke ich, dass keiner einen Plan von Natur oder Nachhaltigkeit hat“, sagt Christian Rach. Yvi nickt: „Viele bekennen sich zwar zur Nachhaltigkeit, weil es gerade Trend ist. Aber das wird nicht bleiben.“ Ihre Freunde seien zwar durchaus neugierig auf alles, was so in ihrem Garten wächst und gedeiht, „aber sie sagen dann immer sofort: Das könnte ich nicht. Dabei muss man einfach alles nur mal ausprobieren.“

Anfangs hätten sie den Garten überwiegend zum Chillen und Grillen genutzt. „Letztes Jahr sind wir dann aktiv geworden und haben Beete angelegt“, sagt die Sozialarbeiterin und deutet auf die kniehohen Tomatenpflänzchen. Direkt gegenüber liegt die Wildblumenwiese für die Bienen. „Und Heidelbeeren haben wir auch gepflanzt. Die tragen jetzt zum ersten Mal. Wir warten darauf, dass sie blau werden“, sagt Yvi Merabet und lächelt. Pfingstrosen und Mohn stammen noch von den Großeltern, aber Basilikum und Avocado „aus dem vorgezogenen Kern“ haben Yvi und Alex selbst in die Erde gebracht.

Nebenan bei Christian wachsen auch Möhren, Zuckermelonen, Radieschen, Kopfsalat, Kräuter: „Und der Apfelbaum, der trägt alle zwei Jahre ordentlich. Seine Äpfel sind richtig gut für Kuchen.“ „Unser nächstes Projekt sind Hokkaido-Kürbisse. Die Kerne haben wir letzten Herbst eingesammelt und getrocknet. Die setzen wir jetzt einfach in die Erde und hoffen, dass Kürbisse draus wachsen“, sagt Yvi. Auf jeden Fall wollen die jungen Wetteraner auch ihre Wildblumenwiese noch vergrößern, „um Insekten mehr Lebensraum zu bieten“.

Erst ernten, dann essen

Zwei bis drei Mal in der Woche fährt Alex Rach aus Wetter in seinen Garten nach Haspe; Bruder Christian wohnt nur wenige Gehminuten entfernt und ist täglich dort: Schließlich wollen neben den Pflanzen auch die elf Kaninchen und zwei Meerschweinchen versorgt werden. Kümmern muss er sich zudem um seine Axolotls – das sind ganz besondere Schwanzlurche, die nur als Dauerlarve auftreten. Axolotls werden geschlechtsreif, ohne ihre äußere Larvengestalt zu verändern und eine bei Amphibien sonst übliche Metamorphose zu durchlaufen. Für die Kinder aus den Nachbargärten sind Streichelzoo und Axolotls übrigens eine ganze besondere Attraktion.

„Strom und Wasser haben wir nicht; denn das hier ist Grabeland. Deswegen sammeln wir das Regenwasser in Tonnen auf“, erklärt Alex Rach. Und wenn es länger nicht geregnet hat und kein Wasser da ist? „Dann gehen eben manche Pflanzen kaputt. Wir überlassen vieles der Natur; es soll nicht alles so sortiert sein“, sagt der 24-Jährige. Ansonsten gilt für ihn ebenso wie für seinen Bruder und seine Freundin: „Alles, was wir ernten, essen wir auch. Oder die Kaninchen fressen es.“

In der Kindheit geprägt

Dass Alex und Christian so eng mit den Gärten verbunden sind, hat eine einfache Erklärung: „Wir haben unsere halbe Kindheit hier verbracht. Dann weiß man so etwas auch zu schätzen.“ Was Yvi nur bestätigen kann: „Wir hatten unseren Garten im Baukloh. Da hatten wir auch alles. Wenn Du das nicht kennst, machst Du Dich später auch nicht selber auf Weg.“

Für Alex steht fest, dass er gemeinsam mit Yvi die kleine grüne Oase in Haspe auch in Zukunft von der Stadt Hagen pachten wird, um die Natur dort zu bewahren. „Ich freue mich immer, wenn ich die Bienen in den Linden sehe“, sagt der 24-Jährige. Für ihn und seine Freundin ist Nachhaltigkeit längst zur Handlungsmaxime im Alltag geworden: „Wir kaufen bewusst ein und versuchen, Plastikmüll zu vermeiden. Und für das, was wir anbauen und selbst essen, benötigen wir ohnehin kein Plastik. Außerdem kaufe ich keine Mangos aus Neuseeland, weil es Schwachsinn ist, Lebensmittel einmal um die Welt zu fliegen“, sagt der 24-Jährige, der im übrigen fast ausschließlich Zug fährt, um von A nach B zu gelangen. Freundin Yvi ergänzt: „Käse und Wurst kaufen wir an der Theke, weil es da in Papier eingewickelt wird.“ Darüber hinaus verhalte er sich im Alltag so, wie er es von klein auf gelernt habe: „Papa hat immer gesagt: Machs Licht aus!“

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