Behinderung

Forschungsinstitut der ESV ist bestens aufgestellt

Jubiläumsfeier des FTB im Landtag von Nordrhein-Westfalen am 12.9.2016

Jubiläumsfeier des FTB im Landtag von Nordrhein-Westfalen am 12.9.2016

Wetter.   Ein Gespräch mit Professor Christian Bühler über Hörschleifen im Düsseldorfer Landtag und den 25. Geburtstag des FTB in Wetter.

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An so einem Ort darf nicht jeder feiern, das Forschungsinstitut Technologie und Behinderung (FTB) schon: Im Plenarsaal des Landtages wurde ein Vierteljahrhundert des FTB gewürdigt. Grund genug, um mit seinem Leiter Christian Bühler über das Institut der Evangelischen Stiftung Volmarstein zu sprechen, das lokal handelt, aber auch global bestens vernetzt ist.


Der Landtag war ein besonderer Ort für die Feier zum 25. Geburtstag des FTB, auch mit einer Hörschleife als besonderer Ausstattung. Hat das FTB die Hörschleife mitgebracht?
Christian Bühler: Wir hätten eine mitbringen können. Weil diese aber mit der Technik im Landtag nicht gut zusammengespielt hätte, ist eine Hörschleife angemietet worden.


Auch ohne fest installierte Hörschleife: Sagt der Ort der Feier etwas über den Stellenwert, den Menschen mit Behinderungen und Forschung in der Technik mittlerweile haben?
Das kann man schon so sagen. Wir sind ja über die Vermittlung des Sozialausschusses mit dieser Veranstaltung im Landtag gelandet, der unsere Arbeit kennt und für wichtig hält. So hat es die Landtagspräsidentin in ihrer Rede ja auch zum Ausdruck gebracht. Verschiedene Elemente der Barrierefreiheit sind im Landtag schon fest umgesetzt. Dass noch nicht alles perfekt ist, ist symptomatisch. Man muss noch daran arbeiten. Aber ich glaube, der Landtag hat sich auf den Weg gemacht. 25 Jahre zurück gedacht – hätte da bei einer Feier im Landtag irgendjemand auf dem Schirm gehabt, dass es technische Hilfen wie Hörschleifen gibt?
Die Technik wäre sicherlich schon da gewesen, nur nicht so selbstverständlich wie heute. An andere Dinge, die wir auch dabei hatten – Videos mit Gebärdensprache oder Gebärdensprachedolmetschung – hat man früher kaum gedacht.


Wo steht die Arbeit des Instituts heute? Was ist abgehakt, Geschichte, was muss noch gelöst werden?
Alles bleibt im Fluss, weil sich sowohl die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verändern als auch die technischen Voraussetzungen. Wir können ja heute Dinge machen beispielsweise mit einem Smartphone, die früher viel mehr Aufwand mit sich gebracht hätten. Und die gesellschaftlichen Veränderungen lassen andere Bedarfe entstehen, weil Menschen teilhaben sollen und wollen in allen gesellschaftlichen Bereichen. Dazu zählt die Arbeitsplatzgestaltung, aber auch die Barrierefreiheit in allen Bereichen. Heute klebt man noch Leitstreifen auf den Boden, man könnte das aber auch mit Navigationssystemen machen. Ein Navi eigens für blinde Menschen zu entwickeln, wäre viel zu teuer gekommen. Aber wo die ganze Technik jetzt schon mal da ist...


Gibt es Verschiebungen in der Arbeit des FTB?
Wohnen und Arbeiten sind bei uns Themen, die klassischerweise ganz vorne stehen. Die Teilhabe in anderen Bereichen wie etwa das Internet oder auch das Reisen sind in den letzten Jahren stärker in den Mittelpunkt gerückt. Die Verknüpfung macht ja auch Sinn. Ich muss von der Arbeitsstätte irgendwo hinkommen und nicht nur durch den Behindertenfahrdienst, sondern möglicherweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Behindertenbewegung, die Selbstvertretung von Menschen mit Behinderungen, sorgen dafür, dass sich dieser Blickwinkel Stück für Stück verändert.


Hat das FTB irgend etwas beisteuern können zu der Diskussion über Inklusion in der Schule?
Im Zusammenhang mit Schulgebäuden geht es immer um die Frage: Was braucht man da? Wir haben diese Diskussionen mit geführt. Es gab vorher die Auffassung, dass Schüler gar keine Besucher von Schulen sind, sondern die Nutzer und man das daher nicht barrierefrei gestalten muss. Das ist jetzt überwunden. Man sieht das ein, dass auch die Klassenzimmer für die Schüler barrierefrei sein müssen und nicht nur die sanitären Anlagen für die Eltern als Besucher. Bei der Schul-Inklusion wurde ja auch diskutiert, dass es wahnsinnig teuer ist, wenn man alle Schulen umbauen muss. Wir haben das mit Augenmaß begleitet und gefragt: Was ist jetzt möglich? Man muss dabei realistisch bleiben und nicht irgendwelche Wolkenkuckucksheime bauen. Man muss im guten Sinne miteinander ringen, um Lösungen zu finden.


Gibt es Konkurrenz? „Leichte Sprache“ bietet nicht nur das FTB.
Bei der leichten Sprache waren uns die Verbände wie die Lebenshilfe voraus. Da haben wir aber aufgeholt. Und wir arbeiten zusammen, etwa im Netzwerk Leichte Sprache. Den gesamten Markt kann ohnehin niemand bespielen. Die meisten Anbieter sind auf Regionalmärkten unterwegs, wie wir ja auch angefangen haben mit dem „Büro für Leichte Sprache“ und Aufträgen für Wetter oder die Stiftung. Hin und wieder gibt es größere Aufträge auch mal von Land oder Bund. Da stehen wir zwar in Konkurrenz, aber oftmals haben wir gar keine Kapazitäten für ein Angebot. Und den anderen geht es genau so. Für uns ist ganz wichtig, dass Menschen mit Behinderungen beteiligt sind beim Übersetzen und machen das in den Prüfgruppen auch konsequent. Andere halten das für überflüssig. Da müssen wir für den richtigen Weg auch streiten.


Ist Wetter auch nach 25 Jahren noch ein guter Standort oder vielleicht doch manchmal eine Bremse?
Wetter ist ein guter Standort für Nordrhein-Westfalen, geografisch vergleichsweise zentral. Manchmal wäre es schöner, in Düsseldorf zu sitzen, weil man näher dran ist an der Regierung. Aufgrund der Geografie gibt es in Wetter allerdings auch ein paar Herausforderungen, die nicht jedermann immer für gut hält. Zu uns auf den Berg in Grundschöttel könnte man mit einem Handrolli nicht hochfahren. Da braucht es ein Taxi oder einen Bus. Aber wir möchten die direkte Nähe zu unserer „Mutter“, der Evangelischen Stiftung Volmarstein, nicht missen. Von einer „Bremse“ würde ich auf keinen Fall sprechen. Viele Sachen machen wir ja gar nicht bei uns, sondern wir gehen raus – etwa mit den Angeboten der. Agentur Barrierefrei NRW – ins Rheinland, ins Ruhrgebiet, nach Westfalen oder ins Lipperland. Da liegen wir räumlich ziemlich gut.

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