Interview

„Es müsste eine längere Zeit intensiv regnen“

Grünflächenplaner Egbert Feuerstack zeigt einen vertrockneten Baum an der Grundschötteler Straße.

Grünflächenplaner Egbert Feuerstack zeigt einen vertrockneten Baum an der Grundschötteler Straße.

Foto: Elisabeth Semme

Wetter.   Für Wetters Grünflächenplaner sind abgestorbene Bäume eine Folge extremer Trockenheit. Ein Zeichen des Klimawandels?

Wer als Spaziergänger mit offenen Augen durch die Natur geht, wird die vielen toten Bäume schon gesehen haben – an Straßenrändern, im Wald oben auf dem Harkortberg, aber auch am Hang hoch über dem Zillertal zwischen Wetter und Herdecke. Immer wieder zeichnen sich dort braune Flecken im ansonsten satten Grün der Wälder ab. Über das Baumsterben hat die Redaktion mit dem Grünflächenplaner der Stadt Wetter, Egbert Feuerstack, gesprochen.

Redaktion: Teilen Sie die Beobachtung, dass es derzeit viele braune Bäume im Stadtgebiet gibt?

Egbert Feuerstack Ja, ich beobachte das im gesamten Stadtgebiet, auf städtischen und auch privaten Flächen. Die gesunden Bäume treiben alle grün aus, und nun stellt sich heraus, dass einige Bäume komplett trocken sind. Und auch die, die bis jetzt in der Krone noch nicht komplett abgestorben sind, werden es nicht mehr schaffen; denn die Böden sind immer noch ziemlich trocken. Die Bäume können sich in ihrem Altholz nicht mehr regenerieren. Auch Straßenbäume sieht man häufig braun werden. Wenn der Leittrieb geschädigt ist, ist das kein gutes Zeichen.

Welche Bäume sind davon besonders betroffen?

Hier bei uns besonders Buchen, Eichen, Birken und Ahorn. Nur bei den Nadelgehölzen muss man genau unterscheiden: Die Fichte stirbt auch ab, aber aufgrund des Borkenkäferbefalls. Wobei man sagen muss, dass wir hier wenig Nadelholzbestände haben und deswegen wenig Befall. Aber in Richtung Hagen wird diese Erscheinung schon dramatischer. Und im übrigen hat auch der Borkenkäferbefall mit der Trockenheit zu tun; denn der Borkenkäfer fühlt sich bei diesem Klima sehr wohl und kann sich schnell verbreiten.

Worin sehen Sie die Ursache für das Baumsterben?

Die Ursache liegt in der extremen Trockenheit des vergangenen Sommers. Und der Winter hat, was Regen anbelangt, auch nicht viel gebracht. Nur der Mai war eigentlich zu nass. Doch da konnten die Grundböden schon nicht mehr aufgefüllt werden, damit sie die tiefwurzelnden Bäume noch gut hätten versorgen können.

Was passiert mit den abgestorbenen Bäumen?

Dort, wo abgestorbene Bäume am Straßenrand oder zu privaten Grundstücken hin stehen, werden wir tätig und schlagen ein. Das heißt: Diese Bäume werden wir innerhalb des nächsten Jahres fällen, obwohl sie statisch noch intakt sind und da auch nichts passieren wird. An der Grundschötteler Straße zum Beispiel werden wir schon in den nächsten Wochen tätig. Aber die abgestorbenen Bäume, die im Wald am Hang Richtung Herdecke stehen, die bleiben stehen und fallen irgendwann von selbst um. Da überlassen wir die Natur sich selbst. Außerdem würde das ein Vermögen kosten, sie zu fällen.

Ist es nicht gefährlich, diese Bäume am Hang einfach umfallen zu lassen?

Nein; denn vor etwa 15 Jahren haben wir den straßennahen Hang komplett eingeschlagen und den Bestand auf Stock gesetzt, so dass der sich erholt hat. Diese Bäume stehen und sichern den Hang. Sie halten auch die herabfallenden Bäume auf. Und Spaziergänger müssen sich keine Sorgen machen; denn wir kontrollieren die Hauptwanderwege und würden dort auch einschlagen. Nur innerhalb des Waldes bleiben die abgestorbenen Bäume stehen. Das ist Ökologie. Wer abseits der Wege im Wald unterwegs ist, geht dort auf eigene Gefahr.

Was wäre denn jetzt das Beste für die Natur?

Um den Wassergrundgehalt in den tieferliegenden Schichten der Böden aufzufüllen, müsste es eine längere Zeit intensiv regnen. Denn bei kurzen Schauern verdunstet mehr, als in den Boden eindringt.

Wie ordnen Sie die Trockenheit des letzten Sommers ein? Ist sie ein Zeichen für den Klimawandel?

Ich bin überzeugt, dass das so ist. Aber das müssen Wissenschaftler belegen. Die Trockenheit war auffällig, und in dieser Intensität habe ich solch eine extreme, lang anhaltende Trockenperiode noch nicht erlebt. In unserer überschaubaren Zeitrechnung hat es sowas noch nicht gegeben, und die Extreme nehmen zu. Wenn der kommende Sommer noch mal so trocken wird, dann wird es haarig.

Inwiefern sind die Stadt Wetter und damit auch die Bürger von den Folgen dieses Klimawandels betroffen?

Für die Stadt ist das ein erheblicher zusätzlicher Kostenaufwand, der sich nicht durch den Holzverkauf trägt; denn an vielen Stellen können wir das Holz gar nicht abstransportieren. Außerdem haben wir allein in diesem Jahr schon über 80 Bäume nachgepflanzt.

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