Schulbegleiter

Eine starke Stütze für die Kinder

An der Seite von Jungen und Mädchen, die Hilfe gebrauchen können: Eine Schulbegleiterin sollte über Geduld und viel Wissen verfügen.

An der Seite von Jungen und Mädchen, die Hilfe gebrauchen können: Eine Schulbegleiterin sollte über Geduld und viel Wissen verfügen.

Foto: Bernd Henkel

Wetter/Herdecke.   Auch in Wetter und Herdecke im Einsatz: Schulbegleiter übernehmen eine große Verantwortung für die Entwicklung ihrer Schützlinge.

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Vor drei Jahren hat Nina von Glembotzki den Arbeitsplatz getauscht – Schreibtisch, Computer und ständigen Termindruck im Büro gegen niedrige Stühlchen, Kinderlärm und das kleine Einmaleins. „Noch nie war ich im Beruf so glücklich wie jetzt. Druck und Stress sind einfach weg“, freut sich die 42-Jährige Schulbegleiterin.

Dabei ist es nicht einfach, Jan (Name geändert) im Unterricht bei der Stange zu halten. Sein Asperger-Syndrom, eine Autismus-Variante, macht es ihm schwer, dem Unterricht zu folgen und Aufgaben zu verstehen. „Er ist ein intelligentes Kind und kann konzentriert Aufgaben lösen, aber er folgt lieber seinen eigenen Impulsen und Gedanken. Dazu hat er eine Sprachverzögerung, weil er früher drei Jahre lang gar nicht gesprochen hat. Ich muss ihn immer wieder dazu anhalten, zuzuhören und ihm helfen, die Arbeitsaufträge für sich zu sortieren“, beschreibt Nina von Glembotzki ihre Aufgabe.

Seit der Einschulung vor zweieinhalb Jahren ist sie fester Teil von Jans Klasse und hat einen guten Draht zu allen Kindern: „Der Junge wurde erst für schwer geistig behindert gehalten, weil er nicht sprach. Und jetzt hat er sich so toll entwickelt. Die anderen Kinder in der Klasse gehen offen auf ihn zu, obwohl er am Anfang gar keinen Kontakt wollte und immer noch wählerisch ist. Aber nachmittags verabredet er sich jetzt auch mal zum Spielen.“ Die Arbeit in der Schule erlaubt der Mutter von zwei Kindern, Beruf und Familie gut unter einen Hut zu bringen. Wenn mittags die Schulglocke läutet, macht sie Feierabend, denn in der Offenen Ganztagsschule nachmittags kommt Jan allein klar.

AWO organisiert Hilfe

Nina von Glembotzki ist eine von 60 Schulbegleitern, die aktuell bei der aqa gGmbH, einer Tochtergesellschaft der AWO Ennepe Ruhr, beschäftigt sind. In allen Städten innerhalb des EN-Kreises helfen sie vor allem in Grundschulen, aber auch Gesamt-, Real- und Förderschulen den Kindern und Jugendlichen, die den Schultag nicht allein bewältigen können. „Manche von ihnen haben Probleme im sozial-emotionalen Bereich, andere sind Autisten, und wieder andere durch eine Seh- oder Körperbehinderung eingeschränkt. „Unsere Schulbegleiter helfen ihnen da, wo es nötig ist – im Unterricht, in den Pausen und auf Klassenfahrten“, erklärt Katrin Wohlfahrt, Koordinatorin des aqa-Schulbegleiterdienstes.

Im Kontakt mit den Eltern, den Kindern und Jugendlichen selbst und auch den Lehrern ist es ihre Aufgabe, Kinder und Schulbegleiter so zusammenzubringen, dass es „gut passt“. Schließlich sind Schulbegleiter und Schulkind täglich und oft über lange Zeit ein Team. Wo es möglich ist, hilft ein Schulbegleiter auch mal mehreren Kindern in einer Klasse.

Wissen ist wichtig

Wer Kinder im Schulalltag unterstützt, übernimmt große Verantwortung für ihre seelische und auch schulische Entwicklung. Vorrangig eingestellt werden bei der aqa Bewerber aus pädagogischen Berufen oder Absolventen der „Qualifizierung für Schulbegleiter“, die die AWO EN regelmäßig anbietet. „Dort vermitteln wir wichtiges Grundwissen – zum Beispiel über die kindliche Entwicklung, Pflege und Behinderungsformen – das für die anschließende Arbeit in der Schule wichtig ist. Danach werden die Teilnehmer nicht nur von uns sondern auch anderen Trägern gern eingestellt“, weiß Rolf Kappel, Geschäftsführer der aqa.

Für die Qualifizierung hat sich auch Nina von Glembotzki vor drei Jahren kurzer Hand entschieden, als ihr die Hektik in ihrem kaufmännischen Bürojob die Nerven raubte. „Das ist eine gute Grundlage für die Arbeit in der Schule. Schließlich muss man zum Beispiel auch mit Gefühlsausbrüchen der Kinder umgehen können“, sagt sie und ist froh, dass ihr die Qualifizierung auch Mut gemacht hat, noch mehr zu lernen. Sie studiert jetzt Heilpädagogik, um auf dem neuen Berufsweg noch weiter voranzukommen.

>>ZUSAMMENWACHSEN IN 390 UNTERRICHTSSTUNDEN

Durchstarten in eine neue berufliche Zukunft wollen 15 Frauen und zwei Männer, die nach erfolgreichem Abschluss des Qualifikationskurses für Schulbegleiter der AWO Ennepe-Ruhr ihre Zertifikate erhalten haben. Drei Monate saßen sie selbst wieder auf der Schulbank, um Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf künftig im Schulalltag unterstützen zu können. Fachdozenten vermittelten den Teilnehmern grundlegende Kenntnisse, unter anderem in den Bereichen Kommunikation, Gesprächsführung, Deeskalation, Behinderungsformen aber auch im praktischen pflegerischen Bereich. Während eines zweiwöchigen Praktikums haben die Teilnehmer ihre künftigen Aufgaben in der Schule bereits kennengelernt. In einem Abschlusskolloquium stellten sie jeweils ein von ihnen bearbeitetes Thema rund um ihre künftigen Aufgaben vor.

Die Zertifikate wurden innerhalb einer kleinen Feierstunde übergeben. Später beim Abschied floss die eine oder andere Träne, denn die „Schulbegleiter-Klasse“ ist in drei Monaten und nach 390 gemeinsamen Unterrichtsstunden zusammengewachsen und will auch in Zukunft Kontakt halten.

Bedarf steigt weiterhin

Ein neuer Qualifikationskurs für Schulbegleiter beginnt bei der AWO EN Anfang Februar. Denn der Bedarf an qualifizierten Schulbegleitern, die Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen im Schulalltag unterstützen, steigt weiterhin. Das Anmeldeverfahren läuft. Vor Kursbeginn muss ein Vorpraktikum in einer Schule absolviert werden. Die Qualifizierung findet im Kälberweg 2 in Witten-Annen statt.

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