Jubiläum

Das Gemeinschaftskrankenhaus hat die Stadt Herdecke gerettet

In der nur dünn besiedelten Landschaft von Westende entstand in den 1960-er Jahren das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, das 1969 eröffnet wurde. Bis heute ist der sechsstöckige Bau (das Bild entstand wohl Ende Oktober 1968) das Kernstück der anthroposophisch orientierten Einrichtung.

In der nur dünn besiedelten Landschaft von Westende entstand in den 1960-er Jahren das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke, das 1969 eröffnet wurde. Bis heute ist der sechsstöckige Bau (das Bild entstand wohl Ende Oktober 1968) das Kernstück der anthroposophisch orientierten Einrichtung.

Foto: GKH

Ende.  Schwere Anfangszeit am Gemeinschaftskrankenhaus: Mit dem Bau konnte eine medizinische Visionen wahr werden. Und die Stadt Herdecke war gerettet.

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Wer alte und aktuelle Fotos aus Westende nebeneinander legt, traut seinen Augen nicht. Dieser Ortsteil hat sich im 20. Jahrhundert von einer dünn besiedelten Gegend mit einigen Bauernhöfen zu einem dicht bebauten Wohnquartier gewandelt. Ein gewichtiger Grund: die Gründung des Gemeinschaftskrankenhauses Herdecke (GKH). Der größte Arbeitgeber in der Stadt feiert 2019 sein 50-jähriges Bestehen. Ein Rückblick auf die Anfänge.

Die Geschichte des GKH ist untrennbar mit dem Namen Gerhard Kienle (1923-1983) verbunden. Bei dem Neurologen reiften schon Ende der 1940-er Jahre Ideen, ein Akutkrankenhaus für anthroposophische Medizin zur regionalen Versorgung der Bevölkerung zu errichten. Konkreter wurde die Umsetzung seiner Vision 1951, als es auf einer Tagung um die Frage ging: „Was ist heute wirtschaftlich und sozial möglich?“

13 Jahre dauerte dann die Suche nach einem Standort. Pläne in Kassel, München und Stuttgart scheiterten. Wie kam Herdecke ins Spiel? Ein Blick auf eine Internetseite des GKH. Dort steht: Seit 1948 war Dr. Gustav Brunk hier als praktischer Arzt tätig, zugleich Mitglied des anthroposophischen Ruhr-Ärztekreises und seit 1964 Vorsitzender des Sozialausschusses im hiesigen Stadtrat. Einer seiner Patienten war Hugo Knauer (1924-2008), von 1964 bis 1997 Bürgermeister in Herdecke.

Kommunale Neugliederung drohte

Laut Stadthistorikern gab es bereits 1962 erste Kontakte zwischen heimischen Politikern und Ärzten. Als Knauer mal wieder in seine Praxis kam, erzählte Dr. Brunk ihm vom Vorhaben einiger junger Ärzte, ein neuartiges Krankenhaus zu gründen. Der Bürgermeister wurde hellhörig – war ein Krankenhaus doch das fehlende Puzzlestück, um Herdecke den Status als eigenständige Stadt zu erhalten. Denn im Zuge der Überlegungen zur kommunalen Neugliederung gab es Pläne, Herdecke in eine der benachbarten Großstädte einzugemeinden. Um das zu verhindern, brauchte es ein Jugendamt, eine Sporteinrichtung und eine Klinik. Und nur diese fehlte noch.

Also erhielt die Ärztegruppe ein Angebot zum Grundstücks-Kauf im Ender Tal. Der 1960 gegründete GKH-Verein und die Stadt unterschrieben 1964 den Kaufvertrag. Auch Heimatforscher sahen darin eine „Win-Win-Situation“, da die medizinische Vision Wirklichkeit und Herdecke als Stadt erhalten werden konnte. Bis zum Spatenstich 1968 und der Eröffnung 1969 gab es aber noch Widerstände (Finanzierung, Baugenehmigung) zu überwinden.

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