Artenschutz

Bürgerhilfe gefragt bei Projekt für Große Mausohr-Fledermaus

Sie stehen hinter dem Projekt für die Große Mausohr-Fledermaus: (von links) Britta Kunz, Phil von der Ley und Silke Rieboldt, die sich gemeinsam auf die Suche nach den Aufziehquartieren der Weibchen machen.

Foto: Carmen Thomaschewski

Sie stehen hinter dem Projekt für die Große Mausohr-Fledermaus: (von links) Britta Kunz, Phil von der Ley und Silke Rieboldt, die sich gemeinsam auf die Suche nach den Aufziehquartieren der Weibchen machen. Foto: Carmen Thomaschewski

Ennepe-Ruhr.   Ein Projekt der Biologischen Station im Ennepe-Ruhr-Kreis und Ruhr-Universität Bochum soll Neuigkeiten über die Große Mausohr-Fledermaus bringen.

Viele Jahre galt die Große Mausohr-Fledermaus als ausgestorben. Mittlerweile ist sie zurück, wurde sogar auch schon in dieser Region gesichtet. Wo diese Tiere jedoch ihre Jungen aufziehen und ihr „Wochenbettquartier“ beziehen, also die Frühjahrs- und ersten Sommermonate verbringen, das ist noch ein großes Rätsel, das die Biologische Station im Ennepe-Ruhr-Kreis in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum lüften will.

„Wir wissen gar nicht, ob sie überhaupt während dieser Zeit im Ennepe-Ruhr-Kreis sind“, erklärt die Leiterin der Biologischen Station, Britta Kunz, und hofft auf die Mithilfe der Menschen in den Kreisstädten. Große Mausohr-Fledermäuse ziehen sich nämlich gerne an entlegene Orte zurück. Nicht ausgebaute Dachböden in alten Häusern und Schlössern beispielsweise. Wo es dunkel ist, sie sich ungestört um ihren Nachwuchs kümmern können.

„Die Große Mausohr ist sehr traditionell“, weiß Silke Rieboldt, die sich bei der Biologischen Station unter anderem um den Artenschutz der Fledermäuse kümmert. Sie erklärt, dass diese Tiere immer wieder an den Ort zurückkehren würden, wo sie aufgezogen wurden. Wer also ein altes Gebäude besitzt, dessen Dach seit langer Zeit unberührt ist oder bestenfalls in der Nähe Fledermäuse gesichtet hat, der soll sich bei der Biologischen Station melden.

Da der Ennepe-Ruhr-Kreis viele solcher potenziellen Sommerlager für Fledermäuse hat, kümmert sich Phil von der Ley im Rahmen einer Masterarbeit an der Ruhr-Uni um die Suche. Die Unteren Denkmalbehörden wurden angeschrieben, die Gespräche mit der Bezirksregierung laufen bereits seit dem vergangenen Jahr, demnächst werden auch Luftaufnahmen von alten und großen Gebäuden ausgewertet. Wichtiges Indiz ist, dass die Fledermäuse eine ausreichend große Einflugsöffnung haben, die Spannweite der Tiere beträgt etwa 40 Zentimeter.

Käfer als Nahrung

Und noch etwas verrät die Anwesenheit des heimlichen Untermieters: Kleine Kotpellets, die aussehen wie die Hinterlassenschaften einer Maus, aber viel trockener und krümeliger sind. Außerdem glitzert es etwas, was an dem verdauten Chinin liegt. Die große Mausohr-Fledermaus ernährt sich nämlich vornehmlich von Käfern. Silke Rieboldt betont, dass der Kot weder ätzend noch schädlich sei, Hausbewohner nicht um die bauliche Substanz ihrer Dachböden fürchten müssten. „Die Tiere hängen einfach frei am Gebälk, bauen nichts und zerstören nichts.“ Sie fliegen abends aus und kehren in der Morgendämmerung zurück.

Besonderheit bei Fortpflanzung

Wenn man sie bei sich entdeckt hat, sei es wichtig, sie nicht zu stören, weiß Silke Rieboldt und berichtet von einem Fall in Süddeutschland. Dort hatten die Tiere im Dachboden einer alten Kirche Unterschlupf gefunden. Dann hatte jemand aus Versehen eine Glühbirne angemacht und die brannte dann über Tage. Das hatte die Tiere so verwirrt, dass sie nicht mehr zur Nahrungssuche ausgeflogen sind. Mehrere 100 Tiere verhungerten, ein gesamter Jahrgang starb. So wie ihre Artgenossen steht die Große Mausohr-Fledermaus unter Schutz. „Aber keine Sorge“, sagt Silke Rieboldt, der Besuch der Tiere verhindere nicht Baumaßnahmen an den Häusern und Dächern. Man könne beides gut miteinander vereinbaren. Auch dabei könne die Bio-Station helfen. Hierfür gebe es auch vom Nabu NRW die Plakette „Fledermausfreundliches Haus“.

Bis zu 1000 Fledermäuse beziehen übrigens etwa Anfang/Ende April ihr gemeinsames Lager. Damit alle gleichzeitig ihre Jungtiere bekommen, hat sich die Natur eine Besonderheit in Sachen Fortpflanzung ausgedacht. Auch wenn die Befruchtung im Herbst stattfindet – der Samen wird so lange eingelagert, bis Frühjahrstemperaturen herrschen, erst dann wird er aktiv. Jede Große Mausohr-Fledermaus bekommt in der Regel einen Nachkommen pro Jahr und bleibt mit ihm bis zum späten Sommer im Quartier. Dort werden die Kleinen gefüttert und erhalten die ersten Flugstunden. Erst Wochen, nachdem die Mütter schon längst ausgezogen sind, wagt sich der Nachwuchs aus dem Unterschlupf.

Lebensräume schützen

Doch jetzt beziehen die Weibchen erst einmal ihre Sommerquartiere, und für Student Phil von der Ley bedeutet das Klinkenputzen im wahrsten Sinne. Er wird nämlich in den kommenden Wochen manch einen Dachboden durchsuchen. In der kalten Jahreszeit überwintern die Tiere in kühl-feuchten Höhlen, im Herbst geht es in die Paarungsquartiere, auch die sind bekannt, aber wo sie sich im Sommer im Kreis zurück ziehen, das will nun der Student herausfinden.

Denn nur, wenn man weiß, wo sie sind, kann man ihre Lebensräume schützen, ihnen vielleicht auch neue verschaffen und dazu beitragen, dass sich ihre Population weiter erholt.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik