Corona

Von der Reha-Klinik in die Corona-Krise

Zu Hause in Ihmert muss sich Monique Rohe stark einschränken, um einer Corona-Ansteckung aus dem Weg zu gehen.  

Zu Hause in Ihmert muss sich Monique Rohe stark einschränken, um einer Corona-Ansteckung aus dem Weg zu gehen.  

Foto: Privat

Ihmert.  Monique Rohe lebt mit einem Spenderorgan. Eine Ansteckung mit dem Virus könnte für sie tödlich sein.

Für Monique Rohe wirkt es gerade so, als hätte sich die Zeit zurückgedreht. Nach ihrer lebenswichtigen Lungentransplantation im Mai 2018 musste sie auch extrem darauf aufpassen, dass sie sich nicht ansteckt. Damals konnte sie nur selten das Haus verlassen – und wenn, dann mit Mundschutz. Aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus ist sie nun in einer ähnlichen Lage. Eine Ansteckung könnte für sie tödlich sein.

„Für mich haben sich die Kontakte nahezu auf Null reduziert“, erklärt die 28-Jährige. Ihre Eltern besuchen sie noch, ebenso ihre Schwester und ihre Großeltern. Einmal die Woche geht sie zum Arzt. Manchmal geht sie kurz nach draußen für einen kurzen Spaziergang. „Ich gehe aber dahin, wo ich so wenig Menschen wie möglich über den Weg laufe“, sagt sie. Dann trägt sie Handschuhe und Gesichtsmaske. Mehrmals am Tag reinigt sie ihre Handflächen mit Desinfektionsmittel.

Keine Panik, aber strenge Einhaltung der Regeln

Trotz ihrer lebensbedrohlichen Lage, blickt Monique Rohe nicht mit Panik auf ihre Situation: „Angst macht es mir nicht unbedingt. Wenn ich mich an die Regeln halte, dann dürfte ich einer Ansteckung aus dem Weg gehen“, schätzt sie. Allerdings sieht sie schon die Gefahr: „Es kann natürlich trotzdem passieren.“

Gerade deswegen kann sie die Leute nicht verstehen, die sich trotz Corona weiter in Gruppen treffen und so die Verbreitung des Virus unterstützen. „Das ist unverantwortlich. Viele Leute reden immer: ,Wir halten zusammen’, achten aber nicht auf andere“, hat sie festgestellt, „Wenn es sie aber dann selbst trifft, dann geht für sie die Welt unter und sie sind ganz erstaunt.“

Gerade in dieser Zeit würde sie sich mehr Solidarität unter den Menschen wünschen wie es ihrer Meinung nach in Italien oder Spanien der Fall ist. „Die Leute kapieren nicht, dass es noch andere Menschen gibt. Da ist sich jeder selbst der nächste“, kommentiert sie den traurigen Trend der Hamsterkäufe in der Krise.

Wie es ist, wenn man kurz vor dem Tod steht, hat Monique Rohe schon mehrere Male erfahren müssen. Vor ihrer lebensrettenden Transplantation im Mai 2018 sagt sie: „Ich merke, dass mein Körper nicht mehr mitmacht“. Sie leidet seit ihrer Geburt an einer Generkrankung, die unter anderem ihr Herz und ihre Lunge schwächt.

Schwere Operation nach Herzklappenfehler

Nachdem sich ihr Leben fast wieder normalisiert hatte, kam im Frühjahr diesen Jahres der nächste Schlag. Monique Rohe stellt plötzlich fest, dass sie nur noch schwer atmen kann. Die Spezialisten im Krankenhaus der medizinischen Hochschule von Hannover rechnen schon mit einer Abstoßungsreaktion des Spenderorgans. Nach einer Ultraschalluntersuchung stellen die Ärzte einen Herzklappenfehler fest. „Die komplette linke Seite war undicht“, sagt Monique Rohe.

Zuerst überlegen die Mediziner noch, die Mitralklappe der Aorta zu rekonstruieren. „Die war aber so kaputt, dass man sie austauschen musste“, schildert sie. Normalerweise wäre ihr dann eine mechanische Herzklappe eingesetzt worden.

Aufgrund ihrer Vorerkrankung muss sie aber auf eine Gewebespende warten, alles andere wäre zu riskant. „Als ich das gehört habe, wäre ich fast zusammengebrochen“, sagt Monique Rohe. „Jetzt macht auch noch mein Herz schlapp“, hat sie damals gedacht.

Zum Glück kommt die Gewebespende. Ende Januar wird die Hemeranerin behandelt. Auch für ihre Familie beginnt ein Wechselbad der Gefühle. Nach dem Schrecken kommt die gute Nachricht: Monique Rohe hat die Operation gut überstanden. Wie ein Phönix aus der Asche erholt sie sich von der Operation am Herzen. Schnell erwacht sie aus dem künstlichen Koma, am nächsten Morgen kann sie sich sogar selbst waschen. Am gleichen Tag kommt sie auf die Zwischenintensivstation. „Ich bin erstaunt wie supergut sie das alles weggesteckt hat, obwohl es so eine schwere OP war“, schreibt ihre Mutter stellvertretend für sie auf ihrem Facebook-Blog Atemlos/Transplantation. Mit dem Rollator kann sie sich einige Schritte bewegen, nach zwei Tagen kann sie die Intensivstation verlassen. Durch einen Bluterguss am Herzen, hat sie jedoch Schmerzen.

Mitte Februar geht es dann zur Reha nach Bad Oeynhausen. Manchmal macht sie Fortschritte, zwischendurch erkrankt sie an einer Magen-Darm-Infektion. In ihren Videobotschaften zeigt sie ihren rund 40.000 Abonnenten ihre kämpferische Seite. „Ich würde sagen: Packen wir es an, ziehen es durch und dann geht es wieder fit nach Hause“, sagt sie. Zwischenzeitlich muss sie ihre Reha für einen weiteren Krankenhausaufenthalt unterbrechen.

Erste Zeichen der Corona-Krise bemerkt sie in der Reha-Klinik

Gegen Ende der Reha vor rund zwei Wochen merkt sie schon, dass sich die Welt wegen Corona verändert hat. „Hier ist auch langsam der Corona-Wahn ausgebrochen“, sagt sie per Videobotschaft. Besucher werden nicht hereingelassen. In den Speisesälen wird darauf geachtet, dass sich „jeder und wirklich jeder“ die Hände desinfiziert. Mitten in der Corona-Krise geht es dann nach Hause. In einer Videobotschaft sagt sie ihren Fans: „Passt auf euch auf und auch auf andere.“

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