Politik

Zukunft der Musikschule wird im Rat heiß diskutiert

Zur Einwohnerfragestunde haben sich Musikschüler an den Rat der Stadt gewandt.

Zur Einwohnerfragestunde haben sich Musikschüler an den Rat der Stadt gewandt.

Foto: Ulrich Bangert

Heiligenhaus.   Die Haushaltsberatungen gerieten aufgrund des Protests des Musikschul-Fördervereins schon fast in den Hintergrund. Was nun beschlossen wurde.

Endlich mal eine Ratssitzung, in der ordentlich Musik war, und das im wortwörtlichen Sinn: Mit einer eigenen Version der „Ode an die Freude“ hatten Eltern und Förderverein der Musikschule ihrem Unmut über anstehende Veränderungen bei der Bezahlung von Lehrkräften Luft gemacht. Beschlossen wurde dies im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung zwar trotzdem mit einer Mehrheit aus CDU, SPD und FDP und gegen die Stimmen von WAHL und Grünen und weiteren Ratsmitgliedern, eine Diskussion darüber schaffte es aber dann doch in den öffentlichen Teil. Was gut war, denn die Besuchertribüne war voll wie lange nicht mehr, denn alle wollten hören, wie es mit der Musikschule weitergeht.

Bevor die Ratsmitglieder und Verwaltungsspitze mit der eigentlichen Sitzung beginnen konnten, wurden sie mit Fanfaren auf den Rathausplatz gebeten. Dort hatten sich über 50 Eltern, Kinder und Mitglieder des Fördervereins der Musikschule versammelt, um ihren Frust auszudrücken. Sie sind nämlich nicht damit einverstanden, dass künftig 30 Prozent der Stellen, die frei werden, durch Honorarkräfte ersetzt werden. Die Ode an die Freude wurde umgeschrieben: „Heut sind wir hierher gekommen, sagen euch ein klares Nein, Streicht nicht unsere Lehrerstellen, das darf doch nicht wirklich sein.“

Honorarkräfte stünden schlechter da

Christina Mitropoulos-Bott und Tobias Kaiser vom Förderverein der Musikschule richteten sich, zunächst auf dem Rathausplatz und zur Einwohnerfragestunde im Rat, an Bürgermeister Michael Beck, Kämmerer Björn Kerkmann und die Ratsmitglieder mit ihren Befürchtungen. „Ist Ihnen bewusst, dass es keine Lohnfortsetzung im Krankheitsfall für Honorarkräfte gibt? Und keinen Anspruch auf Urlaub?“, fragte Mitropoulos-Bott. Kaiser wies darauf hin, dass die Musikschule in diesem Jahr seit 50 Jahren besteht, aber niemals expandierte, sondern weiter reduzierte.

Auch drei Schüler wandten sich an die Volksvertreter, wie Elias Mitropoulos, der seit Jahren erfolgreich bei Jugend musiziert teilnimmt. Er befürchtete, dass Honorarkräfte gar nicht die Möglichkeit haben, sich ähnlich zu engagieren, das sei gerade in Zeiten, in denen immer weniger Jugendliche bei Musikwettbewerben teilnehmen würden, kein gutes Signal. Im Protestlied hieß es auch ganz direkt: „Unsere Lehrer werden gehen, wenn ihr sie so schlecht bezahlt, mit der heutigen Entscheidung schaufelt ihr der Musik ein Grab.“

WAHL und Grüne wollen nur fest angestellte Lehrer

„Wir sehen die Musikschule als Bildungsauftrag. Dass man kein Geld aus dem Fenster werfen sollte, ist klar, aber es sollten andere Lösungen gefunden werden“, führte WAHL-Fraktionsvorsitzender Stefan Okon aus, wieso seine Fraktion der Verwaltungsvorlage nicht zustimmen werde. Auch die Grünen erklärten, warum aus ihrer Sicht eher an der Verwaltung gespart werden sollte statt an den Ausgaben der Musikschule, schließlich gebe es ja keinen Nothaushalt mehr.

Warum es zu der Verwaltungsvorlage kam, erklärte Bürgermeister Michael Beck, und das erklärten auch SPD und CDU dann doch im öffentlichen Teil. Es gehe keinem darum, die Musikschule zu schließen, „ganz im Gegenteil, wir wollen sie aber zukunftsfähig machen“, führte Beck aus. „Wir wollen nichts schließen, sondern künftig erhalten, deswegen ist dieser bittere Schritt nötig“, machte auch Thomas Hoffmann von der FDP die Meinung seiner Fraktion deutlich. CDU-Fraktionschef Ralf Herre verdeutlichte die Meinung seiner Fraktion: „Es ist ein gangbarer Weg, es bleiben 70 Prozent der Lehrer fest angestellt. Und so kriegen auch Studierende die Möglichkeit, Honorarkraft zu werden. Wir wollen das gute Angebot nicht einschränken, sondern wollen, dass die Musikschule ihren Bestand erhält und weiter prosperiert.“

Weitere Gespräche sollen nun geführt werden

SPD-Chef Peter Kramer verwies darauf, dass alle Institutionen, die ebenfalls von den Einsparungen bei den freiwilligen Leistungen betroffen waren, auch Einsparungen vorgenommen hätten, „das ist dann auch eine Frage der Gerechtigkeit.“ Klar seien Honorarkräfte auch nicht die Art von Beschäftigung, die sich Sozialdemokraten wünschen würden. Der Deckelungsbedarf bei der Musikschule sei über die Jahre weiter gewachsen. Kramer suchte auch das Gespräch zu den Organisatoren der Protestaktion, Tobias Kaiser und Christiana Mitropoulos-Bott: „Wo könnte man denn Ihrer Meinung nach einsparen?“

Die Verwaltung betonte mehrfach, dass diese Regelung nicht sofort umgesetzt wird, sondern sich nur auf die freiwerdenden Stellen bezieht. Bis der erste Lehrer in den Ruhestand gehen wird, wird noch eine Zeit vergehen – und die wird sicher von allen Seiten genutzt, um Lösungen zu finden.

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