Sucht

Zigarettenautomaten direkt neben Schulen sorgen für Ärger

Der Zigarettenautomat in der Nähe des IKG steht an der Herzogstraße/Ecke Laubecker Straße auf dem Schulweg vieler Schüler

Der Zigarettenautomat in der Nähe des IKG steht an der Herzogstraße/Ecke Laubecker Straße auf dem Schulweg vieler Schüler

Foto: Alexandra Roth

Heiligenhaus.   In der Nähe von Realschule und Gymnasium wurden vor Kurzem die Geräte aufgestellt. Da sie auf Privatgrund stehen, sieht die Stadt keine Handhabe.

Kinder und Jugendliche sollen per Gesetz besonders vor Alkohol und Tabak geschützt werden. Umso größer ist in Heiligenhaus die Verwunderung darüber, dass vor Kurzem zwei Zigarettenautomaten in unmittelbarer Nähe der Realschule und des Gymnasiums aufgestellt worden sind. Die Heiligenhauser CDU ist verärgert und will das Thema auch in der heutigen Ratssitzung (17 Uhr, großer Ratssaal) diskutieren. „Offensichtlich wurden die Zigarettenautomaten bewusst in der Nähe der Schulen aufgestellt“, stellt der Fraktionsvorsitzende Ralf Herre fest.

Die Verwaltung solle daher prüfen, von wem diese Aufstellplätze genehmigt wurden. Alternativ solle überprüft werden, ob die Aufstellung dieser Automaten genehmigungspflichtig ist. „Da die Zielgruppe unverkennbar Schülerinnen und Schüler sind, halten wir die Aufstellung dieser Automaten vor dem Hintergrund des Jugendschutzes und der Suchtprävention für problematisch“, so die CDU weiter. Ein Abbau der Geräte müsse das Ziel sein.

Stadt sieht ihre Hände gebunden

Das dürfte jedoch schwierig werden, teilt Wirtschaftsförderer Peter Parnow auf Anfrage der WAZ mit. „Über die Sondernutzungssatzung haben wir da keine Handhabe, da die Geräte auf Privatgrundstücken stehen.“ Eine Gastronomie beispielsweise, die auf städtischem Grund Stühle und Tische aufstellen wolle, brauche dafür eine Erlaubnis der Stadt. „Zigarettenautomaten auf städtischem Grund in der Nähe von Schulen hätten wir auch nicht genehmigt“, stellt Parnow klar.

Bei den nun aufgestellten Geräten in der Nähe von Realschule und IKG sei eine Genehmigung der Stadt aber nicht erforderlich, da sie zwar vom öffentlichen Raum aus nutzbar und erreichbar seien, aber eben auf Privatgelände stünden, sagt Parnow. „Ich sehe da im Moment keine Handlungsmöglichkeit für uns.“

Schulen haben kein Verständnis für die Automaten

An der Realschule ist das Problem bereits bekannt. Schulleiterin Sonia Cohen ist verärgert über den Automaten, der vor den Mietshäusern an der Bahnhofstraße/ Ecke Nordring aufgestellt wurde: „Das untergräbt unsere Bemühungen zur Suchtprophylaxe, die wir im Unterricht betreiben.“

Zwar muss man an Zigarettenautomaten (mit Personalausweis oder EC-Karte) nachweisen, dass man über 18 Jahre alt ist. „Aber diejenigen, die Zigaretten ziehen wollen, finden immer jemanden, der ihnen hilft“, sagt Sonia Cohen. Sie hält die Einrichtung einer Art „Schutzbereich“ rund um Schulen, in dem keine Automaten aufgestellt werden dürfen, für sinnvoll.

Kein dritter Automat in der Nähe der Gesamtschule bekannt

Auch am Gymnasium sorgt der Zigarettenautomat für Irritationen. „Die Schulpflegschaftsvorsitzenden waren schon bei mir“, berichtet Schulleiterin Britta Berschick. Sie hält die Geräte in unmittelbarer Nähe des IKG für ein „Unding“. Denn: „Bei uns läuft gerade ein Projekt gegen Sucht. Das konterkariert jegliche Prävention an unserer Schule.“

An der Gesamtschule ist der Schulleitung übrigens nicht bekannt, ob ein Automat in unmittelbarer Nachbarschaft aufgestellt worden ist. Der Automat am IKG ist allerdings auch nicht weit weg.

Nun muss sich zeigen, ob die Politik doch eine Handhabe gegen die Geräte finden kann.

>>> JUGENDSCHUTZGESETZ REGELN DAS AUFSTELLEN VON ZIGARETTENAUTOMATEN

  • Im Jugendschutzgesetz ist in Paragraf 10 „Rauchen in der Öffentlichkeit, Tabakwaren“ auch das Aufstellen von Zigarettenautomaten geregelt.
  • Dort steht: „In der Öffentlichkeit dürfen Tabakwaren und andere nikotinhaltige Erzeugnisse und deren Behältnisse nicht in Automaten angeboten werden. Dies gilt nicht, wenn ein Automat 1. an einem Kindern und Jugendlichen unzugänglichen Ort aufgestellt ist oder 2. durch technische Vorrichtungen oder durch ständige Aufsicht sichergestellt ist, dass Kinder und Jugendliche Tabakwaren und andere nikotinhaltige Erzeugnisse und deren Behältnisse nicht entnehmen können.“

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