Kultur

Wie Kabarett in der Krise in Heiligenhaus funktioniert

Anka Zink stand schon mehrfach im Heiligenhauser Club auf der Bühne. Doch noch nie mit so wenig Publikum und mit Maske.

Anka Zink stand schon mehrfach im Heiligenhauser Club auf der Bühne. Doch noch nie mit so wenig Publikum und mit Maske.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  Beim Auftritt von Anka Zink im Heiligenhauser Club zeigt sich, dass die Besucher hungrig auf Kultur sind. Wie das in der Krise funktionieren kann.

„Bescheidenheit ist ja so eine tolle Eigenschaft, aber im liebsten ist uns doch, wenn die jemand anderes hat“, stellt Anka Zink lachend fest und macht deutlich, was sie davon hält bescheiden zu sein und warum ihr Programm den Namen „Ende der Bescheidenheit“ trägt. Die Kabarettistin ist nicht zum ersten Mal im Club zu Gast, aber wohl zum ersten Mal unter den besonderen Corona-Umständen.

An Zweier- und Dreiertischen und mit ausreichend Abstand sitzen rund 40 Personen vor der Bühne, auf der Anka Zink ihr Programm präsentiert. Bis auf die Masken, die alle während des Abends tragen, ist von Corona kaum was zu spüren. Damit kein Stau an der Theke entsteht, werden die Gäste am Tisch bewirtet und während der Pause wird kräftig durchgelüftet.

Besucher fühlen sich sicher und behütet

„Wir fühlen uns absolut sicher und behütet“, bestätigen auch Lisa Lepsius und Kai Möhl aus Essen-Werden. Lepsius ist begeistert: „Ich genieße es total, es ist das erste Mal seit Monaten, dass wir zu einer Veranstaltung gehen.“ Möhl ergänzt: „Ich hatte wirklich erwartet, dass die Leute verhaltener sind, aber es sind wirklich alle sehr entspannt, ohne rücksichtslos zu sein.“

Während des Abends schlägt Anka Zink vor, einfach das Konzept der Kilos zum Messen von Körpergewicht abzuschaffen und erklärt ihren Gästen die Technik des perfekten Selfies, um auf Tinder erfolgreich zu sein. Bevor es in die Pause geht, gibt Zink ihrem Publikum noch ein Mantra mit: „Es ist schwer, bescheiden zu sein, wenn man so großartig ist, wie ich!“

Krise auch Teil des Programms

Natürlich findet auch die Coronakrise sich in Zinks Programm wieder. Neben Witzen über Homeoffice in Unterwäsche kritisiert sie deutlich die fehlende Bescheidenheit einiger politischer Akteure in der Corona-Thematik. „Was mir enorm auf den Wecker geht, ist, dass keiner die Chancen der Krise nutzt.“, stellt Zink fest und erntet laute Zustimmung aus dem Publikum.

„Kabarett ist für die momentane Situation wirklich optimal und es ist toll, dass der Club das ermöglicht“, finden Klaus und Johanna Faoro aus Heiligenhaus. „Natürlich ist es blöd, die ganze Zeit die Maske zu tragen, aber der Abend ist wirklich schön. Auch wenn das Publikum etwas ruhiger ist, wird die Show davon nicht beeinträchtigt.“

Club-Chefin freut sich über das Feedback

Auch Edelgard Eichberg, Chefin des Clubs, ist zufrieden mit dem Abend: „Natürlich wünschen wir uns das im Großen und Ganzen anders, aber in Hinblick auf die momentanen Maßnahmen, ist der Abend wirklich gut gelungen.“ In Anbetracht der steigenden Fallzahlen dürfen Veranstaltungen nur noch mit 20 Prozent der Gäste stattfinden, aber damit hat das Team schon gerechnet.

Eichberg betont: „Unsere Gäste haben aber auch viel Verständnis. Viele freuen sich sehr und haben sich bei uns bedankt. Sie nehmen viel in Kauf, um zu den Veranstaltungen kommen zu können, was zeigt, wie hungrig sie auf Kultur sind. Auch die kommenden Veranstaltungen sind schon ausverkauft.“ Hier lesen Sie weitere Nachrichten aus Heiligenhaus.

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