Corona

Wie die Heiligenhauser Schulen mit der Krise klar kommen

Laura Wollny, Marlene Geis, Hivda Bayraktar (oben, v.l.) und Mija Puseljic und Informatiklehrer Martin Tilmans vom IKG tragen ihre Masken ganz selbstverständlich.

Laura Wollny, Marlene Geis, Hivda Bayraktar (oben, v.l.) und Mija Puseljic und Informatiklehrer Martin Tilmans vom IKG tragen ihre Masken ganz selbstverständlich.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Am Montag starten die Herbstferien. Wie die Heiligenhauser Schulen mit der Maskenpflicht klar kommen – und wie es im Herbst weitergehen soll.

Es läuft alles anders in Zeiten von Corona – auch und gerade an den Schulen. Nach dem umstrittenen Vollstart nach den Sommerferien stehen jetzt bereits die Herbstferien vor der Tür. Wie haben das Immanuel-Kant-Gymnasium sowie die Gesamt- und Realschule die bisherige Zeit gemeistert und wie bereiten sie sich auf die kommenden Monate vor? Wir haben bei allen Schulen nachgehört.

In allen Schulen herrscht seit den Sommerferien Regelbetrieb – und glücklicherweise fehlen dort auch nur ganz wenige Lehrer im Unterrichtsalltag. „Viele Lehrkräfte sind in den Unterricht eingestiegen, obwohl sie zur Risikogruppe gehören“, berichtet Gesamtschulleiterin Carmen Tiemann und ist froh, dass einige sehr kreative Lösungen gefunden wurden. „Eine Lehrerin sitzt zum Beispiel im Gebäude in einem separaten Raum und unterrichtet ihre Schüler im Klassenzimmer per Videokonferenz.“ Ähnlich an der Realschule: „Bei uns ist eine Lehrerin im Homeoffice, wir haben einen Klassenraum mit Videoleinwand und Mikrofonen ausgestattet, so dass dort quasi normaler Unterricht mit ihr stattfindet“, berichtet Leiterin Sonia Cohen.

Maske gibt Sicherheitsgefühl

Am IKG unterrichten alle Lehrer, „auch wenn es einige Kollegen gibt, zu zuhause bleiben könnten“, so Rektorin Britta Berschick. Sie alle würden vor allem deswegen kommen, weil sich das IKG selbst dazu verpflichtet habe, die Maske immer zu tragen – auch während des Unterrichts. „Wir Lehrer haben das auch von Anfang an gemacht, denn wir fanden, es sei ein schlechtes Vorbild, wenn die Schüler die Maske tragen müssen, wir aber nicht“, berichtet Julia Forgber, Koordinatorin für Arbeits- und Gesundheitsschutz und Lehrerin für Englisch und Sport.

Dass die Schüler in den zwei Wochen nach den Sommerferien verpflichtet waren, nicht nur auf dem gesamten Schulgelände, sondern auch im Klassenraum Maske zu tragen, habe den Lehrern an der Gesamtschule ein Schutzgefühl vermittelt, „so dass wir, nachdem die Pflicht dazu nicht mehr bestand, die eindringliche Bitte formuliert haben, dennoch weiter eine Maske zu benutzen“, so Tiemann. So auch an der Realschule. Cohen: „Wir haben keinen wirklichen Maskenverweigerer. Wir hatten uns insgesamt viel mehr auf ein Katz- und Mausspiel vorbereitet, aber die Sorge war unbegründet, alle halten sich dran.“ Überhaupt zögen die meisten Eltern, Schüler und Lehrer an allen Schulen an einem Strang, auch wenn es natürlich eine unterschiedliche Akzeptanz einzelner Maßnahmen gäbe.

Hygiene ist weiterhin das A und O

Auch die Schüler haben sich recht schnell an die Corona-Maßnahmen gewöhnt: Juliana aus der 7d der Gesamtschule berichtet, dass „die meisten bei der Abstimmung in unserer Klasse dafür waren, weiter während des Unterrichts einen Mund-Nase-Schutz zu tragen, weil wir ja dadurch auch unsere Angehörigen schützen. Das ist jetzt schon Routine.“

Und sonstige Maßnahmen? „Hygiene ist natürlich das A und O, wir haben auch ein Corona-Team gebildet, das regelmäßig zusammen kommt und über nötige Anpassungen berät“, so Cohen. „Zwei Coronafälle hatten wir seit den Ferien an der Schule – käme nun noch einer dazu, könnten wir zumindest auf Erfahrungswerte zurückgreifen und auf gesicherte Abläufe dafür“, äußert sich Tiemann. Da zusätzlich viel gelüftet wird, dürfen die Kinder in den Klassenräumen ihre Jacken anbehalten wenn es zu kalt wird, einige nehmen sich auch Wolldecken in die Schule mit und sorgen so für die notwendige Wärme. „Natürlich ist es eine ökologische Katastrophe, dass wir die Klassenräume heizen und gleichzeitig die Fenster geöffnet haben. Aber wir müssen permanent abwägen, welche Maßnahmen zu verantworten sind“, so Tiemann.

Anfang des Homeschoolings lief unterschiedlich

Noch keinen Fall unter Schülern habe es am IKG gegeben, aber im direkten Umfeld eines Schülers. „Wir haben anfangs ein Einbahnstraßensystem gehabt, das wir aber abgeschafft haben“, so Forgber. Denn das habe viel mehr zu Umwegen oder Staus geführt. „Wir halten nun die Schule ab 7.30 Uhr offen, um Schlangen zu vermeiden“, erklärt Berschick. Dankbar sei man der Vorsitzenden der Schulpflegschaft, Dr. Silke Schulz-Thielemann: „Sie hat völlig unbürokratisch alle Lehrer auf Corona getestet, wir mussten jeweils nur für die entstandenen Kosten aufkommen“, berichtet Forgber. Dies sei alle 14 Tage möglich, nach 48 Stunden sei das Ergebnis da.

An den Anfang der Pandemie erinnern sich die Schulen alle zurück. Von null auf Hundert hieß es beim Thema Homeschooling – außer an der Realschule, die bereits seit einigen Jahren mit der Digitalisierung begonnen hatte und schon auf bestehende und funktionierende Systeme zurückgreifen konnte. IKG-Lehrerin Forgber erinnert sich fast mit Grauen zurück an den fast schon historischen Freitag (20. März) vor dem Montag, ab dem dann spontan alle Schulen den Betrieb einstellten. „Das habe ich nie für möglich gehalten“, ergänzt auch Berschick. Für IKG-Informatiklehrer Martin Tilmanns hieß es dann ein System finden, aufspielen, verteilen und vor allem erklären, „zunächst dem Kollegium, dann sind wir damit an die Schüler gegangen.“ Von allen Eltern habe man auch die Einwilligung erhalten, „das war eine harte Arbeit, aber wir konnten alle überzeugen“, so Berschick.

Digitalisierung hat einen Schub erhalten

Wenn die Krise was Gutes hatte, dann, so Tillmanns: „Die Digitalisierung hat definitiv einen Schub bekommen.“ Das sehen auch die anderen Schulen so – und haben aber auch dringende Wünsche: alle Lehrer sollten mit Laptops ausgestattet werden und ebenfalls alle Schüler, denn nicht jeder Haushalt verfüge über die technisch nötige Ausstattung. „Unsere Sozialpädagogen haben auch einige Schüler zuhause besucht, um sie an der Haustür mit nötigen Unterlagen zu versorgen“, so Cohen. Doch noch immer seien nicht alle Schüler wieder im Schulalltag angekommen, „das hat man an den ersten Klassenarbeiten gemerkt.“

Auch Tiemann hofft,, dass zeitnah „in ausreichendem Maße Endgeräte für bedürftige Schüler verfügbar sein werden und auch genügend Dienstgeräte für die Lehrer“, falls noch einmal der Präsenzunterricht eingeschränkt werden müsse. Und vor allem wünschen sich die Schulen eine schnellere Information seitens der Regierung. „Oftmals habe ich von Neuerungen zunächst aus der Presse erfahren“, so Berschick. Einige Fragen, wie es nach den Herbstferien weitergeht, seien zudem noch offen – zum Beispiel, wie der Sportunterricht gestaltet werden soll. Aber sicher ist: auch die nächsten Herausforderungen werden die Heiligenhauser Schulen mit ihren motivierten Leiterinnen meistern. Hier lesen Sie weitere Nachrichten aus Heiligenhaus.

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