Martin Luther

Was der Reformationstag den Heiligenhausern bedeutet

Kirsten Düsterhöft und ihre Pfarrerkollegen haben sich ein Jahr lang ausgiebig mit dem Reformator Martin Luther beschäftigt.

Foto: Alexandra Roth

Kirsten Düsterhöft und ihre Pfarrerkollegen haben sich ein Jahr lang ausgiebig mit dem Reformator Martin Luther beschäftigt. Foto: Alexandra Roth

Heiligenhaus.   500 Jahre Reformation sind auch in Heiligenhaus ein großes Thema. Doch wie würde Martin Luther heute, 2017, mit seinen Thesen ankommen?

Was, wenn Martin Luther heute leben würde? Wären seine Thesen aktuell? Würde er angehört werden? Heute sind es 500 Jahre nachdem der Wittenberger Professor seine 95 Thesen formuliert – und angeblich an die Tür der Schlosskirche angebracht haben soll. Er wollte die katholische Kirche reformieren – und setzte den Startschuss für die Protestantische Bewegung und somit den Beginn der evangelischen Kirche. Deswegen ist heute in ganz Deutschland der Reformationstag ein Feiertag – und auch die Heiligenhauser Protestanten feiern diesen besonders.

500 Jahre nach Luthers Thesenveröffentlichung blättert Pfarrerin Kirsten Düsterhöft in einem Band, den sie in Isenbügel geschenkt bekommen hat. „Das ist ein Sammelheft mit Postkarten zu 400 Jahren Reformation“, zeigt sie. Das war 1917 – „mitten im Ersten Weltkrieg, Wahnsinn, dass da die Leute den Kopf dafür hatten.“

Reformationstag leider in den Ferien

Feldpost in die Heimat war mit Sprüchen Luthers versehen, es wurden gute Wünsche verfasst. Luther hat es über all die Jahrhunderte geschafft, mit seinen Worten Leute zu bewegen, einige seiner auch teils derben Sprüche sind auch 500 Jahre später in vieler Munde. „Ich finde es gut, dass heute ein Feiertag ist“, findet Düsterhöft, „denn das hat schon nochmal einen ganz anderen Stellenwert.“ Schade finde sie es jedoch, dass dieser mitten in die Schulferien falle. „Alle sprechen vom langen Wochenende, ich fürchte, dass der Reformationstag da untergeht.“

Wie ein roter Faden durchs Jahr

Damit das nicht so ist, haben sie und ihre Pfarrerkollegen seit einem Jahr Martin Luther thematisiert.„Es sollte sich wie ein roter Faden durch das Jahr ziehen. Dabei ist auch auf unserer Konfi-Freizeit unsere tolle Pop-Art-Collage im Warhol-Stil entstanden“, zeigt Düsterhöft stolz das Cover des aktuellen Gemeindebriefs. Spannend fand Düsterhöft zu sehen, wie sich die Kinder beim Malen darüber unterhalten haben. „Einer wurde gefragt, ob Luther Magen-Darm hätte oder warum das Gesicht grün sei. Das Kind antwortete: ‘Na was meinst du, wie schlecht dem Luther war, als er zum Kaiser nach Worms musste’.“

Luther zu thematisieren heiße auch die Diskussion zu suchen, so Düsterhöft: „Zur Kirche gehört auch die Kontroverse. Kirche muss sich immer weiterentwickeln.“ Gerade in dieser schnelllebigen Zeit müsse sich die Kirche stets hinterfragen, „aber sie muss auch Ankerpunkt sein – nicht alle Traditionen muss man über Bord werfen.“

Ängste der Leistungsgesellschaft

Der Gnädige Gott, für den vor über 500 Jahren noch Ablassbriefe gekauft werden musste, wäre auch heute ein Thema. „In unserer Leistungsgesellschaft gehören Ängste, nicht gut genug zu sein, zum Alltag. Das Abitur wird schon im Kindergarten geplant nach dem Motto, wenn du nichts hast, bist du nichts“, stellt Düsterhöft fest. „Man muss stärker betonen: Du bist toll, wie du bist, wir müssen mehr die Stärken und nicht die Schwächen in den Vordergrund stellen.“ Scheitern sein in Ordnung.

Das seien auch Lehren, die man von Luther ziehen könne – denn einfach war der Weg vom Aufstellen seiner Thesen hin zu einer Reformation der Kirche sicherlich nicht. Doch erwartet man heute von einem Pfarrer der evangelischen Kirche Perfektion? „Nein, aber man erwartet das Ziehen von Konsequenzen, wie man beim Fall Margot Käßmann gesehen hat.“ Das würden die Menschen bei Politikern hingegen vermissen.

Besonderer Gottesdienst für Pfarrerin Birgit Tepe

„Heute ist sozusagen der Höhepunkt unseres Martin Luther-Jahres“, berichtet die evangelische Pfarrerin Birgit Tepe. Sie wird um 11 Uhr in der Alten Kirche die Predigt halten. „Es wird schon was Besonderes, draußen spielt der CVJM Posaunenchor, der Kirchenchor begleitet uns.“ Anschließend gibt es im Haus der Kirche noch eine „deftige Suppe und es werden bei Tisch noch Luthers markante Sprüche gesprochen“, verrät Tepe.

Dass sie den Gottesdienst zum 500-jährigen Reformationsjubiläum hält, ist für die Pfarrerin „schon etwas sehr Besonders. Es ist doch einzigartig, genau das jetzt miterleben zu dürfen.“ Ihre Predigt werde sie unter das Motto stellen, was Reformation heute bedeute. „Früher wurde die Frage nach einem gnädigen Gott gestellt, heute fragen wir uns, ob es überhaupt einen Gott gibt.“

Deswegen, so Tepe, sei es auch Aufgabe der evangelischen Kirche, sich selbst immer wieder zu überprüfen. „Welche Bewegungen gibt es, welche Regeln? Sind wir vielleicht festgefahren? Wir sind auch immer auf dem Weg uns zu reformieren und modernisieren.“

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