Politik

WAHL kritisiert Bürgermeister wegen der Beigeordneten-Suche

Stefan Okon (WAHL) kritisiert die Rolle des Bürgermeisters beim ersten Bewerbungsverfahren.

Foto: Uwe Möller

Stefan Okon (WAHL) kritisiert die Rolle des Bürgermeisters beim ersten Bewerbungsverfahren. Foto: Uwe Möller

Heiligenhaus.   Fraktionschef Stefan Okon macht Michael Beck für die gescheiterte Bewerbungsrunde um den Kämmererposten im Dezember mit verantwortlich.

Der Heiligenhauser Rat wird am Mittwoch voraussichtlich einen neuen Ersten Beigeordneten/Kämmerer wählen. Für die WAHL-Fraktion wäre diese Neubesetzung aber nur eine Notlösung. Im ersten Bewerbungsverfahren im Dezember habe es deutlich bessere Kandidaten gegeben. Das Verfahren sei aber unter anderem auch gescheitert, weil Bürgermeister Michael Beck Einfluss genommen und einige Bewerber abgeschreckt habe, sagt WAHL-Fraktionschef Stefan Okon im Interview mit WAZ-Redakteur Christoph Husemeyer.

Herr Okon, was lief aus Ihrer Sicht beim ersten Bewerbungsverfahren im Dezember schief?

Stefan Okon: Das Verfahren ist nicht neutral abgelaufen. Der Bürgermeister hat einen alten Bekannten ins Rennen geschickt, mit dem er früher bereits zusammengearbeitet hatte. Das ist dann aber erst beim Eintritt des Bewerber zum Gespräch in den Ratssaal herausgekommen und hätte früher vom Bürgermeister kommuniziert werden müssen. Auch im Bewerbungsgespräch selbst wurde dieser Kandidat bevorzugt.

Andere Kandidaten wurden dagegen benachteiligt, sagen Sie?

Okon: Ja, der Bürgermeister hat mit einigen vorab Vier-Augen-Gespräche geführt. Im eigentlichen Bewerbungsgespräch im Beisein der Politik wurden die Kandidaten dann durch Fragen und Kommentare gezielt abgeschreckt und haben schließlich ihre Bewerbung zurückgezogen. Dass der Bürgermeister so aktiv Einfluss genommen hat, ist umso ärgerlicher, weil es durchaus geeignete Bewerber für die Stelle gab.

Am Ende konnte sich die Politik auf keinen verbliebenen Bewerber einigen und das Verfahren wurde ohne Besetzung abgebrochen.

Okon: Nun sind weitere sechs Monate vergangen. Der Haushalt wurde auch so gut aufgestellt, das hat die Kämmerei auch so geschafft, wenn auch mit einigen Überstunden. In der Rechnungsprüfung kommt man aber kaum hinterher. Und auch im Immobilienservice geht es seit langer Zeit zu langsam voran.

Wie beurteilen Sie das zweite Verfahren, das nun läuft?

Okon: Hier hat sich der Bürgermeister zumindest neutral verhalten und wohl aus seinen Fehlern gelernt. Am Mittwoch wird der Rat voraussichtlich mehrheitlich einen Bewerber wählen, auf den sich zwei Fraktionen geeignet haben. Dieser Kandidat wäre aber für uns von der Qualifikation her nur eine Notlösung. Keiner der Bewerber im jetzigen Verfahren kann sowohl Kämmerei als auch die anderen Aufgaben in der Verwaltung wie Schule oder Immobilienservice. Einige Fraktionen wollen sich jetzt nur nicht die Blöße geben und ein zweites Bewerbungsverfahren abbrechen. Die WAHL wird für keinen der Bewerber stimmen.

Was wäre für Sie stattdessen die beste Lösung?

Okon: Wenn die anderen Fraktionen unbedingt einen Beigeordneten als politischen Wahlbeamten für acht Jahre wollen, sollten sie weiter einen geeigneten Kandidaten suchen. Wir wollen dagegen keinen Beigeordneten, der oben drüber steht und Aufgaben verteilt. Wir wollen in der Verwaltung weitere aufgabenspezifische Stellen schaffen und eher in den Fachbereichen aufstocken, wo die Leute auch Arbeit wegschaffen, statt vor allem zu repräsentieren.

Beck: „Habe das Verfahren transparent geführt“

Das gescheiterte Bewerbungsverfahren um die Stelle des Ersten Beigeordneten/Kämmerers im Dezember wird von der WAHL-Fraktion kritisiert. Sie wirft Bürgermeister Michael Beck vor, bestimmte Bewerber bevorzugt und andere benachteiligt zu haben. Beck nimmt dazu im Interview Stellung.

Herr Beck, wie lief das Bewerbungsverfahren im Dezember aus Ihrer Sicht ab?

Michael Beck: Im Vorfeld haben einige Kandidaten auf eigenen Wunsch mit mir ein persönliches Gespräch gesucht, um mehr über die Stadt und die Stelle zu erfahren. Von diesen Personen waren auch einige zur Vorstellung im Haupt- und Finanzausschuss eingeladen, vorsätzlich ungleich behandelt wollte ich dabei aber niemanden.

Die WAHL wirft Ihnen vor, einen alten Weggefährten ins Rennen geschickt zu haben.

Beck: Dieser Kandidat hat sich von sich aus beworben. Und mehrere Fraktionen haben ihn aufgrund seiner guten Qualifikation zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Ich wollte keinen Einfluss auf eine Einladung nehmen, indem ich sage, dass ich den Kandidaten lange kenne und er früher mein Vorgesetzter in der Verwaltung einer anderen Stadt war. Ich betrachtete es jedoch als meine Pflicht, die Politik hiervon vor der eigentlichen Vorstellung im Ausschuss umfassend in Kenntnis zu setzen. Der Kandidat hat seine Bewerbung am Ende selbst zurückgezogen.

Wie beurteilen Sie die Qualität der Kandidaten im derzeitigen zweiten Bewerbungsverfahren?

Beck: Es gibt Bewerber mit zum Teil mehreren Studienabschlüssen bis hin zu einer Kandidatin, die bereits in der Leitungsebene eines Landesrechnungshofs tätig war. Für die Fraktionen, die gegen das Beigeordnetenmodell an sich sind, ist es leicht, gegen die Qualität eines anonymes Bewerberfeldes zu schießen. Ich bin optimistisch, dass wir die Stelle mit einem geeigneten Kandidaten besetzen können.

>>> ANFORDERUNGSPROFIL DER STELLE HAT SICH GEÄNDERT

  • Das Anforderungsprofil für die Stelle des Ersten Beigeordneten ist modifiziert worden.
  • Einige Bereiche werden ausgelagert und ein vierter Geschäftsbereich soll entstehen, dessen Leiter die Bereiche Kultur, Soziales und Jugend übernehmen soll.
  • Die Kultur soll wieder ein eigener Fachbereich mit einem eigenen Leiter werden. Beide Stellen werden intern besetzt.
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