Wirtschaft

Traditionsfirma Strenger zieht von Heiligenhaus nach Velbert

Strenger-Geschäftsführer Oliver Brandenburg und Montageleiter Peter Mannsfeld (rechts) schauen Brigitta Morawiecki bei der Arbeit über die Schulter.

Foto: Ulrich Bangert

Strenger-Geschäftsführer Oliver Brandenburg und Montageleiter Peter Mannsfeld (rechts) schauen Brigitta Morawiecki bei der Arbeit über die Schulter. Foto: Ulrich Bangert

Heiligenhaus.   Nach über 175 Jahren in Heiligenhaus verlagert der Beschläge-Hersteller seinen Sitz zur Mutter Emka. Dafür gibt es aus Firmensicht gute Gründe.

Seit gut 175 Jahren hat das Traditionsunternehmen Heinrich Strenger GmbH & Co. KG seinen Sitz in Heiligenhaus. Doch damit ist bald Schluss: Im März oder April will der Spezialist für Riegel- und Baubeschlag laut Geschäftsführer Oliver Brandenberg nach Velbert auf das Firmengelände der Muttergesellschaft Emka ziehen.

Der Grund für die Verlagerung liege im wirtschaftlichen Erfolg, wie Brandenberg im WAZ-Gespräch erläutert: „Wir haben unseren Umsatz mehr als verdoppelt und sind an unsere Kapazitätsgrenzen gestoßen.“ Doch eine Erweiterung des rund 3500 Quadratmeter großen Strenger-Geländes an der Hauptstraße sei wegen des „Mischgebiets“ dort nicht möglich gewesen. Also richtete Strenger den Blick woanders hin.

Umzug erfolgt in „deutlich größere Räumlichkeiten“

Allzu weit musste das Unternehmen aber nicht schweifen: Der Beschlagteile-Hersteller Emka, der die Heinrich Strenger GmbH & Co. KG im Jahr 2011 übernommen hatte, liegt rund sechs Kilometer entfernt an der Langenberger Straße in Velbert-Mitte. „Dort haben wir auch viel mehr Möglichkeiten. Wir können in bereits existierende Räumlichkeiten ziehen, die deutlich größer sind als hier“, erklärt Brandenberg. Und: „Außerdem gibt es bei Emka Reserveflächen, die wir auch noch nutzen könnten.“ Schließlich gehe das Wachstum für Strenger weiter. „Wir erwarten auch für 2018 ein sehr erfolgreiches Jahr“, meint der 51-Jährige. Zahlen zum Umsatz will er dabei aber nicht nennen.

Alle knapp 50 Mitarbeiter wollen dem Ruf nach Velbert folgen

In Heiligenhaus hat das Unternehmen knapp 50 Beschäftigte. Diese sollen alle mit nach Velbert gehen. „Wir haben unsere Mitarbeiter auch frühzeitig über unsere Umzugspläne informiert“, berichtet Brandenberg. Natürlich sei nicht jeder davon begeistert, da sich für manche der Anfahrtsweg verlängere. Aber niemand habe bekundet, nicht mitziehen zu wollen. Brandenberg betont in diesem Zusammenhang, dass das Unternehmen ja der Region treu bleibe. Und: „Strenger wird als eigenständige Firma fortbestehen.“

Auch in Bosnien werden Waren produziert

In Heiligenhaus stellt Strenger unter anderem das gesamte Riegelprogramm sowie Glastürbeschläge her – die Produktion sowie die Verwaltung werden dann eben in den kommenden Monaten nach Velbert verlagert. Im Ausland, unter anderem in einem Werk in Bosnien, würden „sehr arbeitsintensive Teile“ wie Spannverschlüsse gefertigt, schildert der Geschäftsführer. Eine solche Mischkalkulation sei wichtig, um den Erfolg zu sichern. Doch aus Bosnien kämen nun immer mehr Lastwagen – etwa 18-Tonner – mit Teilen nach Heiligenhaus, was auch zu logistischen Problemen vor Ort führe.

Was nun mit dem Firmengelände und den Immobilien von Strenger in Heiligenhaus geschehen wird, ist übrigens noch nicht klar. So sagt Brandenberg, der von 2000 bis 2012 bei Emka als Vertriebs- und Marketingleiter gearbeitet hat und 2014 zu Strenger kam: „Ob wir die Gebäude verkaufen oder vermieten, ist derzeit noch offen.“

Stadt und ehemalige Chefin bedauern Entscheidung

Mit großem Bedauern nimmt die Stadt den Umzug von Strenger nach Velbert hin: „Das ist keine schöne Botschaft, dass ein solches Traditionsunternehmen Heiligenhaus verlässt“, sagte Peter Parnow, Chef der Wirtschaftsförderung.

Man sei bezüglich eines möglichen Ersatzstandortes auch mit Strenger in Gesprächen gewesen – leider vergeblich. Denn was die Stadt habe anbieten können, habe sich nicht mit den Vorstellungen der Firma gedeckt. Zwar hätte ein Umzug in den Innovationspark in Frage kommen können – doch dieser werde eben erst in den kommenden Jahren fertiggestellt. Nun müsse man sehen, dass das Firmengelände an der Hauptstraße gut weitergenutzt werde.

Verständnis für die neue strategische Ausrichtung

Auch Kristina Strenger, ehemalige Geschäftsführerin und Tochter des Seniors Ulrich Strenger, hätte sich eine andere Lösung gewünscht. „Ich bin sehr traurig über diese Entscheidung“, sagt sie. Unter strategischen Gesichtspunkten könne sie den Umzug auf das Emka-Areal aber durchaus nachvollziehen. Sie freue sich auch sehr, dass es für ihre ehemalige Familienfirma weitergehe und diese auch eigenständig fortgeführt werde.

Zudem zeigt sich die Ex-Chefin erleichtert, dass alle Arbeitsplätze bei Strenger erhalten bleiben. „Wir stehen immer noch in einem sehr guten Kontakt mit den Mitarbeitern, unser Unternehmen war auch immer sehr sozial eingestellt“, schildert Kristina Strenger.

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