Forstwirtschaft

Stadtförster: Keine Zukunft für die Heiligenhauser Fichte

Stadtförster Hannes Johannsen präsentierte bereist vor einem Jahr die Schäden, die der Borkenkäferbefall an Fichten hinterlässt.

Stadtförster Hannes Johannsen präsentierte bereist vor einem Jahr die Schäden, die der Borkenkäferbefall an Fichten hinterlässt.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  Auch der Heiligenhauser Wald leidet sehr unter den Klimafolgen, der Fichte etwa geht es extrem schlecht. Und das ist noch längst nicht alles.

Das extreme Klima der letzten zwei Jahre ist auch am Heiligenhauser Waldbestand nicht spurlos vorbei gegangen. Vor allem die Fichte kann die langen Trockenphasen nicht kompensieren und wird, so prognostiziert es Stadtförster Hannes Johannsen, über kurz oder lang im Baumbestand verschwinden. Und auch der Buchenbestand sinkt weiter. Es gibt noch mehr Hiobsbotschaften.

Viele Bäume seien aufgrund ihres geschwächten Gesamtzustandes vom Borkenkäfer befallen, allen voran die Fichte. Die Forstwirte seien in den letzten Monaten fast ausschließlich mit Fällungsarbeiten beschäftigt gewesen, das Holz aber liesse sich kaum verkaufen und wenn, „dann weit unter dem regulären Preis“, berichtet Stadtförster Hannes Johannsen im Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss.

Forstwirte fällen nahezu ununterbrochen

„Wir können wirklich froh sein, dass wir derzeit richtig viele und gute Praktikanten haben, weil alle anderen Aufgaben natürlich liegen bleiben, sie haben sich zum Beispiel um die Neubepflanzung von rund zwei Hektar Wald gekümmert“, lobt Johannsen „ohne sie würden wir das alles nicht schaffen“. Um Aufzuforsten werden nun andere Nadelbaumarten gewählt, darunter Kleingruppen von Weiß- oder Küstentannen, da die Tanne als klimafitte Baumart insofern gilt, als dass sie für ihre extreme Trockenheitsresistenz und ihre besondere Regenerationsfähigkeit bekannt ist.

Hohe Schäden durch Wildverbiss

„Wir haben allerdings sehr hohe Kosten für den Wildverbissschutz, finanziell sind wir im negativen Deckungsbereich“, informiert der Förster, „Die Schutzmaßnahmen aber müssen sein, weil die Rehe, genau wie wir, das Seltene oft am Liebsten mögen. Und wir haben wesentlich mehr Rehe als man glauben mag in unserem Wald“. Ob die Tierbestände vielleicht zu hoch seien, wollen die Grünen wissen, Johannsen gibt eine klare Antwort: „Die Bestandsregulierung liegt nicht in unseren Händen, denn die Jagdgebiete sind verpachtet und da gibt es keine Vorgaben, das entscheidet jeder Pächter für sich“.

Der Wald als CO2-Bunker

Die CDU regt an, mehr neue und exotische Baumarten zu pflanzen und generell künftig den Wald weniger als Wirtschaftswald zu betrachten, denn mehr als „Biomasse“, als CO2-Bunker. Die SPD kontert, sie habe den Wald noch nie unter wirtschaftlichen Aspekten gesehen. Der Idee der CDU künftig etwa mit der Silberlinde, die in Südosteuropa und Kleinasien heimisch ist, aufzuforsten, steht Johannsen offen und positiv gegenüber.

Viel Angebot für den Mischwald der Zukunft

Auch er befürwortet die Pflanzung überregionaler Arten wie Schwarznuss, Bergahorn oder besonderer Wildobstarten wie Wildkirsche. Es sei gut, dem Wald ein großes Spektrum anzubieten, so könne die Natur selbst entscheiden was passt oder auch nicht. Und doch gibt es auch hier ein Problem: „Es ist so, dass uns durch die Vorgaben des Landschaftsschutzplanes die Hände gebunden sind. Allerdings sehen wir gute Möglichkeiten für diese speziellen Baumarten im Bürgerwald, weil die angedachte Fläche nicht im Naturschutzgebiet liegt“.

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