Umweltschutz

Stadt Heiligenhaus will bis 2030 klimaneutral sein

Andreas Sauerwein, Technischer Beigeordneter, und Sarah Göttlicher, Beraterin der Agentur Wertsicht, erklären die Ziele der Stadt Heiligenhaus.

Andreas Sauerwein, Technischer Beigeordneter, und Sarah Göttlicher, Beraterin der Agentur Wertsicht, erklären die Ziele der Stadt Heiligenhaus.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  Klimaschutz ist der Stadt Heiligenhaus wichtig und steckt sich hohe Ziele: Bis 2030 will sie klimaneutral sein. Was das genau heißt.

Deutschland will 2050 die Treibhausgasneutralität erreichen, das heißt, so wenig wie möglich Treibhausgasemissionen verursachen und die nicht vermeidbaren Emissionen vollständig kompensieren. Die Stadt Heiligenhaus geht nun noch deutlich weiter: Hier soll bereits 2030, also in zehn Jahren, Treibhausgasneutralität erreicht sein.

Um dieses Ziel zu erreichen, den Stand der Stadt in Bezug auf Klimaschutz zu analysieren und die Schritte zu planen, die zum angestrebten Ziel führen sollen, lässt sich die Stadt nach einem entsprechenden Ratsbeschluss seit knapp einem Jahr im Rahmen der „Nationalen Klimaschutzinitiative“ des Bundesministeriums für Umwelt beraten. „Begonnen haben wir im November 2019 mit einer Feststellung des Status Quo und mit einem Kickoff-Workshop eines internen Arbeitskreises“ blickt Beraterin Sarah Göttlicher von „Wertsicht“ zurück, „daraus ergaben sich dann vier Themenworkshops in Fokusbereichen.“

Klimagerechte Stadtplanung

Klimagerechte Stadtplanung und -anpassung, 100 Prozent klimafreundliche Energieerzeugung, maximale Energieeffizienz und die Verwaltung als Vorbild waren die Bereiche, in denen sich die Teilnehmer Maßnahmen überlegten. „Diese Workshops, an denen auch jeweils ein Vertreter jeder Partei beteiligt war, habe ich als unglaublich positiv empfunden“, erinnert sich der Technische Beigeordnete Andreas Sauerwein gern zurück, „es ging allen um die Sache, Parteipolitik ist nur selten durchgeblitzt, wobei natürlich über wichtige politische Punkte diskutiert wurde.“

Erste Maßnahmen werden in allen vier Bereichen schon jetzt durchgeführt, auch wenn die Beratung noch bis ins kommende Jahr andauert. So kümmert sich die Stadt um ein Mobilitätskonzept, das allerdings ein hochkomplexes Thema sei. Der motorisierte Individualverkehr lasse sich nicht komplett aus der Innenstadt verbannen, „wir müssen auch an die Wirtschaft denken.“ Es gelte also, Schritt für Schritt Lösungen zu finden. In „ganz konkreter, detaillierter Planung“ ist laut Sauerwein auch ein Biomassekraftwerk im Innovationspark, durch das zukünftig ein Teil des Energieverbrauchs durch lokale, erneuerbare Energien abgedeckt werden soll. Klimaschutz wird großgeschrieben - allerdings nur digital, denn auf Papier möchte die Stadtverwaltung in Zukunft gänzlich verzichten.

Klarer Ablauf sei wichtig

Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerke sollen außerdem dabei helfen, die stadteigenen Gebäude bis 2030 CO2-neutral zu bekommen. Wichtig sei grundsätzlich bei allen Maßnahmen, einen klaren Ablauf, ein zeitliches Ziel und eine Vorstellung der Kosten zu haben: „Das hat bei der Verbesserung des Zustands der Fließgewässer geholfen, das wird auch beim Klima funktionieren“, so Sauerwein. „Wir haben 30 Jahre verpasst“, macht Sauerwein deutlich, wann eigentlich der richtige Zeitpunkt gewesen wäre, sich für das weltweite Klima zu engagieren, „aber nun ist die Ernsthaftigkeit fast überall angekommen“.

Alle Ideen und Projekte zu koordinieren und den Zeitplan für deren Umsetzung im Auge zu behalten, dafür wird ab 2021 ein Klimamanager mit einem entsprechenden Konzept sorgen. „Die Stelle wird im Frühjahr ausgeschrieben und soll zum Sommer besetzt werden“, so Sauerwein. Klar ist dem Technischen Beigeordneten aber auch, dass nicht die Stadt alleine das „hochgesteckte Ziel“ erreichen kann. „Die Kommune hat nur begrenzten Einfluss, wir brauchen die Unterstützung der Wirtschaft und der Privathaushalte“. Mit dem Bürgerwald beispielsweise gebe es die Chance, stetes Engagement zu zeigen, Umwelt- und Klimaschutz dauerhaft schon den kleinsten Heiligenhausern ins Gedächtnis zu rufen.

Weitere Informationen

In jedem neuen Baugebiet soll zukünftig zunächst überlegt werden, ob beispielsweise Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen für grüne Wärme und Strom sorgen können.

Den eigenen CO2-Fußabdruck recherchieren kann jeder Bürger auf https://uba.co2-rechner.de/de_DE/.

Auf der Homepage der Stadt wird über Beratungsangebote informiert, das Angebot des Umweltbildungszentrums soll ausgeweitet werden. Hier lesen Sie weitere Nachrichten aus Heiligenhaus.

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