Brauchtum

Schützenverein 1898 Heiligenhaus bangt um seine Zukunft

Sie sorgen sich um den SV 1898 Heiligenhaus: Vize-Geschäftsführerin Renate Lehr (von links), Vorsitzende Bettina Tillmann und Vereinsadjutant Helmut Plaumann auf der Schießanlage an der Selbecker Straße.

Foto: Christof Köpsel

Sie sorgen sich um den SV 1898 Heiligenhaus: Vize-Geschäftsführerin Renate Lehr (von links), Vorsitzende Bettina Tillmann und Vereinsadjutant Helmut Plaumann auf der Schießanlage an der Selbecker Straße. Foto: Christof Köpsel

Heiligenhaus.   Der 120. Geburtstag wird groß gefeiert. Dabei werden die neuen Majestäten gekrönt. Es könnte, soll aber nicht das letzte Schützenfest sein.

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Seit stolzen 120 Jahren besteht der Schützenverein nun schon, und den runden Geburtstag will der SV 1898 Heiligenhaus morgen während seines Schützenfests feiern. Doch der Vorstand bewertet die Zukunft des Traditionsvereins derzeit düster. Nur noch 29 Mitglieder gibt es, und der dringend benötigte Nachwuchs fehlt.

Ein letztes Hurra, eine Abschiedsfeier, solle es jedoch am Samstagabend im Ratskeller nicht werden, sagt die Vorsitzende Bettina Tillmann. Sie behält die Zuversicht, dass der Schützenverein fortbesteht. „Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass wir neue Mitglieder bekommen“, sagt Tillmann.

Gegen Schützen gibt es viele Vorurteile

Argumente, beizutreten, gebe es einige, findet auch Vize-Geschäftsführerin Renate Lehr: „Wir sind wie eine Familie im Verein, wir halten alle zusammen und helfen uns.“ Zudem gehe es längst nicht nur um Brauchtumspflege, denn gerade als Sportschützen seien die Mitglieder erfolgreich; zwei Mannschaften gebe es in der Kreisliga, für Pistole und aufgelegtes Luftgewehr. Weitere seien denkbar – bei mehr Zulauf.

„Es gibt aber unheimlich viele Vorurteile gegen Schützen“, räumt Tillmann ein, das schwerwiegendste sei, dass viele Leute sie für potenzielle Amokläufer halten. „Dabei lernen Jugendliche bei uns, welche Gefahren mit Schussaffen zusammenhängen.“

Regelmäßige Schnuppertage

So biete der Verein regelmäßig Schnuppertage für Schüler des Kant-Gymnasiums an, und anschließend sei durchaus bei vielen das Interesse da, auch zu trainieren. „Oftmals verbieten das aber die Eltern“, sagt die Vorsitzende und kann das nachvollziehen: „Ich hatte früher die gleichen Vorurteile“, nun kämpfe sie aber für ein besseres Image und könnte das mit mehr Mitstreitern umso besser. Denn die Zeiten, in denen der SV 1898 Heiligenhaus Tage der offenen Tür oder Stände bei Stadtfesten organisieren konnte, seien wegen seiner geringen Größe vorbei.

Probleme bei der Nachwuchsgewinnung bereitet aber auch das Gesetz: „Es sieht vor, dass Jugendliche erst ab zwölf Jahren mit Luftgewehr oder -pistole schießen“, so Tillmann, mit Ausnahmegenehmigung könnten sie zwar bereits mit zehn Jahren an einem Lasergewehr trainieren, aber das sei zu spät. „Mit vier Jahren spielen Kinder doch schon Fußball. Wer einmal eine Vorliebe dafür hat, der wechselt nicht zum Sportschießen.“

Der Nachwuchs fehlt

Jedoch fehlen dem Verein nicht nur Teenager, auch junge und ältere Erwachsene von 20 bis 50 Jahren. Damit allerdings möglichst viele Heiligenhauser die wenigen, aber sehr engagierten Mitglieder kennenlernen, sind morgen alle Interessenten zum Schützenfest eingeladen. Gefeiert wird das Brauchtumsfest um 20 Uhr im großen Saal des Ratskellers. Es beginnt traditionell mit dem Einmarsch des amtierenden Prinzen- und Königshauses, auf das das neue folgt, das an dem Abend gekrönt wird.

Neben der Krönung, den Ehrungen für langjährige Schützen und einer Tombola wird natürlich getanzt. Ein DJ macht Musik „und spielt quer durch die Bank alles, was dem Publikum gefällt“, wirbt Renate Lehr. „Wir tanzen ganz bestimmt bis ein, zwei Uhr“, verspricht Bettina Tillmann, trotz unsicherer Zukunftsprognosen, „lassen wir uns den Spaß nicht nehmen.“ Dennoch bedauert sie ein wenig, dass zu wenig Helfer da sind, um einen Festumzug durch Heljens zu veranstalten, wie es ihn zum 100. Geburtstag gab.

Anlage könnte für neues Heljensbad weichen

Trüben soll die Feststimmung nicht die Tatsache, dass bei einem Neubau des Heljensbads womöglich die Schießanlage weichen könnte, die auch der zweite Heiligenhauser Schützenverein Wildschütz nutzt. „Beide Vereine müssen überlegen, wie es weitergeht, und das bestenfalls gemeinsam“, sagt Renate Lehr. Man sei offen für Gespräche über eine engere Zusammenarbeit, heißt es auch aus Kreisen der Wildschützen.

Ohnehin steht noch nicht fest, ob die Schießanlage an der Selbecker Straße für den geplanten Neubau des Heljensbads abgerissen wird oder nicht.

>>> SAMSTAG STEIGT DIE SAUSE UM 20 UHR IM RATSKELLER

  • Das Schützenfest beginnt am Samstag, 14. April, um 20 Uhr (Einlass 19 Uhr) im Ratskeller an der Hauptstraße 144. Der Eintritt ist frei, alle Interessierten sind willkommen.
  • Gekrönt werden Bettina Tillmann als Kaiserin und André Pangritz als Prinz.
  • Auskunft zum Verein und zur Möglichkeit eines Schnuppertrainings gibt Bettina Tillmann: 0176/ 210 11 779; Infos: www.sv1898-heiligenhaus.de

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