Historie

Riesiger Heiligenhauser Bunker ist bald nur noch Geschichte

Der Eingang am Südring ist nicht nur bald überwuchert, sondern auch fest verschweißt.

Der Eingang am Südring ist nicht nur bald überwuchert, sondern auch fest verschweißt.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  Riesig groß ist der Stollen im Bereich Südring und Hauptstraße in Heiligenhaus. Errichtet von der Wehrmacht ist das Ende nun absehbar.

Fünf Millionen Reichsmark einen Wehrmachtsstollen: Aber auch für die Sicherheit für die Heiligenahuser Bürger? Das ist eine der Fragen rund um den größten Bunker der Stadt. Wie es zum Bau des Areals genau kaum und wofür er gedacht war, ist nicht ganz geklärt. Fakt ist: Er ist so groß, dass 5000 Menschen hier hätten Schutz finden können. Doch nun ist der Bunker bald Geschichte.

Die Stadt Heiligenhaus muss nun tief in die Tasche greifen, um das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg für immer zu begraben. Nur ein Weg führt noch hinein in den ehemaligen Wehrmachtsstollen: Zu sehen ist der Eingang am Südring gegenüber der Bushaltestelle Mahnmal. Fest verschweißt, damit hier auch keiner mal eben reinschauen kann, was 20 Meter in der Tiefe und viele Quadratmeter in der Fläche unscheinbar versteckt liegt. Es ist ein riesiges System aus Stollen und Kammern, das die Wehrmacht zunächst nicht für den Zivilschutz errichtete, erinnert sich der ehemalige Bürgermeister Jan Heinisch: „Eigentlich sollte der Bunker militärisch genutzt werden als Kommandostand für die Verteidigung des Luftraums unter anderem über dem Ruhrgebiet – Anwesenheit Holde Generalitäten inklusive. Doch dazu kam es zum Glück gar nicht mehr.“

Die Hälfte der Stadt hätte Platz gefunden

Denn das hätte vermutlich schlimme Folgen für Heiligenhaus haben können. Die Stadt wäre zum strategischen Ziel für die Alliierten geworden, vermutlich gerade auch für Luftangriffe. „Die ganzen Akten waren zu meiner Amtszeit noch Verschlusssachen, denn in der Hochzeit des Kalten Krieges hat man noch einmal in den Bunker investiert. Diesmal allerdings, um ihn tatsächlich für den Bevölkerungsschutz zu ertüchtigen. Zuvor hatte sich wohl auch die noch junge Bundeswehr einmal noch unter militärischer Sicht mit dem Relikt beschäftigt“, erinnert sich Heinisch.

Platz bot der Stollen jedoch insgesamt 5000 Menschen, zu einer Zeit, in der in der Stadt rund 10.000 Menschen lebten. „Beinahe die Hälfte der Einwohner hätten hier also hinein gepasst“, weiß auch Feuerwehr-Chef Nils Vollmar zu berichten – und der entgegen vorherrschender Gerüchte dementiert, dass die Feuerwehr für die Sicherung des Bunkers verantwortlich sei. „Verantwortlich ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die hier alle paar Jahre die Sicherheit der Anlage kontrolliert. Die Feuerwehr leistet dabei unterstützende Arbeiten, wie das Ausleuchten oder Messen von Schadstoffen.“

Verfüllung kostet 880.000 Euro

Noch ist die riesige Bunkeranlage sicher, doch über ihr lastet der Druck. Fast komplett ist sie überbaut, unter anderem auch von der Schule Schulstraße. „Der Stollen ist noch sicher, man muss sich überhaupt keine Sorgen machen“, berichtet der Erste Beigeordnete der Stadt, Björn Kerkmann – aber dennoch muss er als Kämmerer bald tief in die Taschen der Stadtkasse greifen. Denn der Bunker soll nun verfüllt werden, damit die Sicherheit auch in Zukunft gewährleistet werden kann – für Gebäude, die hier bereits stehen oder die hier künftig entstehen könnten.

880.000 Euro kostet die Verfüllung, 470.000 Euro finanziert dabei der Bund. „Die Anlage ist als Nachkriegsschaden deklariert“, berichtet Kerkmann. Und wenn von solchen eine Gefahr für „Leib und Gesundheit von Menschen“, wie es heißt, ausgeht, übernehme die Bima eine maximale Summe von eben 470.000 Euro. „Es ist eben auf Dauer erforderlich, dass eine Verfüllung vorgenommen wird“, erklärt Kerkmann den Grund für die jetzige Entscheidung; der Rat hat bei der letzten Sitzung bereits zugestimmt. 135.000 Euro kostet das nun die Stadt, die restlichen 275.000 Euro werden von Eigentümern und Investoren übernommen.

Keine Nutzung denkbar

Wie riesig die Ausmaßen des einstigen unterirdischen Schutzraums sind, sowohl Heinisch als Vollmar und Kerkmann haben es mit eigenen Augen gesehen: unspektakulär, aber gigantisch, berichten sie – und vor allem stockduster. „Es geht zwanzig Meter eine Eisentreppe ins Finstere bergab“, so Vollmar. Und dann in sämtliche Richtungen. In der Zeit des Kalten Krieges habe es Überlegungen zum erneuten Ausbau gegeben. „Wir hatten damals überlegt, ob man den Bunker irgendwie noch nutzen kann, aber dann relativ schnell festgestellt, dass das nicht möglich ist, allein aufgrund der Bewetterungsprobleme“, so Heinisch. „Wenn mehrere Menschen gemeinsam da unten sind, sinkt ohne technische Lüftung die Luftqualität schnell unter die schädliche Grenze.“

Doch nun soll endgültig Schluss sein für den einstigen Kriegszeugen: Der alte Wehrmachtsstollen wird über Monate verfüllt, doch die Erinnerungen werden vielen Heiligenhausern bleiben. Hier lesen Sie weitere Nachrichten aus Heiligenhaus.

Weitere Informationen

Vom Schulhof der Schule gibt es keinen eigenen Zugang zum Bunker, sondern nur ein Lüftungsrohr. Das wurde jedoch bereits teilverfüllt.

Bereits verfüllt wurde vor Jahren der zweite große, so genannte Kiekert-Bunker.

Bis der Bunker verfüllt ist, wird es mehrere Monate dauern. Es werden mehrere Silos aufgebaut. Wie genau die Befüllung funktioniert und wie es derzeit noch im Bunker aussieht, werden wir in den kommenden Wochen noch einmal genau berichten.

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