Musik made in Heiligenhaus

Prof. Dr. Brzoska ist der Forscher der vergessenen Oper

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Heiligenhaus. „Viel mehr kann ich nicht erreichen“, fasst Prof. Dr. Matthias Brzoska seine Ehrung zusammen. Der Musikwissenschaftler ist in die NRW-Akademie der Wissenschaft und Künste berufen worden.

Nur wenige werden vorgeschlagen und diejenigen, die aufgenommen werden, dürfen stolz auf ihre Leistung sein. Sie haben etwas geschaffen! Was hat Matthias Brzoska geschaffen? Eine schwere Klappbox mit Büchern, Partituren, Flyern, Programmheften, Katalogen und Lexika sowie CDs schleppt Brzoska an.

„Eine Auswahl“, sagt er schmunzelnd. Richtig! Seine Publikationen nehmen seine persönliche Homepage zum größten Teil in Anspruch. Nicht kräftezehrend zu tragen, dafür kleingeschrieben.

Musikwissenschaft, Romanistik und Philosophie

Eines der ältesten Werke ist seine Dissertation von 1986 über Franz Schreker. Der 1955 Geborene nennt sie eine Pionierleistung. Diese Arbeit gibt er an der TU Berlin bei Carl Dahlhaus ab.

Zu diesem Zeitpunkt hat Brzoska sich bereits gegen ein Studium am Instrument entschieden und für Musikwissenschaft, Romanistik und als drittes Fach Philosophie, dort speziell die Ästhetik.

Rückblickend sagt er über seine Klarinettenspiel: „Ich war gut genug, hätte auch das studieren können.“ Aber sein Weg geht zur universitär-wissenschaftlichen Laufbahn.

So muss er erneut auch eine Dramaturgenstelle ablehnen, diesmal bekommt Brzoska nämlich ein Stipendium in Paris. Das nimmt er gerne an. Sprachprobleme hat er nicht, da ihn seine Eltern zweisprachig erzogen haben. „Heute muss man vier Sprachen zumindest lesen können“, meint Brzoska, um wissenschaftlich tätig sein zu können.

1992 habilitiert er in Bayreuth über die Idee des Gesamtkunstwerks in Frankreich. Anschließend wird er an die Folkwang Universität der Künste berufen.

Faszinierende Informationen gibt er preis, die für sich schon fesselnd sind. In der Tiefe vermögen sie noch mehr Begeisterung zu schüren.

Original-Manuskripte liegen in Krakau

„60 000 Opern kennen wir“, berichtet Brzoska, „wenn wir viel rumreisen, können wir vielleicht 1000 sehen“. Es liegen noch viele begraben, in Archiven versunken. Eine davon hat der Professor gefunden. „Le Prophète“ von Giacomo Mayerbeer. Auch wenn es sich nicht so anhört, aber es ist die einzige Oper, die im heutigen NRW spielt. Sie thematisiert die Münsteraner Wiedertäuferbewegung im 19. Jahrhundert. In Krakau hat er die Originale gefunden. Die allerdings waren übernäht, gestrichen – wieder und wieder korrigiert worden.

Kongresse hat der umtriebige Herr geleitet, Preise erhalten, wie den Kritikerpreis des Jahres 2004 und ist nun in die Akademie der Wissenschaft und Künste aufgenommen worden. „Man freut sich, ist geehrt“, sagt Brzoska und ergänzt: „Es war nicht zu erwarten, weil noch nie ein Folkwängler auf der Liste stand.“

Doch weiß der Isenbügler Brzoska auch seine Arbeit zu schätzen. Er hat sich vor über zehn Jahren dafür eingesetzt, den Studiengang Musikwissenschaften Bochum an die Folkwang-Uni anzugliedern. Für den Bibliotheksneubau hat sich der Professor ebenfalls eingesetzt. „Bundesweit“, erklärt der Musikwissenschaftler, „ist es nur an der Folkwang-Uni möglich, Musikwissenschaften mit einem künstlerischen Fach zu kombinieren.“

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