Gedenken

Politiker möchte mehr Stolpersteine für Opfer des NS-Regimes

Im Februar 2017 hatte der Künstler Gunter Demnig den Stolperstein für Franz Frerich auf dem Rathausplatz verlegt

Im Februar 2017 hatte der Künstler Gunter Demnig den Stolperstein für Franz Frerich auf dem Rathausplatz verlegt

Foto: Heinz-Werner Rieck

heiligenhaus.   Rainer Köster von den Linken hat eine Liste mit 15 weiteren jüdischen Mitbürgern aus der Stadt, die von den Nazis ermordet worden seien.

Wer aufmerksam durch das Heiligenhauser Stadtgebiet läuft, stößt auf insgesamt fünf im Boden verlegte „Stolpersteine“: Diese kleinen, quadratischen Messingsteine erinnern dabei an die Opfer des NS-Regimes, die wegen ihres Glaubens oder ihrer oppositionellen Überzeugung ermordet worden waren. Nach Ansicht des Linken-Politikers Rainer Köster müsste es aber deutlich mehr Stolpersteine in der Stadt geben.

So hat Köster eine Liste von 15 weiteren Menschen jüdischen Glaubens, die einen Bezug zu Heiligenhaus hatten und von den Nationalsozialisten getötet wurden – darunter sind Nachnamen wie Baum, Herz, Jacobs, Jonasson, Oss, Regensburg, Schieren, Schwabe und Ullmann. Die Liste stützt sich auf die Recherchen des pensionierten Langenberger Pfarrers Frank Overhoff, der über Jahrzehnte hinweg Daten zu jüdischen Mitbürgern in Niederberg und Umgebung zusammengetragen hat.

Stolpersteine-Aktion wurde 1992 ins Leben gerufen

Köster selbst erforscht seit rund 40 Jahren das Schicksal von NS-Verfolgten aus der Region. Doch: „Es wird immer schwieriger nachzurecherchieren, was aus den Menschen geworden ist, da immer weniger Zeitzeugen leben“, schildert der Kreistagsabgeordnete. Ihm sei es aber ein großes Bedürfnis, an die Ermordeten zu erinnern. Ein Weg dazu sei durch die Stolpersteine gegeben: „Sie bieten eine praktische und realistische Möglichkeit, auf die Opfer des Nationalsozialismus’ hinzuweisen.“

Ins Leben gerufen wurde die Stolpersteine-Aktion im Jahr 1992 durch den Frechener Künstler Gunter Demnig. Er verlegt die Quader meist vor dem letzten Wohnort der Opfer. „Jeder Stolperstein kostet 120 Euro, oft werden sie aus Spenden, zum Beispiel von Firmen, finanziert“ schildert Linken-Politiker Rainer Köster.

Auch eine Gedenktafel für alle Opfer wäre möglich

Anstelle der 15 neuen Erinnerungssteine, die der pensionierte Lehrer gerne in Heiligenhaus hätte, könnte sich Köster aber auch eine zentrale Gedenktafel, etwa am Rathausplatz, vorstellen. Probleme mit der Stadt würde er nicht erwarten: „Heiligenhaus war bislang sehr kooperativ.“ Auf der Gedenktafel könnten dann auch dir Namen der acht Juden stehen, die in Heiligenhaus geboren wurden oder wohnhaft waren und für die bereits in Hilden ein Stolperstein verlegt worden ist.

Auch Stadtarchivar Hartmut Nolte hält Stolpersteine für sehr wichtig, damit das Unfassbare nicht in Vergessenheit gerät. Denn: „Diese Gedenksteine dokumentieren, dass Menschen während der NS-Diktatur ums Leben gekommen sind“, meint Nolte. Er plant auch unter anderem in Zusammenarbeit mit Ruth Ortlinghaus vom Arbeitskreis Stadtmarketing, künftig eine Publikation mit dem Titel „Die Geschichte der Juden in Heiligenhaus“ zu veröffentlichen.

>>HIER SIND DIE FÜNF STOLPERSTEINE VERLEGT

  • Die Stolpersteine in Heiligenhaus erinnern an folgende NS-Opfer: Franz Frerich (auf dem Rathausplatz) sowie an der Hauptstraße 165 an Adele Jacobs.


  • An der Hauptstraße 252 sind zwei Gedenksteine für das Ehepaar Karl und Rosa Aron verlegt. Und am Südring in Höhe der Hausnummer 181 wird Artur Jacobs gedacht.
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