Gewaltprävention

Personalmangel bedroht Gewaltpräventionsprojekt für Schüler

Das bereits genehmigte Projekt zur Gewaltprävention soll Heiligenhauser Schülerinnen unter anderem Selbstverteidigung beibringen und wie sie sich behaupten können. Derzeit steht es aber auf der Kippe.

Das bereits genehmigte Projekt zur Gewaltprävention soll Heiligenhauser Schülerinnen unter anderem Selbstverteidigung beibringen und wie sie sich behaupten können. Derzeit steht es aber auf der Kippe.

Foto: Lars Heidrich

Heiligenhaus.  Im Heiligenhauser Jugendamt ist eine Mitarbeiterin ausgefallen und daher wird ein teures Jugendprojekt abgesagt. Teile könnten gerettet werden.

Die Freude war groß im Rathaus, als Heiligenhaus Landesmittel bewilligt bekam, um ein großes Projekt gegen sexualisierte Gewalt für Jugendliche mit Migrationshintergrund durchzuführen. Auch in der Politik wurde dies ausdrücklich begrüßt. Umso größer ist jetzt die Enttäuschung, dass das 45.000 Euro teure Präventionsprojekt plötzlich zu scheitern droht. Der Grund ist ein überraschender Personalausfall im Jugendamt. „Die Situation ist angespannt, sonst würden wir ein Projekt nicht absagen“, sagt Thomas Langmesser, der Geschäftsbereichsleiter für Jugend, Soziales und Kultur. Derzeit versucht er Teile des Projekts zu retten. Ob dies gelingen kann, ist ungewiss.

Der jüngste Personalausfall in der Abteilung Erziehungshilfe verschärft den ohnehin spürbaren Fachkräftemangel. S

o fielen Langmesser „im Kernbereich des Jugendamts und in der Schulsozialarbeit auf Anhieb fünf vakante Stellen ein“, nicht zuletzt die Jugendamtsleitung. „Wir schöpfen aber alle Möglichkeiten aus, um das Projekt durchzuführen“, betont er. Doch manch andere Aufgabe habe einfach Vorrang und ließe sich nicht verschieben. Habe die Stadt etwa für Kinder, Jugendliche oder Familien notwendige Hilfen installiert, griffen dabei festgelegte Verfahren nach gesetzlichen Vorgaben – unabhängig von der Personalsituation.

Angebote für Schüler sollen noch gerettet werden

Verschieben lässt sich das Präventionsprojekt jedoch ebenso wenig. Denn die Förderung hängt an einem bereits erarbeiteten Gesamtkonzept. Es sieht vor, dass bereits diesen Monat erste Veranstaltungen beginnen, an dem Fachkräfte aus dem Jugendamt sowie Lehrer teilnehmender Schulen fortgebildet werden. Dies wird aus Personalmangel nicht stattfinden können. Thomas Langmesser hofft allerdings, dass die Projektteile erhalten bleiben können, die sich direkt an Schüler richten.

Die Zielgruppe sind geflüchtete junge Menschen sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund – unter anderem die Klassen für Deutsch als Zweitsprache. Sie bekommen Angebote, bei denen sie lernen, Konflikte ohne Gewalt und Aggressionen zu lösen. Mädchen lernen Selbstverteidigung und sich zu behaupten. Außerdem gehört Demokratiebildung und Wertevermittlung zu dem Präventionsprojekt. „Die Jugendlichen werden dabei sehr viel Spaß haben“, ist Langmesser überzeugt und wirbt für die Teilnahme.

Dass diese Angebote für Schülerinnen und Schüler stattfinden, dafür setzt er sich nun beim Fördermittelgeber, dem Landesjugendamt, ein. Denn diese Kurse werden von extern eingekauften Fachleuten durchgeführt und nicht von städtischen Mitarbeitern. Daher gibt sich Langmesser zuversichtlich, dass dem zugestimmt werde. „Aber ich kann das nicht verbindlich zusagen.“ So etwa sei ein offener Punkt, wie die Stadt Heiligenhaus ihren Eigenanteil an der Projektfinanzierung bezahlt – im genehmigten Konzept sollte dies durch Personaleinsatz abgegolten werden. Das ist nun nicht länger möglich.

Politik stellt Unterstützung in Aussicht

Unterstützung bei den Bemühungen, das Projekt noch zu retten, stellte die Politik am Dienstagabend im Jugendhilfeausschuss in Aussicht. „Wir würden sehr begrüßen, wenn es durchgeführt wird“, sagte Heinz-Peter Schreven (CDU) und schien damit auch die Meinung der übrigen Parteien zu treffen. Denn die dort geleistete Arbeit sei „zielführend und wirklich notwendig für die Kommune“, insbesondere für die Jugendlichen im Nonnenbruch und in der Oberilp.

Die Prävention sexualisierter Gewalt für die Schülerinnen und Schüler wird also voraussichtlich nicht am Kostenanteil der Stadt scheitern. Entscheiden muss darüber aber zunächst das Landesjugendamt.

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