Kultur

Papas Kriege vertont eindrucksvoll Feldpost früherer Tage

Laurent Varin, Zbigniew Moskal und Matthias Kuchta (von links)

Laurent Varin, Zbigniew Moskal und Matthias Kuchta (von links)

Foto: Alexandra Roth

Heiligenhaus.   Mit dem Stück ist die Neanderland Biennale auch in Heiligenhaus gestartet. Das internationale Theaterfestival gastiert zwei Mal in der Stadt.

Marschmusik hallt durch den Theatersaal des Clubs. Mit starrem Schritt eilt Schauspieler Zbigniew Moskal im Takt über die Bühne. Seine Muskeln sind bei jedem Schritt gespannt. Deutlich lockerer sieht Kollege Matthias Kuchta die kleine Parade, Luft-Trompete spielend wandelt er durch den Raum. Szenen wie diese aus dem Theaterstück ‘Papas Kriege’ fangen die schmale Gratwanderung zwischen Ernst und Heiterkeit perfekt ein. Diese wechselt sich auch in den originalen Feldpostbriefen aus den Weltkriegen ab, die von den Schauspielern im Rahmen der Neanderland Biennale vertont und verkörpert werden.

Ein ohrenbetäubender Mix aus elektronischer Musik, Schreien und Protestrufen lässt das Publikum zusammenzucken. Auf der Leinwand reihen sich Bilder mit Gewaltszenen im Sekundentakt aneinander. Plötzlich ist Schluss, nur noch ein fahles Licht erhellt die drei Schauspieler. Sie stehen starr auf der Bühne und sprechen über Kinder, die sich unter dem Bett vor Bomben verstecken müssen.

Die Spannung im Raum ist greifbar

Die Szenerie wechselt, ein Zug rollt als Projektion durch den Theatersaal, während Zbigniew Moskal, Laurent Varin und Matthias Kuchta ohnmächtig auf dem Boden liegen. Ohne viele Worte ist klar, dass diese Szene die Schrecken des Zweiten Weltkrieges einfängt. „Wenn ich aus den Träumen aufwache, ist immer Krieg“, zitiert Kuchta später in der Rolle eines Soldaten aus Feldpostbriefen, „diese Dinge wird man nie wieder vergessen.“ Im Publikum herrscht bedrückende Stille.

Die Spannung im Raum ist regelrecht greifbar. Aufgebrochen werden solche Momente immer wieder durch humorvolle Zwischenspiele, ohne jedoch den Ernst des Themas aus den Augen zu verlieren. Für den Mut, solche Grenzen aufzubrechen, wurde die Auftaktveranstaltung der Neanderland Biennale am vergangenen Samstag mit minutenlangem Applaus vom Publikum belohnt.

Mit Odysseus auf Reisen

Wie viele Biennale-Stücke ist ‘Papas Kriege’ eine länderübergreifende Kooperation und wurde extra für das Theaterfestival geschaffen. Hinter der Aufführung steckt Schauspieler Matthias Kuchta selbst. Denn viele der Briefe stammen aus der Feder seines Vaters oder Großvaters. Andere Stücke hingegen sind bereits bestehende Produktionen aus Polen, Deutschland oder Frankreich.

‘Papas Kriege’ ist das erste von insgesamt zwei Stücken, die im Rahmen des Theaterfestivals in Heiligenhaus gastieren. Die nächste Aufführung findet am Freitag, 21. Juli, statt. Dann zieht es die deutschen und französischen Schauspieler ins Freie. Der Schulhof des Immanuel-Kant-Gymnasiums wird zu einer Station auf Odysseus Reiseroute. Dieser zieht müde durch die Lande. Bei der Picknickgesellschaft um König Alkinoos legt er eine Pause ein und unterhält die Gäste im Gegenzug mit seinen Geschichten.

Diese scheint Odysseus so lebhaft zu erzählen, dass seine Mitmenschen plötzlich Teil der Abenteuer werden. Gemeinsam erkunden sie ein Reich voller Fantasie. Zuschauer, die die muntere Truppe auf ihrem Weg begleiten möchten, können dies ab 20 Uhr tun. Unter dem Motto ‘Betaal wat de häs’ kann jeder mit einer kleinen Spende den Eintrittspreis selbst bestimmen.

>>> SONDERAUFFÜHRUNG FÜR SCHULKLASSEN IN ERKRATH

  • Für Schulklassen gibt es am Montag, 3. Juli, in der Aula des städtischen Gymnasiums in Erkrath eine Sonderaufführung von Papas Kriege. Beginn ist um zehn Uhr, die Karten sind nur im Vorverkauf erhältlich.
  • Die Neanderland Biennale findet zum 23. Juli in allen zehn Kreisstädten statt. Das Programm gibt es auf waz.de/nebi.

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