Verkehr

Nicht alle freuen sich über die Heiligenhauser Autobahn

Nun hat die Stadt ab Freitag gleich zwei Ausfahrten mit Hetterscheidt und Heiligenhaus (an der Ratinger Straße).

Foto: Alexandra Roth

Nun hat die Stadt ab Freitag gleich zwei Ausfahrten mit Hetterscheidt und Heiligenhaus (an der Ratinger Straße). Foto: Alexandra Roth

Heiligenhaus.   Am Freitag wird der erste Teilabschnitt der A 44 eröffnet. Die Initiative gegen die Autobahn übt scharfe Kritik: Die Öffnung sei rechtswidrig.

Noch einen Tag wird es ruhig sein entlang der A 44 – am Freitag wird die Trasse zwischen Hetterscheidt und der Abfahrt Heiligenhaus an der Ratinger Straße für den Verkehr freigegeben. Doch nicht für alle ist dies eine gute Nachricht. Viele Kritiker gab es gegen den Bau, befürchtet werden nun nicht nur mehr Lärm und Einbruchskriminalität durch mobile Banden, sondern auch noch stärkerer Berufsverkehr an der Ratinger Straße.

Viele Jahre engagiert gegen den Bau der Autobahn zwischen Velbert und Ratingen hat sich die ‘Bürgerinitiative Ratingen Heiligenhaus Velbert gegen die A 44 / Dü-Bo-Do’. Die wundert sich nun über die Freigabe, schließlich liege „das für den Betrieb der Autobahn erforderliche wasserrechtliche Einvernehmen nach Kenntnis der Bürgerinitiative“ noch nicht vor. „Trotzdem soll rechtswidrig das Teilstück der Autobahn eröffnet werden“, so Jürgen Lindemann von der Bürgerinitiative.

Deckblattverfahren soll eingereicht werden

Die Wasserproblematik sei „immer ein großer Knackpunkt“ für das Teilstück gewesen. Die Deges hatte auf WAZ-Anfrage mitgeteilt, das dafür nötige Deckblattverfahren im April einreichen zu wollen – an dem Terminplan rund um das Planfeststellungsverfahren solle sich, so die Deges, nichts ändern.

Für die Initiative zeige sich hier erneut, „dass beim Bau der Autobahn die Einhaltung rechtlicher Vorschriften insbesondere zu Gunsten des Menschen-, Wasser- und Naturschutzes nicht immer ernst genommen wird“ und hinter den Interessen des Baus zurückbleibe. Jürgen Lindemann kreidet an, dass Waldstücke, die als besonders schützenswert galten, gerodet wurden für zusätzliche Baustraßen, keine erforderlichen Schutzmaßnahmen für den Steinkauz getroffen wurden und dass es zu Landverlust bei Bauern komme.

Autobahn zu nah an den Wohngebieten

Auch Anwohner und Ratsmitglied Karlheinz Sult aus dem Nonnenbruch hatte sich vor dem Spatenstich 2010 kritisch zur A 44 geäußert. „Als wir vor 40 Jahren hier hinzogen, da war noch von einer Halbabdeckung, einem möglichen Tunnel entlang der Wohngebiete die Rede“, erinnert sich Sult. Gegen das Projekt an sich spreche nichts, „ich sehe schon auch, dass wir eine Autobahn brauchen, Aber die Strecke verläuft einfach zu nah an den Wohngebieten, und das belegen auch Gutachten.“

„Ganz scharf kritisieren“, so führt Sult weiter aus, „muss ich letztendlich, dass der ehemalige Bürgermeister Dr. Jan Heinisch sich hier stets für die Interessen der Industrie eingesetzt hat, aber wenig Verständnis für die Bürger gezeigt hat.“ Das hätte man ausgeglichener machen können: „Heinisch hätte es in der Hand gehabt, sich für die Anwohner einzusetzen für bessere Bedingungen.“

Mehr Stau im Berufsverkehr

Sult ärgert, dass die Stadt sowie Straßen NRW die Anliegen der Betroffenen scheinbar nicht ernst genommen hätten: „Die Schallschutzwände sind absolut inakzeptabel. „Warum hat man keine begrünte Lösung gefunden? Ich finde das ist ein Affront gegen die Bürger.“ Doch Sult befürchtet nicht nur Lärm, Abgase und Abriebe, die der Südwest-Wind zu den Anwohnern transportiere, „wir müssen uns auch auf kriminelle Banden einstellen.“ Schließlich habe die Polizei stets betont, dass Heiligenhaus nicht so stark von Einbrüchen betroffen sei, da es keinen direkten Autobahnanschluss gebe.

Sult und Lindemann sind ebenfalls gespannt, wie sich der von der Autobahn auf die Ratinger Straße abfließende Verkehr entwickelt. „Das wird erheblich mehr Rückstau in der Hofermühle nach Homberg, aber auch Hösel geben“, fürchtet Sult. Auch die Bürgerinitiative befürchtet, dass die Verkehrsbelastung hier deutlich zunimmt. Beide werden dies „mit Interesse verfolgen.“

>>> ERÖFFNUNG AM FREITAG ÖFFENTLICH

  • Straßen NRW hat alle Anwohner und Interessenten zur feierlichen Eröffnung am morgigen Freitag, 13. April, eingeladen. Los geht es um 11.30 Uhr. Treffpunkt ist auf der Fahrbahn in Richtung Velbert von der Ratinger Straße aus, vor Ort gibt es Zuweiser.
  • Baustart zu dem gesamten Teilabschnitt von Hetterscheidt bis zum Kreuz Ratingen-Ost war im April 2010. Im Jahr 2015 sollte eigentlich schon der gesamte Abschnitt fertig sein. Wann das westliche Teilstück fertig sein wird, ist noch nicht absehbar.

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