Bauprojekt

Neues Wohnquartier in Citynähe soll Sozialwohnungen bekommen

Stadtplanerin Nina Bettzieche ist nun beauftragt, beim Investor des neuen Wohnquartiers nachzuverhandeln.

Stadtplanerin Nina Bettzieche ist nun beauftragt, beim Investor des neuen Wohnquartiers nachzuverhandeln.

Foto: Ulrich Bangert

Heiligenhaus.  Auf dem früheren Kini-Gelände sollen 100 Wohneinheiten entstehen. Die Politik will dort einige Sozialwohnungen, nur die CDU wehrt sich dagegen.

Ein neues Wohnquartier soll in Innenstadtnähe auf dem früheren Firmengelände von Kiekert & Nieland (Kini) entstehen. Dieses Projekt hat nun der Stadtrat entscheidend vorangetrieben und den Bebauungsplan beschlossen. Zuvor kam es jedoch zum Streit zwischen der CDU und den übrigen Fraktionen. Dabei ging es um künftige Sozialwohnungen, und dieser Disput wurde mit überraschend harten Worten geführt.

Der Investor EGA Bau plant zwischen Südring, Herzogstraße, Jahnstraße und Wülfrather Straße rund 100 Wohneinheiten. Die Opposition wünscht sich, dass dort auch öffentlich geförderte Wohnungen gebaut werden. Dagegen hat sich in der jüngsten Ratssitzung die CDU als größte Partei entschieden gewehrt. So hält der Fraktionsvorsitzende Ralf Herre die Heiligenhauser Stadtteile bisher für gut mit Arm und Reich durchmischt und fürchtet, dass Sozialwohnungen dies gefährden: „Wir wollen auf gar keinen Fall durch Umzüge Ghettos schaffen.“

„Ghettos der Wohlhabenden“ verhindern

Diese Haltung griffen die Grünen scharf an: „Ich verwahre mich dagegen, dass wir dort, wo sozialer Wohnungsbau ist, sofort ein Problemviertel haben“, sagte deren Fraktionschefin Beate-Marion Hoffmann und erhielt Schützenhilfe von anderen Parteien. So sieht Stefan Okon (WAHL) keine ausreichende Durchmischung der Bevölkerung in der Stadt – und ohnehin wolle er weder in der Stadtmitte noch in anderen Ortsteilen „Ghettos der Wohlhabenden“. Er erinnerte zudem daran, dass der Investor bislang keine Aussagen über die Miethöhe der geplanten Wohnungen gemacht habe. „Alle Bauvorhaben sollten eine Quote von mindestens 30 Prozent öffentlich geförderten Wohnungsbau haben.“

Diese Quote habe seine Partei schon lange gefordert, ergänzte der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Kramer, betonte jedoch, dass er diese als Zielvorgabe sehe, die nicht für alle Bauprojekte verbindlich vorgeschrieben werden solle. Als Replik auf die Aussagen von Ralf Herre entgegnete Kramer, indem man „in allen Stadtteilen Sozialwohnungen mit einmischt, verhindert man eine Ghettoisierung.“

Wohnungsnot hat die Mitte der Bevölkerung erreicht

Diese Einschätzung bestätigt der Deutsche Mieterbund Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Düsseldorf. „Quoten führen zu einer gesunden Durchmischung“, sagt die Geschäftsführerin Silke Gottschalk. „Dass durch sozialen Wohnungsbau ein Ghetto entsteht, das ist völliger Unsinn.“ Denn die „Wohnungsnot ist in der Mitte der Bevölkerung angekommen“, inzwischen habe in Großstädten wie Düsseldorf oder Köln jeder zweite Haushalt Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. Davon betroffen seien junge Familien, Handwerker, Rentner, Studenten, Auszubildende und Geringverdiener. „Das ist also längst kein Randproblem mehr“, betont Gottschalk.

Dass auf dem ehemaligen Kini-Gelände Sozialwohnungen gebaut werden, könne man dem Investor aber nicht vorschreiben, stellte der Technische Dezernent Andreas Sauerwein in der Ratssitzung klar, denn „der städtebauliche Vertrag ist schon genehmigt worden“. Daher beauftragten SPD, Grüne, WAHL und FDP die Stadtverwaltung gegen die Stimmen der Christdemokraten, mit dem Investor zu sprechen, ob er in dem Bauprojekt eine Sozialwohnungsquote von 30 Prozent berücksichtigen wolle.

Investor denkt über Sozialwohnungen nach

„Das Gespräch ist bereits terminiert“, sagt Stadtplanerin Nina Bettzieche im Gespräch mit der WAZ. „Der Investor ist nicht abgeneigt, die Forderung zu erfüllen.“ Auch habe er ein Interesse an seniorengerechten Wohnungen signalisiert. Bettzieche gibt aber zu bedenken, dass der Investor ohne eine solche Quote geplant habe und dass Sozialwohnungen eigene Grundrissvorgaben hätten. Wenn jetzt viel umgeplant werden müsse, könne sich das auf die Baukosten auswirken. „Falls die Baukosten explodieren“, so Bettzieche, „werden die Mieten natürlich teurer.“

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