Solidarität

Netzwerk „Bürgerhilfe-Heiligenhaus“: Hilfe jeglicher Art

Miriam ten Eicken und Raj Kesavan sind sich einig: In Zeiten von Corona kann das Hilfsangebot für bedürftige Bürger nicht groß und vielseitig genug sein.

Miriam ten Eicken und Raj Kesavan sind sich einig: In Zeiten von Corona kann das Hilfsangebot für bedürftige Bürger nicht groß und vielseitig genug sein.

Foto: Oliver Müller / Oliver Müller / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  Bürger für Bürger – in Heiligenhaus wird Solidarität besonders groß geschrieben. Es gibt unzählige Hilfsprojekte, die nun gemeinsame Sache machen.

Raj Kesavans Ziel ist eigentlich ganz bescheiden: „Ich möchte einfach nur die Welt retten“, erklärt der 32-jährige lachend, „ich will, dass es den Menschen um mich herum gut geht, ich will ein wenig von meinem persönlichen Glück und Erfolg zurückgeben. Ich will in der Not helfen.“ Der gebürtige Inder strahlt seinen Freund Yassin El Allaoui an. „Ach was, nicht ich will in der Not helfen – wir wollen das“. Und weil das so ist, soll nun das Netzwerk „Bürgerhilfe Heiligenhaus“ entstehen, das umfangreiche Hilfsangebote für bedürftige Bürger in der Coronakrise bietet. Eine zentrale Telefonnummer steht für Anfragen aller Art zur Verfügung.

Die alte Dame, die das Haus für einen Einkauf nicht mehr verlässt, der erkrankte Herr, der unbedingt sein Rezept eingelöst haben muss, niemand ist da, der den Hund ausführen könnte – in all diesen Fällen kann ab sofort die zentrale Nummer Tel. 0157/33147198 angerufen werden. „Wir nehmen die Anfrage detailliert auf und posten sie in unserer Whatsapp-Gruppe. Dort sind alle drin, die sich in irgendeiner Weise einbringen möchten“, erläutert Raj Kesavan weiter, „und das sind ziemlich viele“.

Frisches Obst- und Gemüse bis vor die Haustür

Eine von ihnen ist auch Miriam ten Eicken vom Obst- und Gemüseladen an der Hauptstraße. Bereits jetzt bietet sie den Service an, Ware zu bringen – wer sich bis 14 Uhr telefonisch gemeldet hat, wird per Auto mit den gewünschten Bananen, Kohlrabi oder Kartoffeln beliefert, Tochter Amelie fährt. „Ich stelle die Ware vor die Tür und klingele. Im Gegenzug legen die Kunden das Geld abgezählt im Briefumschlag auf die Fußmatte“, erklärt die 18-Jährige, während sie gemeinsam mit Helfer Paul eine große Gemüsekiste auf der Fahrzeugrückbank abstellt. Noch seien die Fahrten, die teilweise sogar zu Stammkunden in Velbert, Essen oder Ratingen gehen, zu meistern, erklärt Miriam Ten Eicken, vermutet aber, dass die Nachfrage nun permanent steigen wird. Durch den Beitritt in das Gemeinschaftsnetzwerk „Bürgerhilfe Heiligenhaus“ wird das aber wohl kein Problem werden, bereits jetzt haben sich zahlreiche Netzwerkmitglieder bereit erklärt, sich an den Auslieferungsfahrten zu beteiligen.

Hilfe rund um den Hund möglich

Unterstützung ganz anderer Form bietet die Hundetagesstätte „PerroCasa“ (die WAZ berichtete). Deren Betreiber Alex Mey ist ebenfalls Mitglied des Netzwerks und möchte bei Themen rund um den Hund helfen und unterstützen, etwa dann, wenn Coronavirus-gefährdete oder erkrankte Bürger nicht mehr Gassi gehen können oder vielleicht sogar ins Krankenhaus müssen.

Auch die Heiligenhauserin Daniela Schaefers hatte – nachdem sie einen TV-Bericht aus Hamburg gesehen hatte – die Idee, unbürokratisch ihre Hilfe anzubieten und richtete kurzerhand eine Facebookseite ein „Hilfe in der Coronakrise Heiligenhaus“ ein (die WAZ berichtete). „innerhalb weniger Stunden hatte ich rund 60 Mitglieder, die ebenfalls helfen wollten“, freut sich Daniela Schaefers, „und da sind nicht nur Leute, die sowieso unendlich viel Zeit haben, viel arbeiten noch oder haben andere Verpflichtungen. Aber Zeit zum Helfen sollte immer da sein.“ So bietet etwa eine junge Mutter mit Säugling und ohne Auto an, kleinere Einkaufsgänge erledigen zu können. Auch diese Hilfsgruppe hat sich jetzt dem Netzwerk angeschlossen.

Und auch Elena Eischeid wird sich rege einbringen: Seit Jahren ist die Heilighauserin aus dem Nonnenbruch aktiv in der Nachbarschaftshilfe, sammelt Spenden und versorgt bedürftige Menschen und Tiere, verfügt über ein kleines Lager. „Elena hat unglaublich viel Erfahrung“, schwärmt Raj Kesavan, „das hilft natürlich sehr“. Dabei sind auch der junge Familienvater und sein Mitstreiter Yassin keine Neulinge in der aktiven Nächstenliebe, beide haben 2015 aktive Hilfe in der Flüchtlingskrise geleistet, Kesavan ist Vorstandsmitglied beim Bürgerverein Wassermangel.

Pferdewirtin hilft bei Grundversorgung im Stall

Und dann ist da noch Manuela Stadtfeld: Die gelernte Pferdewirtin und mobile Reitlehrerin lebt ebenfalls in Heiligenhaus und möchte all denen gern helfen, die nicht mehr in der Lage sind, ihr eigenes Pferd oder gerne auch andere Tiere zu versorgen. „Das kann die Fütterung sein, die tägliche Bewegung, alles rund um die Grundversorgung“, informiert Manuela Stadtfeld – die außerdem noch einen Lieferservice für hochwertiges Hunde- und Pferdefutter anbietet und über theoretischen Reitunterricht per Video nachdenkt (in diesen Bereichen bitte direkt kontaktieren unter 0152/08515446).

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben