Kreißsaal

Natürlich und trotzdem sicher gebären

Der hebammengeleitete Kreißsaal im Klinikum Niederberg war vor fünf Jahren der erste in NRW.

Der hebammengeleitete Kreißsaal im Klinikum Niederberg war vor fünf Jahren der erste in NRW.

Foto: WAZ

Kreis Mettmann.   Im hebammengeleiteten Kreißsaal bleiben Ärzte zur medizinischen Versorgung im Hintergrund, hier haben die Hebammen das Sagen. Das Klinikum Niederberg eröffnete vor fünf Jahren den ersten in NRW.

Viele Kinder haben hier das Licht der Welt erblickt – nun feiert der hebammengeleitete Kreißsaal am Klinikum Niederberg selbst schon seinen fünften Geburtstag. Seine offizielle Geburtsstunde ist der 8. August 2008, damals übrigens als erster hebammengeleiteter Kreißsaal in ganz Nordrhein-Westfalen. Seither wurde dieses Zusatzangebot zum ärztlich geführten Kreißsaal sehr gut angenommen.

Viele werdende Mütter empfinden die Geburt als ein zutiefst intimes Erlebnis, bei der sie sich die Unterstützung einer erfahrenen traditionellen Hebamme wünschen, die sie während der Geburt nach allen Regeln unterstützt. Mit der notwendigen medizinischen Versorgung im Hintergrund können sie sich jederzeit geborgen fühlen: Im Notfall ist sofort ein Arzt für sie da.

Wünsche der Mütter im Mittelpunkt

Hier sollte auch der kleine Clemens (3190 Gramm, 52 cm) das Licht der Welt erblicken, erzählt Jennifer Dieselhorst. Doch kurz vor der Geburt traten Komplikationen auf, die einen Kaiserschnitt erforderlich machten. „Eine Geburt ist etwas sehr persönliches“, betont die junge Mutter, „ich hätte es als sehr wohltuend und entspannend empfunden, unser Kind nur im Beisein meines Mannes und meiner Hebamme zu bekommen.“ Bei Clemens war der Kaiserschnitt unumgänglich. „Das war jedoch auch kein Problem. Es war ein beruhigendes Gefühl, dass in dieser Situation ein Arzt da ist. Jeder wusste sofort, was er zu tun hatte und wo sein Platz war. Aus meiner Erfahrung als Hebamme weiß ich, dass das nicht immer so ist.“

Chefarzt Dr. Gerd Degoutrie vom Klinikum Niederberg begrüßt diese erweiterte Möglichkeit im eigenen Haus und fördert diese. „Durch zunehmende Standardisierung der medizinischen Geburtshilfe ist ein großer Teil Individualität bei den Geburten verloren gegangen. Die Wünsche der werdenden Mütter müssen wieder stärkere Berücksichtigung finden, darum ist das Klinikum Niederberg schon lange bemüht“, erklärt er.

Im hebammengeleiteten Kreißsaal betreuen ausschließlich Hebammen gesunde Frauen in der Schwangerschaft, während und nach der Geburt sowie im Wochenbett. Mindestens zwei Hebammensprechstunden sind notwendig, um abzuklären, ob eine Schwangere in der Lage ist, auf diese Weise zu entbinden. Voraussetzung ist eine gesunde und komplikationsfreie Schwangerschaft und der Wille dazu, selbstbestimmt das Kind auf die Welt zu bringen. „Ich bin selber Hebamme und weiß, was Hebammen können. Die Entbindung in einem hebammengeleiteten Kreißsaal ist so angenehm und entspannend, weil man sehr viel Privatsphäre hat. Es sind kaum Menschen anwesend, die man nicht kennt, und es wird individueller auf Wünsche eingegangen“, berichtet Jennifer Dieselhorst begeistert. Sie ist sich sicher: „Die Möglichkeit des hebammengeleiteten Kreißsaals bietet eine gute Alternative zur Hausgeburt, bei der im Fall von Komplikationen möglicherweise viel wertvolle Zeit mit dem Transport in eine Klinik verloren geht.“

Informationen zum hebammengeleiteten Kreißsaal und Anmeldungen am Klinikum Niederberg unter 02051/982-1704, Mail an kreisssaal@klinikum-niederberg.de, Internet: www.klinikum-niederberg.de.

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