Preiswerter Wohnraum

Nächster Schritt für städtische Wohnungsbaugesellschaft

Unter anderem auf dem Dörrenhaus-Gelände soll öffentlich geförderter Wohnungsbau entstehen.

Unter anderem auf dem Dörrenhaus-Gelände soll öffentlich geförderter Wohnungsbau entstehen.

Foto: Hans Blossey

Heiligenhaus.  Gespräche zur Gründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft in Heiligenhaus werden konkret. Doch noch gibt es einiges zu klären.

Bereits vor rund drei Jahren hat der Rat der Stadt die Gründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft beschlossen – doch noch ist dieses Vorhaben nicht umgesetzt worden. Allerdings bewegt sich nun etwas: Wie Björn Kerkmann, Erster Beigeordneter und Kämmerer der Stadt Heiligenhaus, schildert, befindet sich die Verwaltung in intensiven Gesprächen mit PD Berlin, einem Beratungsunternehmen für die öffentliche Hand. „Das nächste Treffen soll vor der Berliner Sommerpause erfolgen“, so Kerkmann. Jedoch dämpft er gleich die Hoffnung, dass alles ganz schnell gehen könnte.

Betrachtungszeitraum liegt bei 20 bis 30 Jahren

Dafür gebe es aber gute Gründe: „Unser Ziel ist die Gründung einer Wohnungsbaugesellschaft unter Berücksichtigung aller wirtschaftlichen Gesichtspunkte und Fördermittel.“ Dabei liege der Betrachtungszeitraum bei 20 bis 30 Jahren, weswegen die sorgfältige Prüfung eines Konzeptes vonnöten sei und ein wasserdichter Business-Plan aufgestellt werden müsse. „Da müssen wir auch als Stadt unsere Hausaufgaben erledigen und Punkte wie Gewinn-Verlust-Rechnung und Rentabilität berücksichtigen – aber auch beispielsweise, welche Grundstücke wir als Stadt einbringen könnten oder welche Flächen für den sozialen Wohnungsbau, aber auch für den freifinanzierten Wohnungsbau vorgesehen sein könnten.“

Die Frage sei zudem, ab wie vielen zu errichtenden Wohneinheiten sich das Ganze lohne. Denn einfach ins Blaue hinein könne man eine solche Wohnungsbaugesellschaft nicht initiieren – auch wenn die Mittel von 25.000 Euro für die dafür notwendige Gründung einer GmbH schon längst im Haushalt eingestellt sind. Doch ansonsten könne die Stadt nicht mit dem Geld wuchern. „Unser Eigenkapital der Stadt beträgt nur rund 3,6 Millionen Euro. Wenn das Geld weg ist, sind wir in der Überschuldung. Dann geht gar nichts mehr“, meint Kerkmann. Und: „Eine Wohnungsbaugesellschaft kann nur realisiert werden, wenn sich diese rechnet und es für die Stadt nachher kein Zuschussgeschäft wird“.

Nicht nur für sozialen Wohnungsbau zuständig

Kerkmann betont auch, dass eine städtische Wohnungsbaugesellschaft nicht nur für sozialen Wohnungsbau, sondern durchaus auch für „preisgedämpftes sowie für alters- und behindertengerechtes Wohnen“ zuständig sei. „Diesen Mix müssen wir hinbekommen, insbesondere in Verbindung mit freifinanziertem Wohnraum.“ Sollten die Gespräche mit PD Berlin dann auch ergeben, dass das Vorhaben im vorhandenen Rahmen wirtschaftlich darstellbar sei, könne die Gesellschaft tatsächlich zügig gegründet werden – aber eben nur dann.

Eine rasche Umsetzung der städtischen Wohnungsbaugesellschaft würde sich auch die Heiligenhauser SPD wünschen, die dazu unlängst eine Presseerklärung veröffentlicht hat. „Die Stadt Heiligenhaus hat in den letzten Jahren einige neue Wohngebiete entwickelt. Entstanden sind fast ausschließlich Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen. Vernachlässigt wurde hingegen der Bau von Sozialwohnungen und preisgünstigen barrierefreien Mietwohnungen, auf die vor allem zahlreiche Senioren angewiesen sind“, so Peter Kramer, Fraktionsvorsitzender der SPD Heiligenhaus.

„Wir haben hohen Bedarf an preisgünstigem Wohnraum“

Zwar gibt es natürlich auch in Heiligenhaus öffentlich geförderten Wohnungsbau, der unter anderem auf dem Dörrenhaus-Gelände entstehen soll beziehungsweise derzeit vom Spar- und Bauverein an der Oppelner Straße sowie an der Hauptstraße/Ecke Schulstraße errichtet wird. Doch zahlreiche Beispiele örtlicher Wohnungsbaugesellschaften in den Städten in der Region zeigten, dass diese in der Lage seien, nicht nur preiswerte Wohnungen zu bauen und dauerhaft im Bestand zu halten, sondern auch eine angemessene Rendite erwirtschaften könnten.

Dem stimmt der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Ingmar Janssen zu: „Wir haben einen hohen Bedarf an preisgünstigem, aber auch an altersgerechtem Wohnen.“ Quantifizieren könne er den Bedarf zwar nicht, doch: „Auch wenn beispielsweise 75 Prozent der Rentner ein ordentliches Einkommen haben, kann es nicht sein, dass sie für eine barrierefreie Wohnung dreimal so viel Miete zahlen sollen.“ Auch mangele es etwa an preisgünstigem Wohnraum für junge Familien: „Deshalb darf das städtische Korrektiv bei einer Wohnungsbaugesellschaft nicht fehlen“, so Janssen.

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