Umbau

Kiekert-Verwaltungsgebäude wird Bildungshaus

Blick vom verglasten Treppenhaus auf den Panoramaradweg. Die Bücherei erhält eine Terrasse. Foto: Heinz-Werner Rieck

Blick vom verglasten Treppenhaus auf den Panoramaradweg. Die Bücherei erhält eine Terrasse. Foto: Heinz-Werner Rieck

Heiligenhaus.   Mäzenin Alice Thormählen finanziert den Umbau. Stadtbücherei, Schülerlabore und Büros auf rund 1400 Quadratmetern. Moderne Raumarchitektur und der Charme der Fünfziger Jahre.

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Es herrscht ein stetes An- und Abfahren von Container-Lastern auf dem Gelände des alten Kiekert-Verwaltungsgebäudes. Weitere Arbeiten im Rahmen des Campus-Baus – könnte man meinen. Aber mit der Hochschule Bochum hat das Ganze nur mittelbar etwas zu tun. An der Kettwiger Straße entsteht das „Thormählen-Bildungshaus“. Ab dem Frühjahr 2017 sollen dort die Stadtbücherei, Schülerlabore, ei n Multifunktionsraum sowie Startup-Unternehmen ihren Platz finden.

Unternehmerin Alice Thormählen, die sich immer wieder für Jugend- und Bildungsprojekte in der Stadt engagiert, hat im vergangenen Jahr das einzig übriggebliebene Gebäude der früheren Kiekert-Fabrik erworben. Andeutungen, welche Pläne der Mäzenin für das Haus vorschweben, hatte Bürgermeister Dr. Jan Heinisch bereits bei der Einweihung des Campus-Rohbaus im August 2015 gemacht. Inzwischen sind die Ideen in konkrete Pläne gefasst worden, teilt Baubetreuer Gregor Todesco mit. Das Velberter Architekturbüro Schönborn + Hölscher hat in der zweiten Januarwoche mit dem Umbau begonnen.

Holzvertäfelung in den Chefbüros

Das gelb verklinkerte Gebäude wurde 1957 errichtet und diente bis zum Umzug des Schloss- und Beschlägeherstellers im Jahr 2007 zum Höseler Platz als Verwaltungsgebäude. Dort saßen unter anderem die Chefs des weltweit operierenden Unternehmens – davon zeugen noch einige holzvertäfelte Büroräume (sogar mit eingebautem Tresor). „An der Decke sind aufwendige Stuckarbeiten zu sehen“, erklärt Architekt Raimund Hölscher bei einem Rundgang mit der WAZ.

Staub liegt in der Luft. In wenigen Tagen werden hier wie schon in den anderen Räumen die Arbeiter den Boden herausreißen und die Wände herausnehmen. Berge von Säcken mit Dämm-Material türmen sich vor den Treppenstufen, Fensterrahmen und Gesteinsbrocken sowie Metallschrott füllen die Container. „Das Gebäude wird entkernt bis auf den nackten Stahlbeton und anschließend innen auf den neuesten Stand gebracht.“ Eine neue Heizungsanlage (sie war damals mit den anderen Fabrikgebäuden verbunden) muss eingebaut werden. Gedacht ist an eine Luft-Wärme-Pumpe mit Fußbodenheizung. Ob eine Photovoltaikanlage auf das Dach kommt, werde derzeit noch von der Statik geprüft, berichtet der Architekt.

Das äußere Gewand bekommt später ebenfalls eine energetische Frischzellenkur – der architektonische Charme der Spätfünfziger mit feinen Geländern, klaren Fensterformen und einer dann neu verklinkerten Fassade soll aber erhalten bleiben.

Glas und Stein als Hingucker

Insbesondere das rundverglaste Treppenhaus zum Panoramaradweg hin soll in neuem Glanz erstrahlen. Innen sind denn auch die Stufen der bis ins zweite Stockwerk führenden Wendeltreppe sorgsam abgedeckt. Ebenso der Steinfußboden in der Eingangshalle, die das lichtdurchflutete Entree für die Stadtbücherei, die Schülerlabore und einen Mehrzweckraum bilden soll. Architektonische Zeitzeugen wie eben der Fußboden und auch alte Heizkörper sollen aufgewertet werden. „Das Gebäude hat etwas Besonderes“, findet Architekt Hölscher. Altes soll neben Neuem stehen. So verbindet ein verglaster Aufzug alle Etagen miteinander und garantiert den barrierefreien Zugang.

Auf den beiden oberen Geschossen sind 750 qm für Büros vorgesehen. Bei der Raumgestaltung richte man sich nach den Bedürfnissen der Mieter, erklärt Raimund Hölscher. „Die Raumhöhe mit gut drei Meter fünfzig bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten.“ Es gebe bereits einige Anfragen für die Büros, bestätigt Hölscher.

Denkbar wären Dienstleister, Start-up-Unternehmen aber auch Professoren des Campus Velbert-Heiligenhaus, die Platz für bestimmte Studienprojekte benötigen. „Häufig ist die Belegung in Universitäten ja festgelegt und bietet wenig Spielräume“, weiß Bürgermeister Dr. Jan Heinisch, der mit Gregor Todesco und Raimund Hölscher die Ideenentwicklung für das Thormählen-Bildungshaus vorantreibt.

Terrasse für Leseratten

Die Fertigstellung des Bildungshauses an der Kettwiger Straße ist für März 2017 vorgesehen. Als erstes wird im Untergeschoss auf zwei Ebenen die Stadtbücherei ihr neues Domizil beziehen. Auf 450 qm bietet sie dann durchaus stadtnah, wie Büchereileiterin Andrea Einig findet, alles, was das Leseherz begehrt. In enger Abstimmung mit dem Bauherrn sei ein Konzept entwickelt worden, um die bisher auf 538 qm untergebrachten Medienmengen auf einer verkleinerten Fläche präsentieren zu können.

„Uns wird das Lesecafé fehlen“, sagt Einig. Stattdessen steht der Bücherei für Veranstaltungen ein Multifunktionsraum zur Verfügung. Dieser wird aber ebenfalls durch ein Innovationscenter für junge Informatik-Forscher (in Ergänzung zu den 110 qm umfassenden Schülerlaboren) belegt sein.

Andererseits bekommt die Bücherei mehr Aufenthaltsqualität. Das Niveau des Erdbodens wird abgesenkt. Dadurch entsteht eine Ebene direkt zum Panoramaradweg. „Die Bücherei erhält eine Terrasse“, kündigt Architekt Hölscher an. Worüber sich Andrea Einig freut – und auf neue Nutzergruppen hofft, die als Radfahrer und Spaziergänger gerne einen Zwischenstopp in der Bücherei einlegen.

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