Natur- Artenschutz

Jäger hegen die Singvögel auf dem Friedhof in Heiligenhaus

Alles in Ordnung: Melina Leinemann 9, Tochter des Hundeobmanns vom Hegering Heiligenhaus,  kontrolliert einen Nistkasten auf dem Friedhof.

Alles in Ordnung: Melina Leinemann 9, Tochter des Hundeobmanns vom Hegering Heiligenhaus, kontrolliert einen Nistkasten auf dem Friedhof.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  Die Jäger des Hegerings Heiligenhaus-Hösel pflegen die Nistkästen auf dem Friedhof. Dabei greifen sie auch schon mal zum Bunsenbrenner.

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„Jetzt ist dieser Kasten wieder bezugsfähig“, stellt Julia Walter fest und macht einen Haken in ihrer Liste. Auf der sind 71 Nistkästen verzeichnet, die in den Bäumen des städtischen Friedhofes verteilt sind. Seit etlichen Jahren kümmert sich der Hegering Heiligenhaus-Hösel um die Pflege der Vogelbehausungen. In drei Gruppen teilten sich die Jäger zwischen den Gräbern der Ruhestätte an der Friedhofssallee auf. Statt einer Flinte hatten die Waidmänner und -frauen sich mit Leiter, Spachtel, Hammer, Nägel und einen Gasbrenner bewaffnet.

Feuer vernichtet Milben

Julia Walter, die Obfrau für den Naturschutz, begleitet Hans Teichmann und Eric Schneider, der flugs die Sprossen hochsteigt und einen Nistkasten öffnet. „Der war besetzt“, meldet er der Protokollantin und nimmt ein viereckiges Kissen aus Moos heraus, das er an Hans Teichmann hinunterreicht. Mit dem Spachtel kratzt er Verunreinigungen raus, anschließend wird der Bunsenbrenner entzündet. Das Innere der Vogelbehausung taucht er kurzfristig in ein Flammenmeer, gerade so, dass das Holz nicht anbrennt. „Das machen wir, damit Milben und anderes Krabbelgetier vernichtet werden“, erklärt der Jungjäger und schließt den Kasten.

Nistkästen sind für Meisen bestimmt

Bevor im Frühjahr die ersten Vögel einziehen, erfolgt nochmal ein kurze Kontrolle. „Manchmal überwintern Bilche in den Kästen“, so die Erfahrung von Hans Teichmann, Obmann für den Lernort Natur. In den Kästen nisten ausschließlich Meisen. „Die Vogelart wird durch die Größe des Einflugloches bestimmt.“ „Nach Möglichkeit zeigen die Öffnungen nach Südosten, dann sind sie vor Regen und Hitze geschützt“, ergänzt Hans Teichmann und begründet, warum sich der Hegering um die kleinen Vögelchen kümmert: „Wir Jäger engagieren uns für die Natur und alle Lebewesen darin.“ Aus diesem Grund stellen sich die Jäger jedes Jahr beim Stadtfest vor, informieren nicht nur über das heimische Wild, sondern basteln mit den Kindern Hotels für Wildbienen.

Wildschweine sind eine Herausforderung

Das Trio räumt mit dem Klischee der herumballernden Schützen auf: „Wir betreiben Hege mit der Büchse, wir regeln die Populationen des Wilds, damit es nicht im Wald zu Schäden durch zu viele Tiere kommt.“ Eine große Herausforderung stellen die immer stärker wachsenden Wildschweinbestände dar. „Da es keine richtigen Winter mehr gibt, gibt es Nachwuchs das ganze Jahr über. Die Wildschweine sind schon ganz in der Nähe, irgendwann laufen sie hier über den Friedhof“, so seine Befürchtung. Selbstverständlich kann man in eigenen Garten einen Nistkasten aufhängen.

Keine Kästen mit Stangen

„Aber bitte nicht die Modelle aus dem Discounter oder dem Baumarkt mit der Stange vorne dran. Das sieht süß aus, ist aber falsch verstandene Tierliebe“, warnt Julia Walter. „Auf eben jene Stange setzen sich Elstern oder Eichhörnchen, die von dort gemütlich das Nest leerräumen können.“ Die junge Jägerin ist durch ihren Vater an das Hobby gekommen und von dem begeistert, was angehende Jagdscheinbesitzer alles lernen müssen: „Die Jägerprüfung wird nicht umsonst als das `grüne Abitur´ bezeichnet.“

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