Kinderlähmung

Hetterscheidter Grundschüler kämpfen eifrig gegen Polio

Die Klasse 3b der Tersteegen-Schule in Heiligenhaus ist in diesem Schuljahr für die Sammlungder Plastikdeckel verantwortlich. Ihre Schüler zeigen stolz die Ausbeute der vergangenen Wochen

Die Klasse 3b der Tersteegen-Schule in Heiligenhaus ist in diesem Schuljahr für die Sammlungder Plastikdeckel verantwortlich. Ihre Schüler zeigen stolz die Ausbeute der vergangenen Wochen

Foto: Uwe Möller

Heiligenhaus.   Tersteegen-Grundschüler sammeln zigtausende Plastikdeckel. Mit dem Geld für diesen Rohstoff werden Polio-Impfungen für arme Kinder finanziert.

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Es ist eine kleine Geste, sie kann aber Leben retten und ist an der Gerhard-Tersteegen-Grundschule ein Riesenerfolg. Die Kinder sammeln Deckel von Flaschen und Tetrapacks und helfen damit anderen, dass sie nicht an Kinderlähmung erkranken. Denn das Plastik wird verkauft und vom Erlös werden in armen Ländern Impfungen bezahlt.

Seit gut einem halben Jahr läuft diese Sozialaktion jetzt schon an der Hetterscheidter Schule, „und bestimmt alle drei Wochen haben wir einen Riesensack, einen Müllsack voll“, sagt Schulleiterin Katrin Jensen. Seither vergehe kein Tag, an dem die Schüler nicht etwas in die extra aufgestellten Sammelbehälter werfen. „So ein großer Kasten ist spätestens nach einer Woche gefüllt“, weiß Jensen, die in ihrem Büro nun aus den Klassenräumen sehr häufig das Klacken und Klappern hört, wenn die Schüler ihre Ausbeute auskippen und umfüllen.

Säckeweise lagert die Klasse 3b, die in diesem Schuljahr Deckelkastendienst hat, alle Schraubverschlüsse im Keller. Wenn er dann rappelvoll ist, holen Helfer vom Rotary Club die Deckel ab und bringen sie zu einer offiziellen Sammelstelle. Diesmal hat Helga Schulze Neuhoff von der Frauenvereinigung Inner Wheel, die diese Sammelaktion Schulleiterin Jensen vorgeschlagen hatte, zwei starke Helfer mitgebracht. Die beiden gehören zum Rotaract Club, der Rotary-Jugendorganisation.

500 Deckel reichen für eine Impfung

Stolz präsentieren die Grundschüler der 3b den Besuchern ihre prallen Müllsäcke, kippen einige aus und fahren mit den Händen durch die Schraubdeckel, als wären sie ein großer Schatz. „Wie viele Deckel haben wir?“, fragt ein Kind. 500? 1000? „Nein, viel, viel mehr“, sind sich alle einig.

Tatsächlich zähle die Schule die Ausbeute nicht immer, sagt Jensen, „aber die Zahl ist bestimmt fünfstellig“. Und ein Ende ist nicht in Sicht, denn längst haben die Teerstegen-Schüler auch ihre Familien und Freunde überzeugt, mitzuhelfen. Schließlich ergeben 500 der Plastikdeckel ein Kilo, dessen Rohstoffe bei Recycling-Firmen genug einbringen, um eine Polio-Impfung zu bezahlen. „Die Kinder machen ganz ohne Belohnung mit, nur für die gute Tat“, freut sich Katrin Jensen, außerdem noch über einen schönen Nebeneffekt: „Sie trinken über den Tag viel mehr, weil sie möglichst viele Deckel spenden wollen.“ Dank der Gesundheitsförderung an der Schule würden die Kinder allerdings vor allem Wasser trinken statt Zuckerlimonade.

Der Rotaract Club Velbert, der auch für Heiligenhaus zuständig ist, ist ebenfalls hochmotiviert. „Wir führen ein Duell gegen Duisburg und Düsseldorf“, sagt Julian Pringmann. Die drei Jugendclubs haben gewettet, dass sie bis April die meisten Deckel sammeln; der Verlierer muss einen Grillabend ausrichten. Nicht zuletzt dank der Hilfe der Tersteegen-Schüler gibt sich Pringmann siegessicher.

Virus greift Nervenzellen an und kann zum Tod führen

Gewonnen haben durch die Aktion jedoch vor allem die Kinder, denen die Impfungen zugute kommen. „Das Polio-Virus kommt weltweit vor, gilt aber in Deutschland als ausgerottet“, sagt Dr. Alexander Nordhues, der leitende Oberarzt der Kinderklinik im Helios-Klinikum Niederberg. Die Krankheit breche jedoch in Ländern immer wieder aus, wo Hygienemindeststandards nicht gegeben sind. Gut 90 Prozent der Infizierten würden davon zwar nichts merken, weil sie keine Symptome haben. Doch gefährlich ist es für die übrigen: „Das Virus greift die Nervenzellen an, die für die Motorik zuständig sind.“ Es könne zu schweren Lähmungen an Armen und Beinen führen. In besonders schlimmen Fällen, weiß Nordhues, sind die Atem-, Schluck- und Sprechmuskeln betroffen, und der Erkrankte stirbt.

Das Ziel: Die Krankheit im Jahr 2018 weltweit ausrotten

In Deutschland werden Kinder im ersten Lebensjahr gegen Polio geimpft. Die Krankheit heißt auch Kinderlähmung, weil sie vor allem bei Kindern zwischen drei und acht Jahren ausbricht. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe sich das Ziel gesetzt, so Nordhues, Polio im Jahr 2018 weltweit auszurotten. Dabei helfen die Tersteegen-Schüler. „Solange unsere Partner mitziehen“, verspricht Katrin Jensen, „sammeln wir weiter.“

>>> Jeder kann beim Kampf gegen Polio mithelfen

Hinter der Sammelaktion steckt der Verein Deckel Drauf; er unterstützt damit das Rotary-Projekt Polio Plus, das Kinderlähmung ausrotten will. In Heiligenhaus ist zudem Petra Wald von der Evangelischen Kirche eine wichtige Multiplikatorin.

Jeder kann helfen: Öffentliche Sammelbehälter für die Plastikdeckel stehen unter anderem bei den Tafeln (Heiligenhaus und Velbert), bei Real in Hetterscheidt, im Rathaus Velbert (Bürgerbüro) sowie bei Penny (Velbert, Schloßstraße).

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