Gasabrechnung

Heiligenhauser Vermieter irritiert über Gasabrechnungen

In der Seniorenwohnanlage an der Ludgerusstraße gibt es 22 Wohneinheiten. Laut Abrechnung ist hier der Gesamtgasverbrauch im Jahr 2015 plötzlich massiv angestiegen, im Jahr darauf nochmal um nahezu 100 Prozent.

In der Seniorenwohnanlage an der Ludgerusstraße gibt es 22 Wohneinheiten. Laut Abrechnung ist hier der Gesamtgasverbrauch im Jahr 2015 plötzlich massiv angestiegen, im Jahr darauf nochmal um nahezu 100 Prozent.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  Hans-Georg Schultheiss besitzt die Senioren-Wohnanlage an der Ludgerusstraße. Zwei Jahresabrechnungen der Stadtwerke irritieren ihn zutiefst.

Seit vielen Jahren ist Hans-Georg Schultheiss Besitzer mehrerer Immobilien in Heiligenhaus. Seit 2014 gehört ihm auch das Haus Ludgerusstraße 2a, eine Wohnanlage mit 22 Wohnungen und dem Ludgerustreff, den die Caritas gepachtet hat. In den Jahren 2011 bis 2014 hatte sich der jährliche Gesamtgasverbrauch immer bei rund 300.000 Kilowattstunde (kWh) bewegt.

Jahresverbrauch schlagartig wesentlich höher

Als Hans Georg Schultheiss dann aber seine Jahresabrechnung für 2015 in den Händen hielt, konnte er sich nur wundern. „Laut Abrechnung der Stadtwerke lag der Verbrauch plötzlich rund 100.000 KWh höher und noch ein Jahr später sogar im doppelten Bereich, nämlich bei 595.000 KWh.“ Für den Wülfrather war sofort klar: Hier stimmt etwas nicht – schließlich hatte sich das Nutzungsverhalten seiner Mieter nicht geändert. Jetzt, einige Jahre später, ist nach wie vor nicht klar, wo genau die Ursache eigentlich liegt.

Zähler ist intakt

Nachdem laut Schultheiss die hauseigene Anlage auf eventuelle Schäden überprüft und als mängelfrei beurteilt worden war, ließ er einen neuen Zähler einbauen. Und tatsächlich: Bereits 2017 bewegte sich der Gasverbrauch wieder im Bereich der üblichen 300.000 kWh, in den Folgejahren sank der Verbrauch nochmals um einige Zehntausende kWh. „Ich habe damals nach dem Ausbau den alten Zähler zu den Stadtwerken gebracht, aber erst nach einem Jahr gab es eine Untersuchung beim Hersteller.“ Das Ergebnis: Der Zähler hat zwar einen leichten Defekt hinsichtlich der Datenfernauslesung, welcher allerdings in keiner Weise mit dem Zählwerk zusammenhängt.

Gütetermin vor Gericht

Bei einem Gütetermin vor Gericht Mitte dieses Monats hatte der Vorsitzende Richter dieses Gutachten dann auch als Grundlage zur Urteilsfindung herangezogen: Wenn der Zähler intakt war, dann haben die Stadtwerke auch die entsprechende Menge Gas geliefert. Zur gütlichen Trennung schlug das Gericht vor, dass die Stadtwerke 20 Prozent der von Schultheiss bereits komplett bezahlten Gasrechnungen zurückerstatten. „Wir haben dem zugestimmt“, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Scheidtmann auf Nachfrage der WAZ, „ob Herr Schultheiss sich damit zufrieden zeigt, wissen wir erst nach Ablauf der Vier-Wochen-Frist.“

Normalerweise problemlose Geschäftsbeziehung

Hans-Georg Schultheiss betont immer wieder, dass seine Geschäftsbeziehungen mit den Stadtwerken (insgesamt besitzt Schultheiss alleine in Heiligenhaus 118 Wohnungen) bislang immer vorbildlich gelaufen seien, es habe nie irgendwelche Probleme gegeben. „Was ich mir wünschen würde, wäre, dass die Stadtwerke sich kulant zeigen in der Richtung, dass sie sehen, wer letztlich die Leidtragenden der Mehrkosten sind: Nämlich die Bewohner dieser Wohnanlage, die letztlich eh nicht viel Geld zur Verfügung haben. Wenn ich denen jetzt mit einer Nachzahlung von 1000 oder 2000 Euro komme, bricht denen das regelrecht das finanzielle Genick.“ Denn dass er die Mehrkosten, die ja bereits von ihm gezahlt, aber noch nicht auf die Bewohner abgewälzt wurden, einfordern muss, ist für den 59-Jährigen klar: „Ansonsten gibt es für die Mieter und mich als Vermieter steuerliche Nachteile bezüglich eines Gasverbrauchs, den es nie gegeben hat.“

Besonderer Fall auch für die Stadtwerke

Michael Scheidtmann sagt dazu: „Der Zähler wurde vom Eichamt überprüft, er war völlig intakt. Das bedeutet: Was hinter dem Zähler mit dem Gas passiert ist, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass wir die gesamte Gasmenge, die auf den Rechnungen erschienen ist, auch geliefert haben.“ Und: „Immer wieder gibt es mal Einwände von Endabnehmern, dass der Verbrauch nicht stimmen könne. Wir verweisen dann, wie auch bei Herrn Schultheiss, immer darauf, dass ein Gutachter den Zähler überprüfen kann. Das Ergebnis würde dann entscheiden, auf welcher Seite das Recht ist.“ In all den Jahren, in denen er bei den Stadtwerken tätig sei, sei ihm allerdings nie untergekommen, dass ein Zähler eine eichrechtliche Prüfung nicht bestanden hat, so Scheidtmann.

Natürlich sei dies ein besonderer Fall. Aber die Kulanz, von der der Immobilieneigentümer spricht, könnten auch die Stadtwerke nicht leisten: „Was ganz oft vergessen wird, ist ja, dass auch wir das Gas irgendwo kaufen müssen, wir bekommen es auch nicht geschenkt. Und ich denke, wir haben, indem wir dem Vergleichsvorschlag des Richters zugestimmt haben, schon unser Entgegenkommen signalisiert.“

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