Naturschutz

Heiligenhauser Gut Zehnthof erhält besondere Auszeichnung

Jutta Schmolke, Kerstin Ehrenbogen und Kurt Papenhoff berichten, was eine gute Streuobstwiese ausmacht.

Jutta Schmolke, Kerstin Ehrenbogen und Kurt Papenhoff berichten, was eine gute Streuobstwiese ausmacht.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Die Familie Papenhoff vom Heiligenhauser Gut Zehnthof kann sich über eine Auszeichnung freuen. Was ihre Streuobstwiese so besonders macht.

„Vorbildlicher Streuobstbestand“ steht auf der Plakette, die Familie Papenhoff auf Gut Zehnthof vom „Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW“in Empfang nehmen durfte – zusammen mit einer Urkunde, die ebenfalls die Streuobstwiese oberhalb des Hofes auszeichnet. „1976 habe ich den Hof, der schon lange in Familienbesitz ist, zunächst gepachtet und dann übernommen, seitdem kümmere ich mich sehr gerne um die Obstbäume, sie liegen mir am Herzen“, berichtet Kurt Papenhoff.

Von den 30 Bäumen, die auf der Streuobstwiese stehen, hat er 27 selbst gepflanzt, die anderen drei sind schon älter. „Der älteste ist ein Birnbaum“, erzählt Papenhoff, „der ist mindestens 150 Jahre alt. Meine Oma hat erzählt, dass zur Zeit des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter bei der Ernte geholfen und mit Eimern die Früchte aus der Baumkrone heruntergelassen haben.“

Mieterin schrieb die Bewerbung

Die Bewerbung um die Auszeichnung hat aber nicht er selbst geschrieben, sondern Kerstin Ehrenboden, seit einem Jahr Mieterin auf Gut Zehnthof. „Aus meinem Fenster kann ich genau auf die Wiese sehen und war von Anfang an begeistert, auch darüber, wie viele Tiere hier leben“, erzählt Ehrenboden, die selbst für den Nabu aktiv ist. „Es gibt hier unter anderem Grünspechte und Steinkäuze.“

Das allein reicht aber nicht für eine Auszeichnung, erklärt Jutta Schmolke vom Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW. „Die Bäume müssen hochstämmig sein, das heißt, dass der Kronenansatz bei 1,80 Meter liegt. Es gibt hier außerdem jüngere und ältere Bäume und eine Ober- und Unternutzung der Wiese.“ Ober- und Unternutzung bedeutet, dass zum einen Äpfel, Birnen und Pflaumen geerntet werden können, zum anderen das Gras als Futter dient.

Wertvoller Kultur- und Lebensraum

Im Fall von Gut Zehnthof fressen hier Pferde, anderswo Schafe. „Streuobstwiesen sind ein wertvoller Kultur- und Lebensraum, sie prägen das Landschaftsbild“, machte Schmolke deutlich, wie wichtig diese Wiesen sind. „Das Ziel des Netzwerks ist es aber nicht nur, Erhalt und Neuanlagen von Streuobstwiesen voranzubringen, sondern auch interessierte Laien zu vernetzen.“ Zum Beispiel, wenn Fragen zur Pflege der Bäume aufkommen oder dazu, welche Sorten zum Anpflanzen geeignet sind.

Diesbezüglich weiß Kurt Papenhoff Bescheid: „Meine Oma hat immer gesagt, ein Baum muss so licht sein, dass man einen Hut hindurchwerfen kann“, erinnert sich Papenhoff schmunzelnd. Auf seiner Wiese wachsen roter Boskop, Kaiser Wilhelm, Jakob Lebel, Elstar und die Rote Sternrenette – alte Sorten, die in diesem Jahr zusammen wohl eine Ernte von ungefähr 300 Kilo abwerfen werden. „Letztes Jahr waren es sogar 500 Kilo“, sagt Papenhoff. Apfelsaft fürs ganze Jahr ist damit gesichert, außerdem auch das ein oder andere Glas Apfelmus und so manch ein Apfelkuchen.

Viel Arbeit ist nötig

Wer diesen Ertrag möchte, muss allerdings auch Arbeit investieren, neben dem Rückschnitt brauchen die Bäume in trockenen Sommern so manchen Extraliter Wasser, Wühlmäuse können zur Plage werden. 2000 Quadratmeter ist die Streuobstwiese auf dem Gut Zehnthof groß, wer der Natur etwas Gutes tun möchte, kann aber auch erst einmal mit einem einzigen Baum beginnen, so Johannes Paas von der Kreisbauernschaft Mettmann: „Nachahmer sind immer herzlich willkommen“. Biologische Vielfalt wird durch Streuobstwiesen gesichert – die Steinkäuze auf Gut Zehnthof dürfte vor allem interessieren, wie gut es sich in den Bäumen wohnen und auf der Wiese davor Futter fangen lässt.

Weitere Informationen

Im Netzwerk Streuobstwiesenschutz.NRW haben sich der Rheinische Landwirtschafts-Verband, der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband, die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald NRW und der Naturschutzbund NRW zusammengeschlossen.

Wer Fragen hat, erreicht das Netzwerk unter 0211 15925140 oder per Mail an . Beratung zu möglichen Apfelsorten auf einer Streuobstwiese gibt es auch bei der Biologischen Station Haus Bürgel, erreichbar unter 0211 9961212. Hier lesen Sie weitere Nachrichten aus Heiligenhaus.

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