Volkstrauertag

Heiligenhauser gedenken der Kriegstoten und Gewaltopfer

Viele Heiligenhauser, hier Joachim Kocherscheidt (Bundeswehr, von links), Friedrich-Ernst Martin (Feuerwehr) und Heinrich Röhr (Polizei), gedachten nach der Kranzniederlegung der Kriegstoten und Gewaltopfer am Mahnmal.

Viele Heiligenhauser, hier Joachim Kocherscheidt (Bundeswehr, von links), Friedrich-Ernst Martin (Feuerwehr) und Heinrich Röhr (Polizei), gedachten nach der Kranzniederlegung der Kriegstoten und Gewaltopfer am Mahnmal.

Foto: Ulrich Bangert

Heiligenhaus.   Am Volkstrauertag lud der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zur Gedenkfeier ein. Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft erhielten eine Stimme

Zahlreich sind die Heiligenhauser zur Gedenkfeier am Volkstrauertag gekommen, doch besonders freute sich die Organisatorin Claudia Wege vom hiesigen Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge darüber, dass viele Jugendliche in der Gesamtschul-Mensa dabei waren. Denn bei der Gedenkstunde wirkten nicht nur die Jugendfeuerwehr mit, sondern auch Schülerinnen und Schüler der Realschule.

Bürgermeister Michael Beck nutzte seine Ansprache unter anderem dafür, um an die Jugend und damit die nachfolgende Generation zu appellieren, „Frieden und Freiheit auch künftig zu bewahren“, und er erinnerte daran, worum es beim alljährlichen Volkstrauertag geht: „Männern, Frauen und Kindern zu gedenken, die in der Vergangenheit, aber auch in der Gegenwart, Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft geworden sind.“ Zwar sei dieses Gedenken inzwischen ritualisiert, dennoch sei es mehr als ein bloßes Ritual: „Wir bekunden, dass wir uns unserer Geschichte stellen, unserer Trauer und unserem Entsetzen Ausdruck verleihen“, und damit versuche man, den Opfern ein Gesicht und eine Stimme zu geben.

Letzteres gelang vor allem der Jugendfeuerwehr, die Tote des Ersten Weltkriegs selbst zu Wort kommen ließ, indem sie Feldpostbriefe deutscher Soldaten vorlas. Die Soldaten schreiben von Gemetzel, Leichnamen, Pferdekadavern, verstreuten Gedärmen und Verwesungsgeruch, den keine Windböe vertreiben kann. Sie schildern ohrenbetäubendes Artilleriefeuer, Schrapnellhagel und das herzzerreißende Wimmern der Verletzten – und dass im Kriegs alles Menschliche zugrunde geht.

Versöhnung über den Gräbern

Eine bedrückende Stimmung breitete sich daraufhin in der Mensa aus. Der Gospelchor Singing People unter Leitung von Thomas Melcher vermochte sie allerdings mit seinen Liedern in etwas Erhabenes, gar Fröhliches zu verwandeln. Auch Michael Beck verwies darauf, dass es natürlich Hoffnung gebe. Wenngleich „Krieg und Gewalt auch heute noch trauriger Alltag sind“, zeige der Volkstrauertag doch, dass „Versöhnung über den Gräbern“ durchaus möglich ist, Versöhnung zwischen einst verfeindeten Völkern. Und Heiligenhaus leiste, im Kleinen, mithilfe seiner Städtepartnerschaften und -freundschaften einen wichtigen Beitrag dazu und werde dabei unterstützt durch die Jugendlichen an den weiterführenden Schulen.

Andächtig traten die Teilnehmer vor das Mahnmal

„Unsere Geschichte zeigt, dass es sich lohnt, für unsere Werte zu kämpfen“, sagte Beck und fand, dass die Menschen aus ihr gelernt haben, „damit sie sich nie wiederholt“.

Geeint durch diesen Wunsch traten die Teilnehmer der Gedenkstunde, ob aus Politik, Verwaltung, Behörden, Vereinen, Organisationen oder den Schulen andächtig vor das Mahnmal neben der Gesamtschule, wo bereits Kränze zur Erinnerung an die Kriegs- und Gewaltopfer niedergelegt waren. Auf dass die Opfer und ihr Schicksal nicht vergessen werden und auf dass sich Krieg und Gewaltherrschaft nicht wiederholen.

>> Im Zeichen des Ersten Weltkrieges

  • Der Volkstrauertag stand nun vor allem im Zeichen des Ersten Weltkriegs, der vor 100 Jahren beendet wurde. Der Gedenktag wurde 1919 vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge vorgeschlagen, 1922 fand die erste Gedenkstunde statt, 1925 war der erste richtige Volkstrauertag.
  • Seit dem Zweiten Weltkrieg erinnert er auch an Opfer und Tote von Gewaltherrschaft. Die Heiligenhauser gedachten auch der Opfer der Pogromnacht 1938.

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