Gastronomie

Heiligenhauser Gastronomen stemmen sich gegen Kneipensterben

Thomas Karrenberg hat jetzt den Vorsitz des Stadtmarketing-Arbeitskreises Gastronomie übernommen. Er wünscht sich mehr Restaurants und Kneipen in der Innenstadt und mehr Angebote für junge Leute.

Thomas Karrenberg hat jetzt den Vorsitz des Stadtmarketing-Arbeitskreises Gastronomie übernommen. Er wünscht sich mehr Restaurants und Kneipen in der Innenstadt und mehr Angebote für junge Leute.

Foto: Alexandra Roth

Heiligenhaus.  Stadtmarketing sieht Gastronomen, Verwaltung und Heiligenhauser in der Pflicht, das Kneipensterben aufzuhalten. Angebote für Jüngere fehlen.

Der Arbeitskreis Gastronomie des Stadtmarketings hat sich neu aufgestellt: Den langjährigen Vorsitzenden Manfred Passenheim hat jetzt Thomas Karrenberg, der Inhaber der Kniffte, abgelöst. Als Stellvertreter stehen ihm Pascal Breitgoff (Thum am Dom) und Werner Meuersmorp (Partyservice Meuersmorp) zur Seite. Das Trio übernimmt in einer schwierigen Zeit, in der zuletzt einige Betriebe weggefallen sind, und will die Gastro-Szene in Heiligenhaus neu beleben. Dabei sehen sie aber auch die Politik und alle Heiligenhauser gefordert.

Thomas Karrenberg wünscht sich besonders in der Innenstadt mehr Gastronomie. „Gerade für junge Leute fehlen Angebote.“ Vorstellen könne er sich etwa eine Cocktailbar wie das Keks in Velbert, die donnerstags bis samstags öffnet. Auch Möglichkeiten, Fußball in einer Kneipe zu schauen, seien nicht mehr ausreichend vorhanden. Grundsätzlich sehen der neue Vorsitzende und sein Arbeitskreis das Problem, dass es zu wenige Gastronomiebetriebe gebe, die die Innenstadt beleben. Sobald der Ratskeller, das Thum am Dom, die Kniffte und der Grieche Hermes voll seien, „laufen wir Gefahr, dass die Leute in andere Städte abwandern“. Dann würden sie meist dort bleiben.

Verwaltungsaufwand der Gastronomen ist enorm

Dass jedoch zuletzt die Gaststätten Bürgerhaus, das Havanna, der Werkerwald oder das Köpi 3 geschlossen wurden, habe immer Gründe, und die seien individuell verschieden – mal fehle der Nachfolger, mal werde der Ärger mit Nachbarn oder dem Ordnungsamt zu groß. „Ein Gastronom hat heute sehr viel Verwaltungsaufwand“, so Karrenberg. Nicht zuletzt, weil inzwischen jede größere oder nächtliche Veranstaltung bei der Stadt kostenpflichtig angemeldet werden müsse. Zwar könne man auch mehrere Events auf einmal anmelden und so Geld sparen, „aber im Januar weiß ich nicht, ob jemand im September seinen Geburtstag bei mir bis in die Nacht feiern will". Solche Feiern benötige man jedoch, „für ein gutes Betriebsergebnis“. Doch es brauche auch moderne, ansprechende Konzepte.

Die Situation der Gastronomie insgesamt ist deutlich schwieriger geworden – nicht nur in Heiligenhaus“, sagt auch Wirtschaftsförderer Peter Parnow. Von ihm und seiner Abteilung forderte die FDP unlängst mehr Unterstützung für Gastronomen und Fachhändler, um die Innenstadt zu beleben und das Kneipensterben zu bekämpfen. Allzu viele Möglichkeiten sieht Parnow jedoch nicht: Natürlich könne die Wirtschaftsförderung mit Brauereien sprechen. Oder mit Vermietern, doch bei diesen gebe es ohnehin „ein reges Interesse, keine Leerstände zu haben“. Daher würden viele mit der Pacht runtergehen, wenn es den Restaurants oder Imbissen schlecht gehe.

Gastronomien außerhalb der Innenstadt werden oft vergessen

Dennoch gebe es Restaurants in Heiligenhaus, die hervorragend laufen, betont Peter Parnow und nennt etwa den Ratskeller und Hermes. „Wenn man am Wochenende mit der Familie essen gehen will, sind Heiligenhauser Restaurants oft ausgebucht.“ Daher sehe er einen „entsprechenden Bedarf“, der nicht gedeckt werde. „Allerdings werden Gastronomiebetriebe außerhalb der Innenstadt oft vergessen“, sagt der Wirtschaftsförderer und verweist etwa auf die Gaststätte Kuhs, die Hofcafés, Haus Schönberger, Gustus im Golfclub Hösel oder Peking Garden. „Das Waldhotel hat außerdem einen fantastischen Biergarten“, schwärmt Parnow. Gut aufgestellt sieht er in Heiligenhaus auch den Imbissbereich. Die Trattoria Smiley etwa habe einen „begnadeten Koch und viele Stammkunden“. Und auch Vereinsgaststätten wie bei den Tennisvereinen oder der Sportlertreff hätten ihre Kunden.

„Mehr Gastronomie wäre aber schön, ganz ohne Frage“, sagt Parnow. Daher erhoffe er sich, dass die geplanten Betriebe im Alten Pastorat und im Nahversorgungszentrum die Innenstadt beleben. Zudem wünsche er sich davon „Strahlkraft über Heiligenhaus hinaus“.

Freizeitverhalten hat sich verändert

Der Arbeitskreisvorsitzende Thomas Karrenberg nimmt aber auch die Heiligenhauser in die Pflicht, die nicht mehr so gerne ausgehen wie früher, sondern lieber auf der Couch bleiben und „Netflix einschalten“. Dies ist ein genereller Trend, den auch die örtliche Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) bestätigt. „Statt das Feierabendbier zuhause zu trinken, kann man einfach mal wieder in die Kneipe gehen“, fordert die auch für Heljens zuständige NGG-Geschäftsführerin Zayde Torun. „Das macht Spaß und ist geselliger.“

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