Glaube

Heiligenhauser Abiturientin besuchte Bibelschule in England

Herrschaftlich sieht die Bibelschule in England aus - kein schlechter Platz zum Studieren.

Foto: Sarah Tönges

Herrschaftlich sieht die Bibelschule in England aus - kein schlechter Platz zum Studieren.

Nach dem Abi zieht es viele an die Strände dieser Welt. Sarah Tönges traf mit Theologie anstelle von Work and Travel eine ungewöhnliche Wahl.

Ein irritierter Blick zur Seite, ein eher zögerliches „Ah, cool…“ – das sind die Reaktionen, die ich immer wieder auf meine Antwort bekam, wenn man mich nach meinen Plänen nach dem Abitur fragte. Ich stieg in einen Flieger, aber nicht nach Australien. Und ich entschloss mich zu lernen, aber nicht an einer herkömmlichen Uni. Nach dem Abi entschied ich mich für ein halbjähriges Kurzstudium, und machte einen theologischen Kurs an einer sogenannten Bibelschule im Herzen Englands.

„Ist das sowas wie ein Kloster? Musst du eine Kutte tragen? Warum machst du nicht etwas, das… Spaß macht?“ Vorurteile, oh wie ich sie liebe. Von September bis März hatte ich die beste Zeit meines Lebens, ganz ohne Schweigegelübde und definitiv ohne Langeweile. Mein Zuhause wurde Capernwray Hall, ein altes Herrenhaus, was ich persönlich gerne als Burg betitele. Auf dem Campus lebten 140 junge Erwachsene aus sechs Kontinenten, wir alle wollten mehr wissen, über Glaube, Gott und ja, die Bibel.

Gibt es da vielleicht mehr?

Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen, ließ mich mit 14 taufen, um meinen Glauben an Gott und Jesus zu bezeugen. Aber ich bin auch nur ein Mensch, und ich verstehe jeden, der zweifelt, jeden, der sagt „das ist mir zu irrational, unsinnig“. Genau darum entschied ich mich für ein Bibelstudium, ich wollte es wissen: Ist die Bibel glaubwürdig, ist die Auferstehung nur eine Erfindung, und weshalb sollte ich mehr an den Gott der Bibel als an jeglichen anderen glauben. Gibt es da wirklich mehr?

Der Tag in England begann mit dem Kampf um den Spiegel. Ich teilte mein Zimmer mit einer Kanadierin, einer Amerikanerin und einer Schweizerin, alle ganz normale Mädchen, die sich genauso für Mode, Make up und Musik interessieren wie jeder andere auch. Frühstück und dann Vorlesungen bis in den Vormittag hinein. Vier, bevor es zum Mittagessen ging, zwei in den Abendstunden. Dazwischen Freizeit, Städtetrips, Kanu fahren, Tennis spielen, tanzen gehen und Nächte am See.

An einem Ort verschiedene Kulturen entdecken

Unsere Themen waren vielfältig, von Bibelpassagen wie der Bergpredigt, über kritische Fragen zu Widersprüchen und Wundern, bis hin zu Vorträgen über die Kirchengeschichte und Weltreligionen. Was glauben Muslime, Juden, Buddhisten, Hindus und Mormonen? Wie sehen sie meinen Glauben, und wie begegne ich ihrem mit Verständnis und Respekt? Capernwray Hall ist überkonfessionell, und so hatten wir einen bunten Mix an Überzeugungen und theologischen Ansichten, was ich unheimlich interessant fand.

Während meine Freunde Erinnerungen an verschiedenen Orten sammelten, sammelte ich Erinnerungen mit Menschen von verschiedenen Orten, lernte fremde Kulturen kennen und lernte, verschiedene Ansichten anzuhören, abzuwägen und zu schätzen. Ich zähle nun einen Kenianer, einen Chinesen, Kanadier und Amerikaner zu meinen engsten Freunden.

Viele Erkenntnisse hat Sarah gewonnen

Ich habe viele schöne Ecken Englands besucht, mein Englisch verbessert, Religion in Schulen unterrichtet und örtliche Kirchen und Gemeinden unterstützt. Wir haben in der Nachbarstadt beim Müllsammeln geholfen und Kinderfreizeiten betreut, das komplette alte Testament gelesen und hinterfragt, gebetet und diskutiert.

Und ich kehre zurück mit Erkenntnissen, die die meisten überraschen werden: Ja, da ist mehr! Ich habe es erlebt, erkannt, dass sich Wissenschaft und Glaube doch eher ergänzen als widersprechen und über Beweise gelernt, von denen ich gar nicht wusste, dass sie existieren. Pfarrerin will ich nicht werden, und statt ins Kloster zieht es mich nun eher in die nächste Großstadt. Aber mein Zweifel führte dazu, dass ich nun mehr glaube als jemals zuvor, dass es da einen Gott gibt, der voller Macht und Liebe steckt. Und ich kann es nur jedem weiterempfehlen, einen Blick hinter die Vorurteile zu wagen – jeder findet vielleicht etwas anderes, aber sicher mehr, als man erwartet.

>>> INFOS ZUR BIBELSCHULE IN ENGLAND

  • Die Bibelschule wurde 1947 von Major W. Ian Thomas gegründet, welcher nach Ende des Zweiten Weltkriegs Standortkommandant in Velbert war.
  • Weltweit gibt es 25 Zentren in 20 Ländern, die das Programm anbieten. Die Zentren in Deutschland und Österreich werden von der Evangelischen Kirche als „evangelisch-kirchlicher Verein“ anerkannt. Infos auch auf capernwray.org

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