Soziales

Heiligenhaus will Familien vom Balkan stärker integrieren

Viele Familien vom Balkan kamen erst in den vergangenen Jahren nach Deutschland (Symbolbild).

Viele Familien vom Balkan kamen erst in den vergangenen Jahren nach Deutschland (Symbolbild).

Foto: Tim Schulz

Heiligenhaus.  Zuletzt sind vermehrt Großfamilien aus Südosteuropa nach Heiligenhaus gekommen. Weil sie sehr oft auffällig werden, will die Stadt nun handeln.

In Heiligenhaus gibt es Probleme bei der Integration einiger Zuwanderergruppen. Die Diskussionen beim Friedensgang der Realschule im vergangenen Herbst und die kritische Einschätzung von Spielhaus-Leiter Christoph Meschede machen deutlich, dass es bei diesem Thema Rede- und Handlungsbedarf gibt. Vieles laufe bei der Integration schon gut, betont Sozialdezernent Thomas Langmesser. Dennoch gebe es immer wieder Probleme mit Großfamilien aus Südosteuropa, die in den vergangenen zwei bis drei Jahren vermehrt nach Heiligenhaus gezogen sind. Bei dieser Zuwanderergruppe will die Verwaltung nun handeln.

Diese Familien stammen größtenteils vom Balkan, vorwiegend aus Bulgarien, aber auch aus Serbien. „In Heiligenhaus wohnen sie schwerpunktmäßig im Nonnenbruch, in der Oberilp und einzelnen Objekten in der Stadtmitte“, berichtet Thomas Langmesser. Überall dort, wo diese Gruppen zu sehr unter sich blieben, könne das zu Abgrenzung von der Gesellschaft und Problemen führen. Gerade Jugendliche würden in der Öffentlichkeit oft sehr dominant und wenig sozialverträglich auftreten, „oft gilt hier das Recht des Stärkeren“, so Langmesser. Außerdem würde der Nachwuchs teils unregelmäßig oder gar nicht zur Schule gehen und Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt würden nicht wahrgenommen. Ein niedriges Bildungsniveau und sprachliche Barrieren täten ihr Übriges. Oftmals kämen die Menschen aus für uns unvorstellbaren Verhältnissen in ihren Herkunftsländern, Bevölkerungsgruppen wie die Roma würden dort ausgegrenzt.

Familien sind nur schwer erreichbar

Diese Familien will die Stadt Heiligenhaus nun bei der Integration hier vor Ort unterstützen, da dies im Interesse aller sei (siehe Infokasten). So wurden im Haushalt 20.000 Euro für zwei Präventionsprojekte bereitgestellt, eines davon ist ein Konzentrationsprojekt in Schulen. Das andere Projekt soll sich an die Familien aus dem südosteuropäischen Raum wenden, worum sich zwei Fachkräfte mit festen Zeitkontingenten kümmern. „Wir wollen zeitnah mit dem Projekt starten“, sagt Thomas Langmesser.

Da die Zuwanderer-Familien durch sprachliche Hürden und schlechte Erfahrungen mit den Behörden in ihren Herkunftsländern oft nur schwer für das Jugendamt erreichbar seien, benötige man eine spezielle Strategie, so Langmesser. „Geplant sind etwa Besuche zuhause oder dort, wo sich die Personen sowieso aufhalten, beispielsweise in Einrichtungen wie dem Spielhaus.“ Auch Streetwork sei ein Mittel der Wahl. Bei Bedarf könnten auch Sprachmittler der Caritas Mettmann hinzugezogen werden.

Ansprechpartner sind überall dort, wo Bedarf herrscht

Die Ansprechpartner werden in Kitas und Schulen und darüber hinaus überall dort in der Stadt anzutreffen sein, wo sie gebraucht werden. „Die Familien sollen auch bei Behördengängen und Arztbesuchen begleitet werden“, sagt Thomas Langmesser. Auf diese ersten Schritte könnte bei Bedarf eine Vermittlung in weitere Unterstützungsangebote folgen. Die Ergebnisse werden der Politik zeitnah vorgestellt und das Projekt ggf. angepasst, so Thomas Langmesser.

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