Stadtgeschichte

Heiligenhaus: Spannendes rund um die Stadtgeschichte

Mit Spannung lauschen die Stammtischbesucher den Ausführungen von Peter Ihle zur Heiligenhauser Stadtgeschichte.

Mit Spannung lauschen die Stammtischbesucher den Ausführungen von Peter Ihle zur Heiligenhauser Stadtgeschichte.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  In einem Vortrag vor der Senioren-Union hat Peter Ihle aus dem Nähkästchen der Heiligenhauser Geschichte geplaudert. Dabei kam Spannendes zutage.

Trotz Corona-Panik kamen am vergangenen Donnerstag viele Mitglieder zum Stammtisch der Senioren-Union Heiligenhaus in den Ratskeller, vielleicht, weil sich ein besonders spannender Gast angekündigt hatte: Peter Ihle. Der ehemalige Bürgermeister plauderte über die Stadtgeschichte von Heiligenhaus, vieles davon war weitgehend unbekannt. „Ich habe eine Menge erfahren, als ich die Busfahrten mit Senioren durch Heiligenhaus gemacht habe. Daneben habe ich die Geschichte des ältesten Heiligenhauser Vereins aufgearbeitet, dabei haben ich ebenfalls eine Menge Unbekanntes kennengelernt. Und dann war ich über ein Jahrzehnt Vorsitzender des Geschichtsverein.“

Ihles Vater betrieb Geflügelfarm

Seine Kindheit allerdings hat Peter Ihle in Frankfurt verbracht, dennoch hat er viel über das Leben seines Vaters in Heiligenhaus zu berichten. „Mein Vater betrieb vor seinem beruflichen Umzug nach Hessen in Meiersberg eine Geflügelfarm mit Hühnern, Gänsen und Enten. Mit einem Lieferwagen fuhr er jeden Tag zu Kunden aus der Gastronomie und zum Markt auf dem Düsseldorfer Karlsplatz. Und mein Großvater hatte hinter dem Haus „Im Hahnen“ eine Werkstatt in der ehemaligen katholischen Kirche. Dort baute er Einzelteile von Heiligenhauser Zulieferern zu Schlössern zusammen.“

Bevor sich in Heiligenhaus die Herstellung von Schlössern und Beschlägen etablierte, befand sich, so Ihle weiter, an fast jeden Hof ein Webstuhl. Im Laufe der Zeit wurden allerdings durch das Vererben von Land die Hofstellen immer kleiner und unwirtschaftlicher, so dass sich die Bauern einen Nebenverdienst suchten. Die Herstellung von Kleineisenwaren kam um 1680 auf, es waren Arbeiter aus dem Nassauischen, Erzgebirge und rund um Hannover, die diesen Wirtschaftszweig ins Niederbergische brachten.

Heiligenhauser wurden sehr alt

Viel los war in Heiligenhaus nicht, das stellte schon der Düsseler Heimatdichter Carl Schmachtenberg in seinem bekannten Mundartgedicht fest, dazu war Heiligenhaus „so lang und schmal eine Hosennaht“. Ein Besucher von weiter weg war hingegen ganz angetan von dem Dorf: Er lobte die gute Luft und stellte fest, dass die Leute sehr alt werden: 80, 90 und sogar 100 Jahre. Im 19. Jahrhundert wurden ein Drittel aller Schlüssel, die in Velbert verkauft wurden, in Heiligenhaus produziert. „Die Händler kamen gar nicht bis nach Heiligenhaus.“

Heiligenhaus trug Schuldenlast von Velbert

Vor fast genau 123 Jahren entließ die Stadt Velbert das kleine Heiligenhaus in Selbstständigkeit, musste dafür aber einen Teil der Schuldenlast übernehmen, die in Velbert durch den Bau eines neuen Rathauses angefallen waren. Immerhin befanden sich in Heiligenhaus mit seinen fünf Hofschaften 617 Häuser. In der evangelischen Schule wurde ein Büro für den ersten Bürgermeister eingerichtet, daraus entwickelte sich das Rathaus, eine neue Schule wurde der damaligen Hülsbecker Straße gebaut.

Aufschwung durch Bahnanschluss

Einen richtigen Aufschwung erlebte Heiligenhaus mit dem Bahnschluss: Die Kleinbahn verband Heiligenhaus mit der Staatsbahn in Hösel, die Straßenbahn reichte bis weit in Bergische. „Ich bin selbst noch mit der Straßenbahn von Heiligenhaus nach Solingen gefahren“, erinnert sich der 82-jährige Peter Ihle.

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