Corona-Krise

Heiligenhaus: „Man muss über den Tellerrand hinausschauen“

Seniorchef Gerhard Bley (rechts), Sohn Sellathurai Bley-Kastir (links) und Enkelsohn Julian Kastir halten den Familienbetrieb auch in Coronazeiten stabil. Bislang musste keiner der insgesamt 115 Mitarbeiter entlassen werden.

Seniorchef Gerhard Bley (rechts), Sohn Sellathurai Bley-Kastir (links) und Enkelsohn Julian Kastir halten den Familienbetrieb auch in Coronazeiten stabil. Bislang musste keiner der insgesamt 115 Mitarbeiter entlassen werden.

Foto: Christof Köpsel / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  In Coronazeiten haben es viele mittelständische Unternehmen schwer – auch in Heiligenhaus. Die Firma Bley hat sich kreative Wege gesucht.

Erst vor drei Jahren hat sich das Unternehmen Gebäudereinigung Gerhard Bley in Heiligenhaus niedergelassen – damals hatte der aus Wuppertal stammende Traditionsbetrieb nach einem geeigneten Firmengelände Ausschau gehalten und war an der Dieselstraße im Gewerbegebiet Hetterscheidt-Nord fündig geworden. „Wir sind dort super aufgenommen worden“, freut sich Sellathurai Bley-Kastir, „tolle, nette Menschen in Heiligenhaus und viele der umliegenden Unternehmen gehören mittlerweile zu unserer Kundschaft.“

Der 47-jährige Geschäftsführer ist der Sohn des Firmengründers und Seniorchefs, Gerhard Bley, der mit stolzen 87 Jahren immer noch täglich seine Kunden persönlich besucht, schließlich, so erklärt er und grinst dabei ein wenig verschmitzt, kenne er viele davon seit fast 50 Jahren, „da necke man sich schon ganz gerne mal bei einer Tasse Kaffee.“

Neue Geschäftsfelder fangen Auftragsrückgang auf

Der mittelständische Betrieb hat insgesamt 115 Mitarbeiter, Festangestellte, Teilzeit und geringfügig Beschäftigte, die Kundschaft kommt aus ganz Nordrhein-Westfalen. Und obwohl auch bei Bley während der Coronazeit fast 40 Prozent aller Aufträge weggebrochen sind, mussten weder Kurzarbeit angemeldet noch Mitarbeiter entlassen werden. „Darüber sind wir enorm glücklich“, erklärt Juniorchef Julian Kastir, „geschafft haben wir das dadurch, dass wir uns neue Geschäftsfelder eröffnet, über den eigenen Tellerrand hinausgeschaut haben.“

Nachfrage in anderen Bereichen steigt

Weil etwa viele Büros gar nicht mehr oder von weniger Mitarbeitern genutzt würden – aufgrund der vermehrten Zunahme an Homeoffice – fallen viele Aufgaben im klassischen Tätigkeitsbereich des Unternehmens jetzt weg. Stattdessen steigt die Nachfrage in anderen Bereichen, etwa bei Gartenarbeiten. „Meine Frau ist gelernte Gärtnerin, so verfügen wir über das nötige Know-how“, informiert Sellathurai, „denn wenn wir etwas machen, dann nur professionell und richtig.“

Aufträge werden professionell erfüllt

Sein Sohn Julian nickt. „Man kann gerade im Bereich der Reinigungen so viel falsch machen und das unterscheidet dann auch die gelernte Fachkraft von einem ungelernten Dienstleister. Wenn man etwa Fensterrahmen aus Aluminium mit säurehaltigen Mitteln reinigt, wird die Oberfläche massiv geschädigt“, erklärt der 24-Jährige, fügt lachend hinzu: „Ich sage immer, wir haben das Fachwissen, wie man keine Objekte zerstört.“

Alles rund um Dienstleistungen

In Coronazeiten hat der Familienbetrieb, bei dem die Chefs selbst noch mit anpacken, sein Angebotsspektrum massiv erweitert. Aufgrund der vielen geräumigen Firmenfahrzeuge und der hochprofessionellen Ausrüstung an Spezialmaschinen bietet es nun auch Hausmeisterservice und Betriebsumzüge an. „Eigentlich alles rund um private und gewerbliche Dienstleistungen“, ergänzt Sellathurai Bley-Kastir, „dazu gehört auch, dass wir etwa bei Wasserschäden helfen können, weil wir über das entsprechende Equipment verfügen.“

Auf Krise kreativ und schnell reagiert

Die Geschäftsführer sind sich einig: Nur weil sie in der Krise schnell und kreativ reagiert haben, konnten sie am Markt bestehen. Zudem, so betont es Julian Kastir, sei es wichtig gewesen, sich schnell und professionell auf die neuen Hygieneregeln eingestellt zu haben. „Wir mussten ja sofort die Hygieneschutzverordnungen der Unternehmen annehmen und entsprechend auch ausführen, sprich von heute auf morgen in Schutzkleidung arbeiten, spezielle Desinfektionsmittel besorgen, uns den veränderten Putzintervallen anpassen und vieles mehr. Aber ich denke, wir haben das richtig gut hinbekommen.“

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