Regionale Landwirtschaft

Heiligenhaus: Kreisbauernschaft dankt lokalen Erntehelfern

Regionale Produkte liegen bei den Verbrauchern hoch im Kurs – und der Direktverkauf im Hofladen bietet den landwirtschaftlichen Betrieben in Zeiten von Corona ein zweites Standbein.

Regionale Produkte liegen bei den Verbrauchern hoch im Kurs – und der Direktverkauf im Hofladen bietet den landwirtschaftlichen Betrieben in Zeiten von Corona ein zweites Standbein.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  Auch die Heiligenhauser Landwirte haben derzeit mit vielen Problemen zu kämpfen. Und doch gibt es in der Krise auch Positives zu berichten.

Ein lachender Bauer auf einem uralten Trecker, eine stämmige Bauersfrau mit roten Wangen, Obstbäume, eine Strohscheune, spielende Kinder, der Hofhund, niedliche Katzenbabys und im Stall zufrieden kauende Kühe: Dieses Bild „der heilen Welt auf dem Bauernhof“ existiert nach wie vor nicht nur in Kinderköpfen. „Diese Bullerbü-Mentalität hat aber mit unseren Alltag wirklich nichts gemeinsam“, erklärt Martin Dahlmann, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, zu der auch die Ortsbauernschaft Ratingen/Heiligenhaus gehört. „Und das schon vor der Coronakrise nicht – und jetzt erst recht nicht mehr.“

Trockenheit sorgt für hohe Kosten

Schließlich gibt es eines der Hauptprobleme bereits seit drei Jahren: die Trockenheit. „Ich bin Milchviehbauer“, erklärt Dahlmann, „weil die Böden trocken sind, wächst kein Futter für die Tiere, also muss ich es für teures Geld zukaufen. Und dann konnte ich coronabedingt einen Großteil der Milch nicht exportieren und der Milchpreis ist dadurch massiv gesunken von 37 Cent auf jetzt 30 Cent. Ich habe also sehr hohe Ausgaben bei minimalem Gewinn.“ Sein Stellvertreter Johannes Paas kann dem nur zustimmen. „Ich bin auf meiner ganzen Braugerste sitzengeblieben, weil die Brauereien kein Bier mehr gebraut haben – schließlich waren alle Kneipen geschlossen.“

Fruchtbare Böden in Heiligenhaus

Und doch hat der Kreis Mettmann bei all den Schwierigkeiten innerhalb der Branche großes Glück: „Wir können in diesem urbanen Raum auf eine große Palette an regionalen Produkten zurückgreifen. Bei all der derzeit häufig nicht funktionierenden Globalität durch Schwierigkeiten beim In- und Export müssen die Verbraucher hier nicht auf wirklich vieles verzichten.“ Dass das so ist, liegt an der Vielfalt der unterschiedlichen Böden. „Wir haben hier sehr viele gute, fruchtbare lehmartige Böden, die Besten tatsächlich im Bereich Heiligenhaus, Ratingen-Homberg oder Mettmann-Metzkausen, zudem haben wir absolut niedrige Nitratwerte überall in unseren Boden“, weiß Johannes Paas, Landwirt aus Ratingen, „und das bedeutet, wir können Sonderkulturen anbauen und nicht, wie in anderen Regionen, nur Getreide oder Kartoffeln.“

Bewusstsein für regionale Produkte gewachsen

Einer, der sich darauf spezialisiert hat, ist Obstbauer Jan Zimmermann. Er macht, vor allem seit der Coronakrise, großen Umsatz in seinem Hofladen. Das Bewusstsein für regionale Produkte ist extrem gestiegen“, hat der junge Landwirt festgestellt, „der Bezug zum Lebensmittel ist gewachsen“. Vielleicht, so mutmaßt Martin Dahlmann, hätten die Verbraucher während der Lebensmittelknappheit zu Beginn der Pandemie die Abhängigkeit vom Weltmarkt begriffen und was es bedeutet, wenn dieser eben nicht mehr so reibungslos wie gewohnt funktioniere.

Ohne zweites Standbein gehen Landwirte unter

Eigentlich, da sind sich die Landwirte einig, können nur die weiter existieren und nicht untergehen, die sich ein zweites Standbein geschaffen haben, so wie Dahlmann mit seiner hauseigenen Käserei oder Obstbauer Jan Zimmermann mit seinem Direktvertrieb und dem Hofladen. Dass er überhaupt seine Ernte von den Feldern bekommen hat, verdankt er vielen freiwilligen Mithelfern. „Es haben sich wirklich unglaublich viele zur Verfügung gestellt, weil eben die Saisonerntehelfer ausgefallen sind, nicht nur bei mir, sondern überall im gesamten Kreis.“

Miteinander, nicht übereinander reden

Auch Martin Dahlmann hat diese Hilfsbereitschaft sehr gefreut. „Wir hatten im ganzen Kreis große Unterstützung. Das war toll – und so sind sich Verbraucher und Landwirte auch mal näher gekommen, die Bürger konnten einmal miterleben, was der Bauer alles täglich schaffen muss. Und das“, so betont es der Verbandsvorsitzende, sei enorm wichtig, um das Bewusstsein der Menschen für den Berufsstand und auch für gewisse Entscheidungen sensibilisieren. „Vieles, was wir tun, führt zu Unverständnis und zu Vorurteilen aus Nichtwissenheit, beispielsweise die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln. Wir möchten, dass die Menschen nicht über uns, sondern mit uns reden.“

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