Kommunalwahl

Heiligenhaus: Grünen-Partei setzt auf kunstvolles Recycling

Künstler Thomas Pischke verschönert ein Wahlplakat der Grünenpartei mit professionellen Graffitis. Das Banner war vorher von Unbekannten beschmiert worden.

Künstler Thomas Pischke verschönert ein Wahlplakat der Grünenpartei mit professionellen Graffitis. Das Banner war vorher von Unbekannten beschmiert worden.

Foto: Ulrich Bangert / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  Statt ein beschmiertes Wahlplakat abzunehmen und gegen ein neues auszutauschen, setzt die Grünen-Partei auf künstlerisches Recycling.

Generell sind die vielen Wahlplakate in Heiligenhaus bislang von Schmiererein und Vandalismus verschon geblieben. Von Vandalismus sind die Plakate zur Kommunalwahl in Heiligenhaus weitgehend verschont geblieben. Allerdings: An dem großen Wahltransparent von Bündnis 90/Die Grünen am Eingang zur Unterilp hat sich unlängst ein unbekannter Sprayer ausprobiert, das Bänner unschön verschandelt. „Zuerst haben wir uns in der Whatsapp-Gruppe darüber geärgert“, erzählt Thomas Pischke, der für die Partei zur Wahl in den Stadtrat kandidiert, „aber dann kamen wir auf die Idee, dass Heiligenhaus ja vor Ort gemacht wird und dass ich das Plakat entsprechend verändern könnte. Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen.“

Legale Spühflächen fehlen

Der Ehrgeiz des Grafikers und Künstlers war geweckt. Er sei extra nach Dortmund gefahren, um sich dort mit professionellen Farben in Sprühdosen einzudecken, informiert Pischke. „Natürlich gibt es in jeden Baumarkt Sprühfarben, aber die eignen sich nicht wirklich für gute Graffitis“, weiß der Experte, der die unbeholfenen Versuche des Sprayers analysiert: „Das war jemand, der das noch nicht lange macht.“ Erkennen kann der Fachmann das am Strich und der Auswahl der Farben: „Weiß auf Hellblau, das kommt nicht gut. Wenn illegal gearbeitet wird, dann wird schnell viel gemacht, Quantität statt Qualität.“ Der Künstler bedauert, dass es in Heiligenhaus keine legalen Flächen für die jugendlichen Sprayer gibt. „Dann muss eben unser Wahlplakat herhalten oder die 500 Meter lange Lärmschutzwand an der A 44. Da fehlt nur noch ein Schild `Sie verlassen den amerikanischen Sektor`, ich komme mir da vor wie an der Berliner Mauer.“

Blumenwiese statt Betonköpfe

Thomas Pischke geht die Sache dagegen konzeptionell an: Er hatte sich eine Handskizze gemacht, die am Computer farblich ausgearbeitet wurde. Im Gegensatz zu den Illegalen nimmt sich Thomas Pischke viel Zeit. Nach drei Stunden ist das Wahlplakat neu erblüht: „Blumenwiese statt Betonköpfe“ steht in bester Graffitimanier drauf. „Hier und da muss in noch ein paar Lines setzen, damit sich die Buchstaben besser abheben.“ Passanten sind aufmerksame Beobachter. Autofahrer, die vor der roten Ampel auf die Einfahrt in Höseler Straße warten, verpassen die Grünphase, weil sie dem Künstler gebannt zuschauen, der wegen der Farbnebel eine professionelle Atemmaske trägt. „Die Reaktionen waren durchweg positiv, mit hat man mir immer mal wieder einen noch oben gerichteten Daumen aus dem Autofenster entgegengestreckt.“

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