Rettungswesen

Heiligenhaus: Feuer und Flamme für neues Tanklöschfahrzeug

Das neue Löschfahrzeug der Heiligenhauser Feuerwehr bietet viele Vorteile im Vergleich zu seinem 21 Jahre alten Vorgänger.

Das neue Löschfahrzeug der Heiligenhauser Feuerwehr bietet viele Vorteile im Vergleich zu seinem 21 Jahre alten Vorgänger.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  Im Vergleich zu seinem Vorgänger hat das neue Heiligenhauser Tanklöschfahrzeug einen wesentlich größeren Wassertank und noch ganz andere Vorteile

Derzeit könnte in Heiligenhaus der Eindruck entstehen, ein oder mehrere Feuerteufel trieben ihr Unwesen: Container brennen, Autos brennen. Die Hand dafür ins Feuer legen aber kann niemand, denn noch gibt es keine klaren Erkenntnisse seitens der Ermittler. Fakt ist nur: Die Feuerwehr wird vermehrt zu Löscheinsätzen angefordert – und da kommt das neue Tanklöschfahrzeug (TLF) wie gerufen. Durch seine Ausstattung bietet es viele Einsatzmöglichkeiten.

Noch steht das rund 350.000 Euro teure, nagelneue, knallrote und hochglänzende Feuerwehrauto jungfräulich in der großen Fahrzeughalle, ab dem 15. Februar aber heißt es dann auch für den „ME-FW 3231“ im Brandfall: Wasser Marsch! „Wie der Name schon sagt, ist dies ein Löschfahrzeug, das bedeutet: In erster Linie verfügt es über einen riesigen Wassertank, der 3500 Liter Wasser fassen kann“, erklärt Dominic Wulf, einer der beiden Pressesprecher der Feuerwehr Heiligenhaus. Und: „Sein Vorgänger, der uns 21 Jahre lang begleitet hat und jetzt ausrangiert wird, hatte nur einen 2400-Liter-Tank“.

Ein großer Wassertank ist bei Brandeinsätzen auf Autobahnen zwingend erforderlich

Das klingt erst einmal vielleicht eher unspektakulär, schließlich gibt es flächendeckend Wasserzapfstellen. „Spannender“ wird es da aber im Hinblick auf Autobahneinsätze. „Auf Autobahnen gibt es keine Hydranten, da zählt also tatsächlich jeder Liter Wasser, den man dabei hat. Die Neuanschaffung hat also durchaus auch etwas mit dem Ausbau der A 44 zu tun“, weiß der Experte. „Bei normalen Autobränden kommen wir mit der Füllung eines Tanklöschwagens normalerweise hin, bei größeren Geschichten wie etwa LKW-Bränden wird es schon schwieriger. Unser Neufahrzeug hat jetzt zusätzlich auch noch einen fest eingebauten Schaummitteltank mit rund 200 Litern Schaummittelkonzentrat.“ Und nicht nur das: Der 18-Tonner ist durch hohe Einzelbereifung und Allradantrieb wesentlich höher und somit geländetaglicher als das Altfahrzeug. „Wir haben hier in Heiligenhaus ja durchaus einige Außengehöfte und viele unbefestigte Zufahrtswege, bei Starkregen überspülte Straßen, da ist so ein Auto schon wirklich extrem vorteilhaft“, weiß Nils Vollmar, stellvertretender Feuerwehrleiter, und zeigt auf die Einstiegstufen am Fahrerhaus: „Man sieht hier richtig gut, wie hoch die Fahrer und Beifahrer jetzt für den Einstieg klettern müssen.“

Wasserdüsen ermöglichen das Fahren auf brennendem Untergrund

Besonders sind auch die Wasserdüsen an der vorderen Stoßstange. „Damit können wir im Vorfeld eine Brandfläche, über die wir vielleicht fahren müssen, bewässern oder auch ablöschen“, erklärt Dominic Wulf. Dass das Fahrzeug seit Mitte Dezember nur in der Halle gestanden hat und noch nicht im Einsatz war, hat übrigens einen plausiblen Grund. „Unsere Mitarbeiter müssen erstmal alle mit dem Wagen vertraut gemacht und richtig eingewiesen werden. Schließlich muss man im Notfall wissen, wie es richtig bedient wird“, informiert Nils Vollmar.

S

chließlich hat sich vieles geändert: Zum einen ist der Löschwagen ein Fabrikat der Marke Scania und nicht, wie üblich von Iveco, Deutz oder Man, zum anderen hat sich im technischen Standard enorm viel verändert, vor allem im Bereich der Pumpsysteme. Und: „Wir haben uns übrigens auch bewusst für ein Automatikgetriebe entschieden, damit die Fahrer sich wirklich auf andere Dinge als das Schalten konzentrieren können, das gleiche gilt für das Martinshorn“, – Vollmer zeigt auf einen roten Buzzer im Fahrerhaus links neben dem Fußpedalen –, „die Sirene wird jetzt mit dem Fuß bedient und nicht mehr manuell.“

Elektrofahrzeuge müssen kontrolliert ausbrennen

So kann die Feuerwehr Heiligenhaus also ab Mitte Februar noch mehr Sicherheit in der Brandbekämpfung bieten, zum Beispiel im Bereich der Autobrände, wie unlängst vor wenigen Tagen, als erst ein Polizeiwagen und wenige Stunden später ein Transporter der evangelischen Kirchengemeinde in Flammen aufgingen. Einzig bei Elektroautos kann auch der Einsatz des neuen TLF 3000 nur wenig bewirken, weiß Vollmar. „Bei brennenden E-Autos ist es so, dass man die nicht so problemlos gelöscht bekommt. Wir hatten Gott sei Dank einen solchen Fall noch nicht, weil die recht schwer entflammbar sind. Aber wenn das mal vorkommen sollte, dann geht es darum, das Fahrzeug kontrolliert ausbrennen zu lassen und die Umgebung zu schützen.“

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