Ökosystem

Heiligenhaus braucht „mehr Mut zur Wildnis“

Wildblumenwiesen sehen nicht nur toll aus, sondern sind auch lebenswichtig für viele Insekten und Bienen.

Wildblumenwiesen sehen nicht nur toll aus, sondern sind auch lebenswichtig für viele Insekten und Bienen.

Foto: Ulrich Bangert

Heiligenhaus.   Für die Zukunft von Bienen, Schmetterlingen und Co entstehen in Heiligenhaus mehr Wildblumenwiesen. Förster Hannes Johannsen begrüßt Entschluss.

Viele neue Wildblumenflächen an weiteren 23 Standorten sollen in Heiligenhaus entstehen. Das beschloss am Dienstagabend der städtische Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt einstimmig auf Antrag der SPD: Auf rund 8200 Quadratmeter städtischer Grünflächen sollen nun mit der Zeit intensiv Wildblumen entstehen.

Das stellt zu den bereits bestehenden 700 Quadratmeter Wildblumenfläche einen großen Zuwachs dar. „Auf solchen Wiesen entwickeln sich Insektengesellschaften und ein ganzes Ökosystem“, weiß Stadtförster Hannes Johannsen. Er setzte im Zuge des Wildblumenkonzepts gemeinsam mit dem Umweltbildungszentrum (UBZ) in diesem Jahr bereits einige Maßnahmen um.

Wildblumensamentüten verteilt

So konnten zum Beispiel am UBZ erfolgreich Probeflächen mit verschiedenen Samenmischungen angelegt und ein Sponsor gewonnen werden, der mit 1.500 Euro die Anlage von Blühstreifen auf Ackerflächen bezuschusst. Zudem verteilte man schon bereits 2.500 Tüten mit Blumensamen an Schulkinder, die an den Waldführungen des UBZ teilnahmen. Diese liegen auch bei Kotthaus und Beer sowie in der Kreissparkasse aus, zwei weiteren Unterstützern. Ziel sei es, im hauseigenen Garten kleine Blühinseln anzulegen.

Aber auch die städtischen Schulen werden bei den neuen geplanten Flächen eine Rolle spielen. Am Immanuel-Kant-Gymnasium beispielsweise werden auf 250 Quadratmeter und an der Realschule sogar 1000 Quadratmeter Wildblumen entstehen. An einigen Schulen wird in diesem Zusammenhang bereits ein, durch das UBZ begleitetes, umweltpädagogisches Lern- und Forschungsprojekt durchgeführt. Hierbei werden die Kinder und Jugendlichen die Lebewesen der Wildblumenflächen kartieren, die Problematik des Insektensterbens kennenlernen und Lösungsansätze erarbeiten.

Manche Flächen werden dennoch gepflegt

Peter Kramer, Fraktionsvorsitzender der SPD, ist von dem Beschluss überzeugt und weiß jedoch: „Nicht alle Bürger sind darüber glücklich, dass Flächen sich selbst überlassen bleiben. Einige stellen sich zudem die Frage, ob durch die Maßnahmen womöglich Kindern die Spielflächen entzogen wird.“ Förster Johannsen sieht das Ganze allerdings unproblematisch: „Wir werden ja darauf achten, dass die Wildblumenflächen an geeignete Stellen hinkommen. Es muss sich keiner darum sorgen, dass plötzlich ein Fußballplatz mit Wildblumen bedeckt ist.“

Trotz des Mottos von Johannsen, „Mut zur Wildnis“, werden auch die geplanten Flächen nicht ganz ohne Pflege auskommen. Weiterhin heißt es in dem Beschluss, dass es aufgrund der noch fehlenden Erfahrungen bezüglich der Pflege und Unterhaltung der Flächen an den vorgeschlagenen Standorten wahrscheinlich sein werde, dass die Einsaat möglicherweise jedes Jahr neu erfolgen müsse. Hierzu wird derzeit von den Technischen Betrieben eine Umkehrfräse beschafft, die Saatbete an den Flächen vorbereiten soll.

Umgesetzt wird der Beschluss nach dem Beginn des neuen Jahres. Erst nach der Blütezeit kann dann beurteilt werden, wie geeignet die geplanten Flächen tatsächlich sind. „Es gibt kein Handbuch für die perfekte Wildblumenwiese, da diese von vielen Faktoren abhängen. Wir müssen es einfach ausprobieren“, plädiert Johannsen.

>> Überall können kleine blühende Inseln entstehen

  • Das Ziel von Förster Hannes Johannsen ist es, dass durch das Verteilen der Wildblumensamentüten überall in der Stadt kleine blühende Inseln entstehen. „Dadurch können Bienen, Schmetterlinge und Insekten dann von Ort zu Ort fliegen und haben immer wieder Nahrungsquellen.“
  • Auch im heimischen Garten können diese angelegt werden; die Einsaat sollte aber erst im Sommer erfolgen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben