Geschichtsverein

Geschichten geben Einblick in die Heiligenhauser Geschichte

Rolf Watty (von links), Reiner Stephany, Ruth Ortlinghaus, Hartmut Nolte, Roswitha Eikermann, Rolf Hitzbleck, und Reinhard Schulze Neuhoff zeigen den 18. Band des „Cis Hilinsiweg“.

Rolf Watty (von links), Reiner Stephany, Ruth Ortlinghaus, Hartmut Nolte, Roswitha Eikermann, Rolf Hitzbleck, und Reinhard Schulze Neuhoff zeigen den 18. Band des „Cis Hilinsiweg“.

Foto: Uwe Möller / Funke Foto Services

Heiligenhaus.  Der Geschichtsverein Heiligenhaus hat einen neuen Band „Cis Hilinciweg“ herausgebracht. Dieser ist voll mit spannenden und berührenden Beiträgen.

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Eine Fülle an hochinformativen und auch berührenden Geschichten zur Geschichte der Stadt hat wieder der Geschichtsverein Heiligenhaus im seinem 18. Band des „Cis Hilinciweg“ veröffentlicht. Am Freitag wurde die neue 44-seitige Broschüre im Museum Abtsküche vorgestellt. Und sie steht diesmal im Zeichen gleich zweier historischer Jahreszahlen.

So jährt sich dieses Jahr der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum 80. Mal – und im kommenden Jahr das Ende des schrecklichen Vernichtungskrieges zum 75. Mal. Grund genug, dass sich die Ausgabe 2019 des „Cis Hilinciweg“ als Schwerpunkt mit den Ereignissen der damaligen Zeit befasst. So berichtet der ehemalige Stadtarchivar Hartmut Nolte, welche Bombenschäden es in dem Krieg gegeben hat. Denn auch wenn die Stadt „kein ausgesuchtes Ziel britischer oder amerikanischer Bombenflugzeuge“ – abgesehen von einigen Jagdbombern – gewesen sei, sei es etwa durch so genannte Notabwürfe dennoch auf Heiligenhauser Gebiet zu Schäden gekommen. Die Ausführungen sind dabei anschaulich mit historischen Bildern versehen, die das Ausmaß der Zerstörung zeigen.

Broschüre würdigt evangelischen Pfarrer in der NS-Zeit

Auch ein ehemaliger evangelischer Pfarrer, der sich gegen das NS-Regime stellte, findet in dem Band seine Würdigung, wie Rolf Watty vom Beirat des Geschichtsvereins ausführt: „Der Bericht ist die Lebensbeschreibung des beliebten Pastors Wilhelm Stephany.“ Dieser kam 1932 als Geistlicher nach Heiligenhaus und wehrte sich in der NS-Zeit gegen die Gleichschaltung der Kirche. Die Erinnerungen an Stephany kommen dabei aus erster Hand: Autor des Berichts ist der Neffe des Pfarrers, Reiner Stephany, der sagt: „Mein Onkel war eine leuchtende Erscheinung, klug, humorvoll, manchmal wurde er als schwierig bezeichnet, er konnte auch streng sein.“

Von diesen Attributen habe er sich unter anderem während des Krieges überzeugen können, als er eine Woche bei seinem Onkel im Pfarrhaus verbracht habe, so Reiner Stephany, der auch als Pfarrer (in Hamm in Westfalen) tätig ist. Im Anschluss an seinen Bericht ist – als weiteres Zeitzeugnis – eine Kopie des Abschiedsbriefes zu sehen, den Wilhelm Stephany kurz vor seinem Tod 1954 dem Presbyterium geschrieben hatte.

Erinnerungen an die Kriegszeit aus Kindersicht

Auch Rolf Watty vom Geschichtsverein kommt zu Wort: Er hat seine Erinnerungen „als damals Zehnjähriger“ an die Kriegs- und Nachkriegszeit verfasst – und gerade diese Sicht aus Kinderaugen ist eindrücklich. Ebenso bewegend ist der Bericht von Ruth Ortlinghaus zu der Film-Dokumentation mit Zeitzeugen „Heil Heiligenhaus – Jugend in der Nazi-Zeit“. Sie legt den Film auch allen ans Herz und berichtet, wo man eine Kopie dessen bekommt: „Er liegt stapelweise als DVD im Club und kann für 15 Euro gekauft werden“ (weitere Informationen im Club, Hülsbecker Straße 16, 02056/6483).

Daneben gibt es noch Beiträge, die sich nicht mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen. So Berichte von Adolf-Hermann Mackrodt zu „Rund um die Hofermühle“ und zur Geschichte der (schon fast vergessenen) Kalkwerke in dem Stadtteil. Zudem liefert Rolf Hitzbleck eine Chronik zur katholischen Kirchengeschichte in Heiligenhaus. Und dabei wusste der Zweite Vorsitzende des Fördervereins „Unser Dom“ als Geschichtsinteressierter nicht alles über die Kirchenhistorie: „Ich habe beim Blick in das Archiv auch noch einiges gelernt“, erklärt er.

Zwei Nachrufe gedenken langjährigen Vereinsmitgliedern

Ein zweiter Beitrag von Ruth Ortlinghaus befasst sich übrigens noch mit der Geschichte der Spedition Eischeid: „Es ist sehr schade, dass es solche alteingesessenen Unternehmen wie Dörrenhaus oder Eischeid nicht mehr in der Stadt gibt.“ Gerade Eischeid habe auch einiges für Heiligenhaus getan – und etwa Räume zur Verfügung gestellt, wo die Bücher für den Bücherflohmarkt des Stadtmarketing-Arbeitskreises Kultur und Gesellschaft gelagert werden konnten, so die Arbeitskreis-Sprecherin Ruth Ortlinghaus.

Auch an zwei herausragende, verstorbene Mitglieder des Geschichtsvereins erinnern zwei Nachrufe von Roswitha Eikermann: Sie gedenken des langjährigen Vorsitzenden und Heimatforschers August Steinbrink sowie des ebenfalls langjährigen Beiratsmitglieds Klaus Sternemann.

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