WAZ-Serie: Waldverliebt

Fliegende Häuslebauer brauchen auch die Hilfe von Menschen

Helena Kass, Praktikantin im Umweltbildungszentrum, weiß viel über die Fütterung von Wildvögeln und das Thema Nistkästen.

Foto: Alexandra Roth

Helena Kass, Praktikantin im Umweltbildungszentrum, weiß viel über die Fütterung von Wildvögeln und das Thema Nistkästen.

heiligenhaus.   Warum viele Vogelarten heute Probleme bei der Suche nach geeigneten Nistplätzen haben. Und wieso der Specht auch für andere baut.

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Hier piept’s wohl - hoffentlich jedenfalls. Für viele heimische Vogelarten hat bereits die Brutzeit begonnen. Höchste Zeit also, beim Nestbau nachzuhelfen. Denn vielen kleinen Flattermännern und -frauen fehlen hierzulande geeignete Nistplätze. Grund dafür sind die moderne Bauweise vieler Gebäude und die penible Ordnung in manchen Hausgärten.

Mauerspalten, morsche Baumstämme, dichte Hecken, Ritzen in den Wänden alter Bauernhäuser - viele Vögel suchen heute vergeblich nach Stellen, an denen sie geschützt Eier ausbrüten und ihre Jungen aufziehen können. „Neue Häuser haben zu wenige Nischen zum Brüten. Totes Holz wird abgesägt. Deshalb haben Vögel wenig Möglichkeiten zum Nisten“, sagt Helena Kass.

Oft fehlen nun die Insekten als Nahrung

Die Ratingerin studiert in Münster Landschaftsökologie im fünften Semester, absolviert aktuell ein Praktikum im örtlichen Umweltbildungszentrum (UBZ) und hat sich mit dem Thema Nisten beschäftigt. „Mut zu ein wenig Wildnis im Garten“, rät sie. Damit meint sie keineswegs, dass die Heiligenhauser den Vögeln zu Liebe nun ihre Gärten verwildern lassen sollen. „Aber eine kleine Ecke, in der das Gras wachsen darf, ein alter Holzstapel oder Reisighaufen bringt schon eine ganze Menge“, erklärt Förster Hannes Johannsen.

Die frisch geschlüpften Jungen brauchen viel Eiweiß

Denn solche Stellen bieten Kinderstube, Lebensraum und Futterplatz für Insekten und Vögel zugleich. Der Mangel an natürlicher Vielfalt in dicht besiedelten Räumen wirkt sich auch auf die Nahrungskette aus. 80 Prozent weniger Insekten schwirren nach Schätzung des Försters durch die Heiligenhauser Lüfte. 80 Prozent weniger Futter für Vögel. Die frisch geschlüpften Jungen sind in den ersten Lebenswochen jedoch auf Eiweiß angewiesen. Deshalb müssen die Altvögel Insekten fangen, damit sie ihren Nachwuchs optimal versorgen können.

Haus- und Gartenbesitzer können den kleinen Fliegern auch noch auf andere Weise beim Nestbautrieb helfen. Womit, das zeigt Hannes Johannsen: Der Förster öffnet die Front einer künstlichen Nisthöhle aus atmungsaktivem Holzbeton. Der kleine Kasten ist braun und unscheinbar, zieht zur Brutzeit jedoch jede Menge Piepmätze an. Welche genau, ist von der Größe des Einfluglochs abhängig.

Der Stadtförster sorgt für morsches Holz als Nistplatz

„Diese Höhlen sind sehr langlebig, können einfach aufgehängt und gereinigt werden“, so Johannsen. Denn nicht jedes handelsübliche Vogelhaus ist als Nest geeignet. „Rote Häuschen beispielsweise nehmen die Vögel oft nicht an, weil Rot eine Warnfarbe ist“, erklärt der Förster. Auch Nistkästen aus Kunststoff seien wegen fehlender Luftzirkulation nicht ideal. Wer selbst einen Nistkasten zimmern möchte, könne sich zum Beispiel auf der Website des Nabu über geeignete Bauanleitungen und das richtige Material informieren.

Um Spechten, Kleibern und Spatzen bei der Nistplatz-Suche zu helfen, bedient sich der Stadtförster im Wald einer ganz anderen Methode. Er sorgt gezielt für morsches Holz im Heiligenhauser Gehölz. So kann in toten Bäumen neues Leben beginnen. „Das machen wir nur dort, wo wir niemanden gefährden könnten. Ein Anteil von zehn Prozent Totholz im Wald bietet den Spechten viele Möglichkeiten zum Höhlenbau“, erklärt der Förster.

Der Specht ist oft nicht mit der ersten Höhle zufrieden

Die größten Häuslebauer unter den heimischen Vögeln, Spechte, bauen nämlich mit dem typischen Trommelwirbel nicht nur für sich selbst. Sie sind wählerisch. Bevor sie die perfekte Behausung in einen Stamm gehämmert haben, haben sie meist schon mehrere Höhlen angelegt und für ungeeignet befunden.

Andere Vogelarten beziehen die ausrangierten Spechthöhlen und legen dort ihre Eier ab. Damit es im Frühjahr piept, muss der Mensch die Natur mal machen lassen - ob im Wald oder im eigenen Garten.

Einmal im Jahr steht ein Großputz auf dem Programm

Vögel mögen’s großzügig. Beim Kauf oder Bau eines Nistkastens sollten Vogelfreunde daher nicht zu kleinlich sein. Das hat einen ganz naheliegenden Grund: Ist die Fläche der Nisthilfe zu klein, müssen sich die Vogeleltern zum Füttern auf ihre Jungen setzen. Gerade bei Regen kann das negative Folgen haben. Denn: „Die Vögel verkühlen ihren Nachwuchs“, erklärt Helena Kass, Landschaftsökologie-Studentin und UBZ-Praktikantin.

Die größeren Kästen hätten allerdings einen Nachteil: Die Vögel füllten oft die gesamte Grundfläche mit ihrem Nest aus, was mit viel Arbeitsaufwand verbunden sei. Um den Tieren den Nestbau zu erleichtern, könne man ganz einfach eine kleine Sperre in den vorderen Brutraum einsetzen. Der habe auch den Vorteil, dass Katzen oder Marder mit ihren Pfoten nicht an das Nest gelangen könnten. Idealerweise hängt man einen Nistkasten im Herbst auf. So bietet er nicht nur Platz zum Brüten, sondern im Winter auch Schutz vor der Kälte. Beim Anbringen der Nisthöhle ist die Himmelsrichtung ein wichtiger Aspekt.

Optimal für Nistkasten ist die Süd-Ost-Richtung

Keinesfalls sollte die Behausung in Richtung Süden oder Norden aufgehängt werden. Auch der Westen als Hauptschlag-Regenseite sei nicht geeignet. „Optimal ist Süd-Ost“, rät Stadtförster Hannes Johannsen. Außerdem empfiehlt er Aluminiumnägel zum Aufhängen an einem Baum. Sie sind weich und lassen sich beim späteren Absägen eines Stamms leicht zerteilen.

Treffe eine Motorsäge aber auf vergessene Eisennägel, könne die Kette reißen und das zu Schäden bei Werkzeug und Mensch führen. Im heimischen Garten reicht es, den Kasten in einer Höhe von etwa zwei Metern anzubringen. Möglichst so, dass Katzen und andere Nesträuber kein leichtes Spiel haben. Im Wald beträgt die ideale Höhe für Nisthöhlen vier Meter. So könne kein Erwachsener mit einem Stock an das Häuschen gelangen und die Kinderstube stören.

Bloß keine schädlichen Reinigungsmittel benutzen

Einmal im Jahr sollte auch bei Vogelhäusern der Hausputz anstehen. „Am besten im Spätsommer“, sagt Hannes Johannsen. Also zum Schutz vor Ungeziefer Handschuhe, Mütze und Jacke anziehen und alles aus der Vogelbude rausholen. „Aber bitte keine schädlichen Reinigungsmittel benutzen.“

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