Kultur

Fechten musste Arnd Federspiel noch nicht

Probe für „Total abgedreht“: Edeltraud Renn, Arnd Federspiel und Peter-Maria Anselstetter vom Ensemble des „Theater Courage“ in Essen.

Probe für „Total abgedreht“: Edeltraud Renn, Arnd Federspiel und Peter-Maria Anselstetter vom Ensemble des „Theater Courage“ in Essen.

Foto: WAZ FotoPool

Essen.   Aber schlagkräftig war er auf der Bühne schon das eine oder andere Mal. Aus Heiligenhaus zog es ihn in Ferne und auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Die WAZ traf ihn bei Proben für „Total abgedreht“ im Essener „Theater Courage“.

Auf der Bühne ist er in seinem Element, gibt den geldgierigen Produzenten so schmierig, wie man sich das so vorstellen kann, oder hüpft (nun Tonmann mit Mikro) locker über die Bretter, die die Welt bedeuten. WAZ-Redakteurin Petra Treiber traf Arnd Federspiel bei den Proben zu „Total abgedreht“ im „Theater Courage“. Der in Heiligenhaus aufgewachsene Krimiautor betreibt hier seine zweite Profession.

Sie stehen in zwei Stücken auf der Bühne: „Total abgedreht“ und „One-Hit-Wonderland“. Wie sind Sie als Jurist und Krimischreiber eigentlich zur Schauspielerei gekommen?

Arnd Federspiel: Ich wollte schon in meiner Jugendzeit immer gerne spielen. So etwas wie eine Theater-AG gab es am Heiligenhauser Kant-Gymnasium damals noch nicht. Aber ich habe Bühnenerfahrungen während der Studienzeit in Gießen und auch am Theater der damals noch dort stationierten amerikanischen Streitkräfte sammelt. Nach dem Jura-Staatsexamen habe ich dann eine Schauspielschule bei London besucht.

Warum eine Ausbildung in England?

Ich war schon über 30, und da hat man an hiesigen Schauspielschulen kaum eine Chance, aufgenommen zu werden. Außerdem habe ich durch das Anglistik-Studium eine hohe Affinität zu England.

Sie hätten das ja auch direkt nach der Schule machen können…

Da wollte ich erst was Ordentliches lernen, worauf man zurückgreifen kann. Die Schauspielerei ernsthaft zu betreiben, das entwickelte sich dann im Studium.

Gibt es einen Schauspieler, den Sie als Vorbild haben?

Ich finde Michael Caine sehr gut. Insofern hat er sicherlich auch Vorbildfunktion, aber man schaut in diesem Beruf generell, was ein bestimmter Schauspieler gut macht, und versucht, daraus zu lernen.

Wie lief die Ausbildung dann ab?

Da ich ein abgeschlossenes Studium hatte, verkürzte sich die Ausbildung von drei auf ein Jahr. Man kriegt vieles beigebracht, was auf der Bühne wichtig ist. Also Stimmbildung, Rollenvorbereitung und Textarbeit und auch so praktische Sachen wie Gesang, Tanzen und Fechten. Und noch einige mehr.

Haben Sie denn in einem Stück schon mal fechten müssen?

Nein. Aber Schlägereien gab’s durchaus.

Wo haben Sie damals mitgespielt?

In jedem Trimester haben wir Stücke erarbeitet. Das waren etwa Arthur Millers „Hexenjagd“, Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ und „Früchte des Zorns“ von John Steinbeck. Ich bin auch nach dem Diplom noch einige Zeit in England geblieben und habe dort gespielt, zum Beispiel in „Richard III“ und „Identity Panic“.

Haben Sie auch heute noch Engagements an britischen Bühnen?

Mein Agent in England vermittelt mir immer noch Castings. Aber das muss auch zeitlich passen. Vormittags der Anruf und nachmittags vor Ort sein, das geht nicht so einfach.

Zurück in Deutschland 2002, wie ging es da weiter?

Keine großen Rollen, eher Kleinkram fürs Fernsehen. Zwei Auftritte in der „Lindenstraße“, bei denen ich zwei, drei Sätze zu sagen hatte. Und noch ein paar weitere Sachen.

Im „Courage“ sind es jetzt tragende Rollen. Die Stücke werden abwechselnd gespielt. Fällt Ihnen das Textelernen und -behalten leicht?

Das ist mein Job, und es macht ja auch Spaß, sich immer wieder auf neue – oder alte – Rollen einzulassen. Insofern fällt es mir glücklicherweise recht leicht.

Sind Sie nervös vor Auftritten?

Nicht nervös. Da ist eher eine gewisse Grundanspannung, die man aber auch braucht. Und wenn man die hat, hilft am besten eines: spielen.

Was waren Ihre lustigsten Patzer?

Da fällt mir spontan nichts ein, was aber nicht heißen soll, dass es keine gab.

Was mögen Sie lieber: Krimis schreiben oder Schauspielern?

Ich mag beides sehr. Wobei: Schreiben kann ich immer und überall. Die Schauspielerei verlangt einen festen Ort und eine feste Zeit. Und meinen Brotberuf, das Übersetzen, gibt es ja auch noch.

Können Sie sich vorstellen, ein Theaterstück zu schreiben? Oder haben Sie sogar schon eins in der Schublade liegen?

Vorstellen kann ich es mir, aber etwas Konkretes gibt es bisher nicht.

Am 28. September sind Sie zu Gast im VHS-Erzählcafé in Heiligenhaus, Wie sind Ihre Erwartungen?

Ich freue mich sehr darauf. Ich habe mich länger mit Herrn Ihle unterhalten und denke, es wird ein spannender Nachmittag werden.

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