Ehrenamt

Eine Heiligenhauserin weiß, wie man Familienträume strickt

Die Mutter von Almuth Schildmann-Brack vom Jugendamt

Die Mutter von Almuth Schildmann-Brack vom Jugendamt

Foto: Ulrich Bangert

heiligenhaus.   Margarete Schildmann hat viele Socken gestrickt, die den Willkommenstaschen der Stadt für Neugeborene beigefügt wurden. Nun hört sie auf.

Margarete Schildmann weiß genau, woraus die Träume von jungen Familien gestrickt sind: nämlich aus Kindersöckchen. Denn die 76-Jährige hat über viele Jahre hinweg ehrenamtlich kleine Fußwärmer für Babys gestrickt – und diese wurden den Willkommenstaschen der Stadt für jedes neugeborene Kind beigefügt. Nun hört die Heiligenhauserin aber auf.

Bereits seit 2007 verteilt das Jugendamt Heiligenhaus die Willkommenspakete an junge Familien. Darin sind beispielsweise enthalten: eine umfangreiche Mappe mit vielen Informationen zum Kleinkind und zu den städtischen Angeboten für den Nachwuchs, eine Spieluhr, eine Rassel, Gutscheine – sowie eben ein süßes Paar Söckchen. Und seit Beginn der Willkommenstaschen ist Margarete Schildmann, übrigens die Mutter von Almuth Schildmann-Brack vom Jugendamt, mit an Bord.

Nach zwei bis drei Stunden ist ein Paar fertig

Mit heißer Nadel strickt sie die Socken aber nicht, schließlich benötigt alles seine Zeit: „Für ein Paar brauche ich zwei bis drei Stunden“, sagt sie – die Dauer hängt natürlich auch davon ab, wie aufwendig sich das Design gestaltet. So hat die pensionierte Steuerfachgehilfin jede Menge in petto, von Ringelsöckchen über melierte oder gepunktete Socken.

Zu ihrem Ehreamt ist sie durch ihre Tochter gekommen, die natürlich die Fingerfertigkeiten ihrer Mutter gut kannte. „Sie hat mich gefragt, ob ich nicht die Socken stricken wolle“, schildert Margarete Schildmann. Und ja, das konnte sie sich gut vorstellen und legte los. Mittlerweile hat sie nach eigener Schätzung gut 1000 Paar Socken hergestellt.

Nun ist auch auf Wunsch ihres Mannes Schluss

Ganz neu war die Aufgabe für sie aber nicht: So hatte die 76-Jährige bereits als Vorstandsmitglied des Fördervereins des Club Heiligenhaus seit 2001 Socken gestrickt. Diese wurden dann auf dem Weihnachtsmarkt verkauft,

Doch nun macht Margarete Schildmann Schluss – vor allem auf Wunsch ihres Mannes. Denn: „Ich habe meine Frau nur noch Stricken gesehen. Sie kann an keinem einzigen Wollladen vorbeigehen und kann auch schon mit geschlossenen Augen stricken“, sagt Hans-Werner Schildmann lachend. Und auch seine Liebste, mit der er seit nun 52 Jahren verheiratet ist, findet sich mit dem „Ruhestand“ beim Sockenstricken ab „Es wird Zeit, dass es in andere Hände geht“, meint sie.

Das Jugendamt sucht jetzt neue Strick-Helfer

Diese anderen Hände sucht nun auch Thomas Langmesser, Leiter des Geschäftsbereiches Soziales, Jugend und Kultur bei der Stadt, auch wenn es noch weitere ehrenamtliche Socken-Strickerinnen in Heiligenhaus gibt. Doch Margarete Schildmann hinterlässt eben eine große Lücke: „Wir brauchen nun andere Helfer“, sagt Langmesser.

Wer an dieser Aufgabe Interesse hat, kann sich im Jugendamt bei Almuth Schildmann-Brack unter der Telefonnummer 02056/13 277 melden. Sie hat übrigens nach eigener Aussage das Strick-Talent ihrer Mutter nur sehr bedingt geerbt: „Ich habe ein einziges Mal in meinem Leben etwas gestrickt, und zwar einen Pullunder. Und der sah aus wie ein Sack“, meint sie mit einem Schmunzeln.

>>>AKTION IST SPENDENFINANZIERT

  • Jedes Jahr verteilt die Stadt rund 200 Willkommenstaschen an junge Familien. Diese werden unter anderem von Mitarbeitern der Familienzentren überreicht.


  • Finanziert wird die Aktion überwiegend aus Spenden – insbesondere aus der Alice-Thormählen-Stiftung. Das hatte Ortrud Elsner vom Jugendamt initiiert.
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