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Dieselverbot könnte auch Heiligenhauser Pendler treffen

Dieselfahrzeuge stehen wegen des hohen Stickoxid-Ausstoßes in der Diskussion.

Foto: Markus Scholz/dpa

Dieselfahrzeuge stehen wegen des hohen Stickoxid-Ausstoßes in der Diskussion. Foto: Markus Scholz/dpa

Heiligenhaus/Kreis Mettmann.   Im Kreisgebiet werden teilweise Stickoxid-Werte überschritten. Kritisch könnte es bald für Diesel-Fahrer auf dem Weg nach Düsseldorf werden.

Dieselfahrverbote könnten dieses Jahr für die Städte im Kreis Mettmann, darunter auch Heiligenhaus, zu einem unangenehmen Thema werden. Bei Messungen im Jahr 2016 wurden die Jahresmittelwerte von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid zwar nur in Langenfeld und Mettmann minimal überschritten. Landrat Thomas Hendele sieht jedoch eine andere Gefahr: „Ein drohendes Fahrverbot in Düsseldorf würde uns als Nachbarkreis empfindlich treffen.“

Die Landeshauptstadt ist NRW-weit Spitzenreiter mit 58 Mikrogramm Stickstoffdioxid Jahresmittelwert an der Messstelle Corneliusstraße (siehe Infokasten). Der neue Luftreinhalteplan für Düsseldorf soll am 1. Juli in Kraft gesetzt werden. Ob und wann Dieselfahrer ihre Autos stehen lassen müssten, ist derzeit noch unklar. Ein Fahrverbot, so Landrat Hendele, wäre für viele Pendler, und Handwerksbetriebe der Region wirtschaftlich eine Katastrophe. „Wir würden uns dann mit dem Kreistag gegen eine etwaige Verfügung der Bezirksregierung zur Wehr setzen“, kündigt er an.

Ausbau des ÖPNV könne ein möglicher Weg sein

Auch die niederbergische SPD-Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Kerstin Griese zeigt sich besorgt angesichts drohender Fahrverbote. Die Maßnahmen des Dieselgipfels Ende November (Sofortprogramm von einer Milliarde Euro zur Verbesserung der Luftqualität in den Kommunen) seien zwar ein wichtiger Schritt. „Aber sie reichen nicht aus, um Fahrverbote in Mettmann und Langenfeld wirklich auszuschließen.“ Griese fordert ein umfassendes Investitionsprogramm für nachhaltige Mobilität. „Dazu gehören bessere Angebote im ÖPNV, die Elektrifizierung von Busflotten, mehr E-Auto-Ladestellen und der Bau von Radwegen.“

Auch Landrat Hendele sieht im Ausbau des ÖPNV eine Möglichkeit, um Abgas-Emissionen zu senken. „Das braucht allerdings seine Zeit“, betont er. Die Realisierung der Regiobahn von Mettmann nach Wuppertal, die ab 2019 fahren soll, habe beispielsweise 15 Jahre gedauert. Für mehr Buslinien brauche man auch entsprechende Fahrzeuge und Fahrer. ÖPNV-Angebote müssten aber vor allem auch zuverlässig und günstig sein, damit die Menschen das Auto stehen ließen. „Hendele: Wenn der VRR aber die Preise senkt, geht das wieder zu Lasten der Kommunen.“

Bürgermeister Michael Beck sieht Autobauer in der Pflicht

Bei der Lösung des Abgas-Problems sieht der Landrat deshalb vor allem die Autoindustrie in der Pflicht. „Hier sind Käufer von Dieselfahrzeugen klar betrogen worden. Die Autobauer müssen die Hardware auf eigene Kosten umrüsten.“

Das fordert auch Bürgermeister Michael Beck. Heiligenhaus sei zwar seiner Kenntnis nach nicht unmittelbar von Fahrverboten durch zu hohe Emissionswerte betroffen. „Wir haben aber eine hohe Pendlerquote. Auch für die Gewerbetreibenden, die in die Nachbarstädte fahren müssen, könnte das ein unangenehmes Thema werden.“ Einen Austausch zwischen den Kommunen im Kreis zum Thema Fahrverbote habe es aber in jüngster jedenfalls nicht gegeben.

Eine Entlastung für Heiligenhaus in Bezug auf Lärm- und Feinstaubemissionen erhofft sich Beck zudem durch die anstehende Eröffnung des ersten Teilstücks der A 44. Wann es so weit sein wird, ist aber noch nicht klar.

>>> DÜSSELDORF SOLL MEHR FÜR SAUBERE LUFT TUN

  • Die Stadt Düsseldorf war vor Gericht verpflichtet worden, mehr für saubere Luft zu tun – notfalls mit Fahrverboten für Diesel-Fahrzeuge. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hatte betont, es bestehe eine staatliche Schutzpflicht für Leben und Gesundheit der Bürger.
  • Geklagt hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH), weil in Düsseldorf seit Jahren an mehreren Messpunkten die Grenzwerte für Stickstoffdioxid deutlich überschritten wurden. Die Stadt Düsseldorf betonte zuletzt, bei dem derzeit diskutierten Luftreinhalteplan der Behörde handele es sich um eine Arbeitsfassung. Darin fehlten noch wesentliche Informationen.

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